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Haas: Neuer Pilot in Silverstone, neue Teile in Singapur

Haas feiert das Formel-1-Debüt von Charles Leclerc in Silverstone, hofft auf besseres Reifenmanagement und neuen Frontflügel in Singapur

(Motorsport-Total.com) - Das Haas-Team hat nach einer schwierigen Phase in Österreich erneut punkten können und schöpft so neuen Mut vor dem Rennen in Großbritannien. Am Freitag kamen nicht nur die Stammpiloten Romain Grosjean und Esteban Gutierrez zum Zug, Ferrari-Rookie Charles Leclerc durfte im ersten Training sein Formel-1-Debüt feiern.

Charles Leclerc

Ein neuer Helm in der Formel 1: Charles Leclerc im Haas VF-16 in Silverstone Zoom

"Es ist nicht einfach, das erste Mal in ein Formel-1-Auto zu steigen - dazu noch in Silverstone bei feuchten Bedingungen", schildert Teamchef Günther Steiner. "Er ist cool geblieben. Er hat das gemacht, was wir von ihm verlangt haben, damit wir Daten sammeln konnten. Das war sehr gut", resümiert der Südtiroler den Einsatz von Leclerc. Der GP3-Pilot wurde am Vormittag mit einer 1:35.869 Minuten 18., ihm fehlte über eine Sekunde auf Romain Grosjean.

Er fuhr insgesamt 26 Runden mit dem Haas VF-16. "Das war eine tolle Erfahrung", schwärmt der Ferrari-Nachwuchspilot. "Am Beginn hatte ich noch einige Probleme, Silverstone ist eine schwierige Strecke mit den schnellen Kurven. Das Lenkrad war sehr steif. Runde für Runde habe ich Vertrauen gewonnen. Das war womöglich einer der besten Tage in meinem Leben", erzählt er.

Steiner von Leclerc nicht überrascht aber beeindruckt

Steiner weiß, dass der Formel-1-Einstieg für einen Neuling kein leichtes Unterfangen ist: "In der Formel 1 kann man es einem nicht einfach machen. Man muss ihm ein paar Runden Zeit geben, um das Gefühl dafür zu bekommen, danach ist es aber gewöhnliche Arbeit." Insgesamt fünf Trainingseinsätze sind mit dem Rookie geplant. "Je öfter er im Auto sitzt, desto mehr Selbstvertrauen bekommt er - auch uns gegenüber. Er ist immer involviert, steht nie still. Jetzt ist er erstmals gefahren, beim nächsten Mal will er schon mehr machen und wir erwarten auch mehr. Es geht immer um mehr, mehr und mehr - das ist schließlich die Formel 1."

Überrascht sei der Teamchef nicht gewesen: "Er war sehr cool. Natürlich war er aufgeregt, aber wer wäre das nicht, wenn er ein Formel-1-Auto fahren dürfte. Er war sehr professionell. Ich habe vorher nicht viel von ihm gewusst. Ich finde es gut, wie ruhig er damit umgeht. Wir dürfen nicht vergessen, dass das ein 18-Jähriger in einem Formel-1-Auto ist. Ich war nicht überrascht, aber ich war positiv beeindruckt von dem, was er gemacht hat", erntet Leclerc Lob.

Grundsätzlich war es ein positiver Freitag für Haas, auch wenn der Wind Probleme bereitete. Auch das Reifenmanagement ist immer noch großes Thema bei den US-Amerikanern. Damit hatte man in den vergangenen Rennen viele Probleme: "Das ist immer ein wanderndes Ziel, weil das Wetter sich ändert. Wir versuchen, das Auto zu manipulieren, damit die Reifen arbeiten. Das ist ziemlich schwierig für die Renningenieure, weil diese Reifen in einem sehr schmalen Fenster arbeiten."

Reifen sind das große Thema bei Haas

In den vergangenen paar Rennen habe man aber gelernt, wie man es beeinflussen muss. "Wir sind besser geworden, gut genug? In keinem Fall, denn sonst würden wir gewinnen", schmunzelt Steiner. Schon nach dem Rennen in Österreich schilderte Grosjean: "Das Auto hat sich auf den langen Runs mit den Reifen toll angefühlt. Wir haben ein bisschen besser verstanden, wie wir sie nutzen müssen. Hoffentlich können wir das umwandeln und in Silverstone beibehalten."


Fotos: Haas, Großer Preis von Großbritannien


Nach den ersten Eindrücken der Trainings am Freitag in Silverstone meint der Franzose, der im zweiten Training Achter wird: "Wir haben die drei Reifenmischungen evaluiert. Das Auto fühlt sich bei hoher Geschwindigkeit nicht schlecht an. Wir müssen die Reifen jedoch noch besser zum Arbeiten bringen."

Teamkollege Gutierrez, der im ersten Training für Leclerc Platz machen musste, ergänzt: "Ich habe meine Arbeit erst im zweiten Training aufgenommen. Die Runden fühlten sich positiv an. Das gab uns die Möglichkeit, die Abstimmung zu ändern und uns in die richtige Richtung zu lenken. Die Bedingungen waren allerdings knifflig mit dem Wind." Der Mexikaner liegt in der WM-Tabelle mit null Punkten an 19. Stelle, Grosjean konnte immerhin schon viermal punkten (28 Zähler/ 10. Platz).

Gutierrez wieder fit

Gutierrez möchte nun nachziehen: "Ich hatte Pech in der ersten Saisonhälfte, es war nicht einfach aufgrund der technischen Schwierigkeiten. Das lief nicht wirklich rund. Es wäre nicht fair, meine Saison nur anhand der Punkte zu bewerten. Ich lag des Öfteren auf guten Positionen in den Rennen, konnte diese aus verschiedenen Gründen jedoch nicht beenden." Außerdem kam in den vergangenen Wochen eine bakterielle Infektion hinzu: "Jetzt wird es besser, in den vergangenen drei Rennen war es etwas schwierig mit meiner Gesundheit, jetzt fühle ich mich aber schon viel besser."

Durch die Weiterentwicklung des Autos wird es auch neue Teile im Saisonverlauf geben, verrät Steiner: "Wir werden den neuen Frontflügel in Singapur bekommen, manchmal vergesse ich den Plan, weil wir so viele Rennen haben. Den letzten neuen Frontflügel bekommen wir aber erst später in der Saison, nach der Sommerpause. Er wurde bereits bestätigt und befindet sich in der Produktion."

Grundsätzlich ist es schwierig für die Neueinsteiger, denn nun fokussieren sich bereits viele Teams auf 2017: "Wir probieren ein paar Dinge im Windkanal. Es muss in den kommenden Monaten einige Dinge geben, die festgelegt werden. Denn es muss einiges dann bald in Produktion gehen. Im Moment ist es aber reine Entwicklung im Windkanal."

Mit Chassisbauer Dallara funktioniere die Zusammenarbeit immer besser: "Wir lernen einander natürlich immer besser kennen. Das Ergebnis wird man Ende nächsten Jahres ablesen können. Sie lernen unsere Leute kennen und wir deren. Alle zusammen werden wir an einem besseren Produkt arbeiten." Derzeit liegt Haas noch auf der achten Position in der Konstrukteurs-WM (28 Punkte), vier Zähler hinter McLaren.