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  • 05.09.2022 · 11:21

  • von Stefan Ehlen, Co-Autoren: Jonathan Noble, Ronald Vording

George Russell: "Mir hat noch nie ein Rennen so viel Spaß gemacht!"

Wie Mercedes-Fahrer George Russell das Formel-1-Rennen in Zandvoort einordnet und was noch fehlt, um dauerhaft zum direkten Gegner von Red Bull zu werden

(Motorsport-Total.com) - George Russell strahlte nach dem Niederlande-Grand-Prix 2022 in Zandvoort über beide Ohren. "Noch nie hat mir ein Rennen in der Formel 1 so viel Spaß gemacht", meint der Mercedes-Fahrer. Kein Wunder: Für Russell und seinen Teamkollegen Lewis Hamilton galt in diesem Grand Prix nur ein Motto: Vollgas! Denn Mercedes schnupperte zumindest kurzzeitig an einer echten Sensation.

George Russell im Mercedes W13 beim Formel-1-Rennen in Zandvoort

George Russell im Mercedes W13 beim Formel-1-Rennen in Zandvoort Zoom

"Wir als Team hatten eine Siegchance", sagt Russell. "Unser W13 ist absolut geflogen. Ich bin wirklich stolz auf das Team, wie es uns gelungen ist, das Auto zu verbessern und dessen Speed unter Beweis zu stellen." Es sei ein "unglaubliches Rennen" gewesen, und für Russell endete es mit Platz zwei hinter Max Verstappen im Red Bull. Hamilton belegte am Ende Platz vier.

Und Letzteres ist, warum Mercedes Zandvoort mit gemischten Gefühlen verlässt. Denn Hamilton war in den Niederlanden der bessere Mercedes-Fahrer, sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Deshalb sagt Russell: "Tut mir leid, dass Lewis nicht ebenfalls auf dem Podium stand. Denn er war ausgezeichnet unterwegs und hätte es verdient, ebenfalls hier zu sein."

Mercedes wählt eine Risiko-Strategie

Dass Hamilton aber nicht auf dem Podium dabei war, das geht auf eine Risiko-Strategie des Teams zurück, auf eine "unheimlich schwierige Entscheidung", so Russell. Denn bei der Safety-Car-Phase kurz vor Schluss bot sich die Gelegenheit zum Boxenstopp - oder zum Behalten der Position auf der Strecke. Mercedes machte beides, aber nur Russell profitierte.

"Hätten wir beide gestoppt, hätten wir Max die Position überlassen. Wären wir beide draußen geblieben, hätten wir ebenfalls gegen Max verloren."


"Kann nicht glauben, dass ihr mich gelinkt habt!"

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"Die beste Chance bestand also darin, die Strategie zu splitten", sagt Russell, der von seiner Crew Soft-Reifen für den letzten Stint einforderte. Hamilton wiederum wurde auf gebrauchten Medium-Pneus belassen und alsbald von Verstappen, Russell und auch Charles Leclerc überholt.

Verstappen meint: Russell hat alles richtig gemacht

Und Verstappen meint: Er hätte Mercedes so oder so noch gekriegt. "Hinterher sagt es sich immer leicht. Ich glaube aber: George hat richtig entschieden. Mit Soft hätte ich sie sonst beide überholt, weil der Grip-Unterschied am Ende ziemlich groß war, wie sich herausgestellt hat."

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist der Überzeugung, es wären "beide Autos überholt worden", wenn sein Rennstall nicht Russell auf Soft umgerüstet hätte. "Also haben wir die Strategie aufgeteilt und mit einem Auto die Position gehalten, in der Hoffnung, es könnte schnell genug sein."

War es aber nicht: Verstappen überholte Hamilton gleich beim Restart und setzte sich dann sofort ab. Für Wolff keine große Überraschung: "Unser Auto ist nicht schnell genug auf den Geraden. Der Luftwiderstand ist zu groß. Bis wir das gelöst haben, wird es sehr schwierig, mit Red Bull auf den Geraden zu kämpfen."

Zandvoort spielt Mercedes-Stärken in die Karten

Ansonsten aber habe Zandvoort viele positive Erkenntnisse geliefert, meint Russell. Mit der harten Reifenmischung etwa sei Mercedes erst in eine Position gekommen, aus der heraus eine echte Siegchance entstand. "Wir haben da alles gegeben, haben es einfach riskiert", so der Brite. "Und als Max in unserer Reichweite lag, das war aufregend."

Denn Russell war schon mit einem "guten Gefühl" in das Wochenende gegangen, weil der Mercedes W13 "von der ersten Runde" an gut performt habe. "Spa lief gegen uns, aber Zandvoort wahrscheinlich für uns. Monza wird wohl irgendwas dazwischen, ich bin nicht sicher. Hoffentlich eher wie in Zandvoort, denn unsere Rennpace ist wirklich vielversprechend."


Fotostrecke: Zandvoort: Die Fahrernoten der Redaktion

Vor allem Strecken mit vielen mittelschnellen Kurven seien ideal für den Silberpfeil. "Da blüht unser Auto auf", sagt Russell. "Und wir verbessern es ständig. Wir haben damit ein Auto, das mit dieser Rennpace um den Sieg kämpfen kann. Da bin ich mir sicher. Jetzt müssen wir nur noch ein bisschen weiter vorne losfahren."

Russell: Weiter vorne starten, dann Rennen gewinnen

Schon in Zandvoort hätte eine bessere Ausgangslage den Unterschied machen können, erklärt Russell. Mit einem Startplatz unter den Top 4 "hätten wir gewonnen".

"Es hängt also unterm Strich an unserer Leistung im Qualifying. Fahren wir da weiter auf P6 und P8, dann wird es schwierig mit dem Sieg im Rennen. Wir brauchen also etwas mehr Magie im Qualifying, so wie schon in Budapest."

Vor allem aber plädiert Russell weiterhin für riskante Strategien, sofern sich dadurch eine Siegchance ergebe. O-Ton: "Als Rennfahrer und in unserer aktuellen Position als Team, da willst du gewinnen. Wir sind natürlich zufrieden mit den Punkten und einer konstanten Leistung, aber am Ende erinnert sich niemand an den Zweiten. Wir wollen also ein Rennen gewinnen."