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Heidfeld atmet auf: "Endlich ein besserer Motor"

Warum Heidfeld beim vorläufig letzten Rennen mit dem Teamkollegen verglichen werden will, wie die Zukunft aussieht und warum Webber am meisten unter Druck steht

(Motorsport-Total.com) - Für Nick Heidfeld ist der Grand Prix von Abu Dhabi ein Rennen mit viel Wehmut. Der Deutsche verabschiedet sich ein weiteres Mal vom Sauber-Rennstall und steht vor einer ungewissen Zukunft. Während sein vorläufig letztes Rennen im Trubel um das spannende Titelfinale untergeht, muss er einmal mehr zusehen, wie mit Mark Webber ein ehemaliger Teamkollege des Deutschen um die WM-Krone fährt. Und das, obwohl Heidfeld 2005 gegen den "Aussie" eine äußerst gute Figur abgab. Wie er damit umgeht, warum er sich einiges vom letzten Saisonrennen erwartet und wie er sich seine Zukunft vorstellt, verrät er im Interview.

Nick Heidfeld

Noch-Sauber-Pilot Nick Heidfeld plant weiterhin nur mit der Formel 1 Zoom

Frage: "Nick, an diesem Wochenende hast du endlich einen frischeren Motor, den anderen hast du seit Spa benützt."
Nick Heidfeld: "Ja, deswegen freue ich mich sehr darauf. Natürlich blickt die ganze Formel 1 auf die WM-Entscheidung, die sehr interessant ist. Doch für mich ist es das einzige Rennen, wo ich einen vergleichbaren Motor habe. Die Strecke passt vielleicht nicht perfekt zu unserem Auto - das war Suzuka. Dennoch kann ich hier zeigen, dass ich mit einem guten Motor mehr drauf habe."

Frage: "Der Motor ist aber nicht ganz neu."
Heidfeld: "Nein, er kam beim Rennen in Spa und an einigen Freitagen zum Einsatz. Im Gegensatz zum alten ist er vielleicht nicht neu, aber vergleichbar. Bei den anderen Rennen hatten meine Motoren viel mehr Laufzeit am Buckel als die anderen Autos."

Frage: "Ist es mit einem perfekten Qualifying möglich, hinter Red Bull, Ferrari und McLaren best of the rest zu sein?"
Heidfeld: "Das hängt davon ab, wie uns die Strecke liegt. Man glaubt immer im Vorfeld, dass man es einschätzen kann, doch dann ist es doch anders. In Brasilien glaubten wir, dass uns die Strecke überhaupt nicht liegt, dann war ich am Freitag aber ständig in den Top zehn. Meine Longruns waren sogar noch besser."

"Ich will nicht kritisieren, doch dieser Motor war schon besonders schwach." Nick Heidfeld

"Ich will nicht kritisieren, doch dieser Motor war schon besonders schwach. Ich weiß nicht, was man erwarten darf. Es wäre schön, mit einem guten Qualifying und etwas Glück in die Top zehn zu kommen und dann ein geradliniges Rennen zu haben und Punkte zu holen. Wenn man außerhalb der Top zehn startet, dann muss man immer riskieren oder sich auf das Glück verlassen."

Frage: "Die Geschwindigkeit auf der Geraden könnte für euer Auto ein Problem werden."
Heidfeld: "Höchstgeschwindigkeit ist nicht unsere Stärke, das stimmt. Doch zumindest habe ich jetzt einen besseren Motor. Es ist nicht so, dass der Ferrari-Motor so schwach wäre, es ist ein starker Motor. Dennoch hatten wir viel zu viel Laufzeit drauf."


Fotos: Großer Preis von Abu Dhabi


Frage: "Das wird vorläufig dein letztes Rennen für Sauber sein. Wie sieht es nächstes Jahr aus?"
Heidfeld: "Wie du schon sagtest, ist das vorläufig mein letztes Rennen für Sauber, doch wie oft in meinem Leben habe ich das schon gesagt. Verglichen mit dem letzten Jahr, als ich drei oder vier Jahre bei Sauber, habe ich dieses Jahr nur vier, fünf Rennen absolviert. Es ist ein komplett anderes Gefühl als damals, denn da stieg BMW aus, das war viel emotioneller."

"Für nächstes Jahr sind schon viele Plätze weg, ich spreche mit einigen Teams, darunter Renault, was Boullier ja bestätigt hat. Das wäre die beste Möglichkeit, doch ich denke, dass man durchaus sagen kann, dass es ihnen nicht nur um das Talent geht. Sie haben Vitaly im Auto, der sehr gute Argumente hat. Wenn wir seine Leistungen auf der Rennstrecke in diesem Jahr ansehen, dann wissen wir auch, um welche Argumente es sich handelt."

"Im Moment schaue ich mich nur in der Formel 1 um." Nick Heidfeld

Frage: "Was machst du, wenn du kein Renncockpit bekommst? Interessieren dich die Sportwagen oder peilst du eine Rolle als Testpilot an?"
Heidfeld: "Nein, im Moment schaue ich mich nur in der Formel 1 um. Ich bin 33 Jahre alt. Diese anderen Rennserien werden irgendwann interessant, aber noch nicht jetzt."

Frage: "Sprichst du auch mit Force India?"
Heidfeld: "Ich habe vorhin Renault genannt, weil Boullier das auch bestätigt hat."

Frage: "Siehst du dort eine gute Chance?"
Heidfeld: "Ich weiß es genau, doch ich werde die Interna nicht nach außen geben."

Safety-Car-Regeln sorgen für Verwirrung

Frage: "Du hast in Brasilien eine Boxendurchfahrts¬-Strafe bekommen, weil du Nico Rosberg aufgehalten hast. Hinter dem Safety-Car herrschte viel Verwirrung. Bist du der Meinung, dass sich die überrundeten Autos in der Safety-Car-Phase wieder zurückrunden dürfen sollten?
Heidfeld: "Es gibt hier pro und contra. Wir hatten solche Situation ja schon in der Vergangenheit, als ein Auto vorne hin und her fuhr und das hintere das überrundete Auto überholte. Dann gibt es aber vor allem bei Nässe die Gefahr, dass man langsame Autos in der Mitte des Feldes überrundet, die versuchen, dich vorbei zu lassen. Du siehst sie aber nicht - und dann kracht es. Ich würde es bevorzugen, wenn der Restart in der richtigen Reihenfolge stattfindet."

Frage: "Früher durfte man sich zurückrunden, warum wurde das überhaupt verändert?"
Heidfeld: "Erstens dauert es eine gewisse Zeit, bis sie zum Feld aufschließen, wenn sie sich zurückrunden. In Wahrheit hätte mein Team besser handeln können. Hätten sie mich informiert, hätte ich Nico vorbeigelassen. Doch das ist nicht so einfach. Wir haben zwar GPS, doch nach dem Restart ist das Feld geschlossen an einem Punkt. Deswegen haben sie mich nicht ordentlich informiert. Außerdem erhält das Team normalerweise Information von der FIA, doch das war nicht der Fall. Da ist einiges zusammen gekommen."

"Die Situation mit den blauen Flaggen hätte von unserem Team besser gelöst werden können." Nick Heidfeld

Frage: "Du hattest nur blaue Flaggen?"
Heidfeld: "Ja, ich hatte ab dem Zeitpunkt blaue Flaggen, als das Safety-Car hereinkam. Nico und ich waren innerhalb von zwei Sekunden, doch da waren andere Autos dazwischen. Natürlich bekämpfte ich sie und als dann Nico hinter mir, bekämpfte ich ihn auch. Niemand hat mir etwas gesagt."

Frage: "Hast du ihn im Rückspiegel gesehen?"
Heidfeld: "Ja, ich sah ihn. Doch woher soll ich wissen, ob er ein Gegner ist oder nicht. Denn Massa war auch da und er war in der gleichen Runde wie ich - und ich habe ihn auch bekämpft. Von außen ist es sehr einfach, doch vom Cockpit aus weiß man es nicht. Ich war also zwei Runden lang vor ihm und habe ihn sogar einmal blockiert. Im Nachhinein war das dumm, doch ich wusste es in dieser Situation einfach nicht besser."

Frage: "Was wäre also die perfekte Lösung?"
Heidfeld: "Es gibt keine perfekte Lösung. Die Sache hätte von unserem Team besser gelöst werden können, dann wäre das nie passiert. Andererseits macht es das Rennen spannender, wenn Autos dazwischen liegen."

Frage: "Wird das beim Fahrerbriefing ein Thema sein?"
Heidfeld: "Mein Team wird sicher anmerken, dass die Prozedur anders als üblich war. Doch dann wird Charlie Whiting, wie er es immer macht, sagen, dass es der Job des Teams ist, den Fahrer zu informieren. Es war einfach Pech, dass es nicht funktioniert hat - denn normalerweise bekommt das Team eine Meldung, was diesmal nicht der Fall war. Vielleicht wird es auch beim Fahrerbriefing Thema sein. Das einzige, was mir in puncto Sicherheit Sorgen macht, ist die Situation, wenn es regnet und überrundete Autos dazwischen liegen."

Heidfeld ortet größten Druck bei Webber

Frage: "In der Weltmeisterschaft setzt du weiterhin auf Fernando?"
Heidfeld: "In den letzten Wochen habe ich immer gesagt, dass er es schaffen wird, doch am letzten Wochenende ist es unmöglich vorherzusagen. Ich habe auch schon geglaubt, dass es Webber schafft, doch es ist so eng. Es liegt in den Händen von Red Bull. Alles hängt davon ab, was Red Bull und Vettel machen werden."¿pbvin|512|3275||0|1pb¿

Frage: "Wer steht am meisten unter Druck?"
Heidfeld: "Webber, glaube ich."

"Webber hat den meisten Druck." Nick Heidfeld

Frage: "Inwiefern?"
Heidfeld: "Es sieht so aus, als würde er nicht planen für immer in der Formel 1 zu bleiben. Vettel hat noch einige Jahre vor sich und liegt in diesem Trio, das realistische Chancen hat, am weitesten zurück. Er weiß selbst, dass er eine kleine Chance hat, also kann er frei drauf los fahren. Webber hat mehr zu verlieren. Fernando ist in seinem ersten Jahr mit Ferrari und war schon zweimal Weltmeister. Also ist der Druck bei Webber. Dennoch finde ich, dass er damit gut umgegangen ist. In Südkorea hat er zwar das Auto weggeschmissen, doch die anderen Fahrer haben mindestens genau so viele Fehler gemacht."

Frage: "Es ist vielleicht die größte Herausforderung für Mark, fehlerlos zu bleiben. Früher in seiner Karriere hat er ja schon öfter in entscheidenden Situationen gepatzt. Ist der Druck aus diesem Grund so groß, wie er noch nie war?"
Heidfeld: "Wenn er das denkt, dann hat er schon verloren. In Situationen dieser Art muss man sich auf die Dinge konzentrieren, auf die es ankommt. Wenn man grübelt, was alles passieren könnte, dann hat man das ständig im Kopf."

"Dabei muss man alles, was man hat, darauf ausrichten, die bestmögliche Arbeit zu leisten. Dadurch vergisst man den ganzen anderen Blödsinn, der nicht zählt. Für ihn ist es wichtiger, Vettel auf der Strecke zu schlagen, denn wenn er hinter ihm ist, dann weiß er nicht, ob Vettel ihn vorbei lässt oder nicht. Er hat ein Auto, mit dem man gewinnen kann. Wenn er die beste Leistung zeigt, dann gewinnt er und gewinnt damit die Weltmeisterschaft."

"Niemand sagt zu mir: Hey, du bekommst das Cockpit bei McLaren oder Ferrari." Nick Heidfeld

Frage: "Wenn Webber jetzt Weltmeister wird, dann spricht das eigentlich für dich, da du dich gegen ihn 2005 so gut geschlagen hast. Damals hast du die Saison etwas früher beendet und hattest mehr Punkte."
Heidfeld: "Theoretisch schon, aber in der Praxis fehlt den Menschen oft dieser Blickwinkel. Natürlich argumentiere ich, dass ich mit Kimi, mit Felipe, mit Robert und auch mit Webber Weltmeister oder WM-Anwärter als Teamkollegen hatte, die ich alle geschlagen habe (lacht). Dennoch sorgt das nicht dafür, dass die Leute dann sagen: Hey, du bekommst das Cockpit bei McLaren oder Ferrari. Ich war knapp dran, aber es ist nicht passiert."

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