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F1-Rennen Zandvoort: Verstappen gewinnt, Hamilton tobt vor Wut!

Max Verstappens nächster Streich: Beim Grand Prix der Niederlande gewinnt er vor George Russell und Charles Leclerc - Lewis Hamilton stinksauer auf P4

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen (Red Bull) hat bei seinem Heim-Grand-Prix in Zandvoort einen weiteren Schritt in Richtung Formel-1-Weltmeisterschaft gemacht und das Rennen in den Niederlanden zum zweiten Mal hintereinander gewonnen. Auf den Plätzen 2 und 3 landeten George Russell (Mercedes) und Charles Leclerc (Ferrari).

Lewis Hamilton, Max Verstappen

Max Verstappens entscheidendes Überholmanöver im Kampf um den Sieg Zoom

Lewis Hamilton (Mercedes), der eine Zeit lang wie Verstappens einziger Gegner im Kampf um den Sieg aussah, wurde Vierter, gefolgt von Carlos Sainz, bei dem Ferrari heute wieder einmal dem zuletzt wiederholt angeeigneten Ruf als Pleiten-, Pech- und Pannenteam gerecht wurde.

Sainz fiel im offiziellen Rennergebnis allerdings wegen einer Fünfsekundenstrafe vom fünften auf den achten Platz zurück.

Somit rückten Sergio Perez (5./Red Bull), Fernando Alonso (6./Alpine) und Lando Norris (7./McLaren) um je eine Position auf. Neunter wurde Esteban Ocon (Alpine, virtuell 0,201 Sekunden hinter Sainz), Zehnter Lance Stroll (Aston Martin).

Mick Schumacher (Haas) belegte Platz 13, Sebastian Vettel (Aston Martin) Rang 14.

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Wie fiel die Entscheidung um den Sieg?

Verstappen hatte das Rennen von Anfang an unter Kontrolle. Allerdings verlor er die Führung zwischendurch, weil beide Mercedes auf eine Einstoppstrategie setzten und somit einen längeren ersten Run fuhren.

Nach seinem ersten Boxenstopp war Verstappen dementsprechend viel schneller als die führenden Mercedes, und in Runde 28 schnappte er sich Russell. Hamilton musste er nicht auf der Strecke erledigen, weil der siebenmalige Weltmeister davor an die Box kam.

Mercedes wechselte von Medium auf Hard - und fuhr dann die schnellsten Runden im Feld. Hamilton verlor ein paar Sekunden, als er Perez überholen musste und gleichzeitig auch noch Vettel im Weg stand, der gerade aus der Box kam (und dem dafür eine FIA-Untersuchung droht). Trotzdem reduzierte er seinen Rückstand auf bis zu 16 Sekunden. Tendenz weiter fallend.

Verstappen würde bei seinem Boxenstopp rund 18 Sekunden verlieren und lief somit Gefahr, Hamilton auf der Strecke überholen zu müssen, um das Rennen zu gewinnen. Doch dann besorgte Yuki Tsunoda (AlphaTauri) ein virtuelles Safety-Car, das Red Bull folgerichtig zum finalen Boxenstopp nutzte.

'ORF'-Experte Alexander Wurz analysiert: "Das hat Hamilton die Chance auf den Sieg gekostet. Die Wahrscheinlichkeit, dass er gewinnt, war gering. Aber sie war da." Hamilton selbst brauchte kurz, bis er das realisiert hatte; setzte dann aber einen entsprechend zu überpiepsenden Boxenfunk ab.

Wurde es danach nochmal spannend?

Und wie! Valtteri Bottas (Alfa Romeo) blieb am Ende der Start- und Zielgerade mit technischem Defekt stehen. Um das Auto zu bergen, war ein Safety-Car erforderlich. Verstappen kam erneut an die Box und ließ weiche Reifen für den letzten Stint aufziehen; die beiden Mercedes blieben draußen, setzten auf Trackposition und hatten damit plötzlich eine Doppelführung inne.

Als das Rennen bereits neutralisiert war, forderte Russell von seiner Crew den Soft. Hamilton blieb auf Medium draußen, Russell wechselte, fiel dadurch aber hinter Verstappen zurück. Damit war für Mercedes auch die Chance dahin, Russell als rollende Schikane einzusetzen, um Verstappen aufzuhalten und Hamilton einen Puffer zu verschaffen.

"Es wird schwierig, dieses Auto hinter mir zu halten", dämmerte Hamilton schon vor dem Neustart in Runde 61 von 72.

Er sollte recht behalten: Auf der Start- und Ziellinie war Verstappen bereits auf gleicher Höhe, und das Thema in Kurve 1 erledigt.

Jetzt konnte Verstappen - unter dem frenetischen Jubel von mehr als 100.000 Fans - den Sieg locker nach Hause fahren. Am Ende hatte er 4,1 Sekunden Vorsprung auf Russell und 10,9 auf Leclerc. Hamilton verlor bis zur Ziellinie noch 13,0 Sekunden auf den Sieger.

"Vor dem Safety-Car", erzählt Verstappen, "war ich mir ziemlich sicher, dass ich mit dem harten Reifen durchkomme, auch wenn wir ein bisschen langsamer waren. Aber dann kam das Safety-Car, und da wusste ich, dass sie uns überholen, wenn ich nicht Reifen wechsle. Also gingen wir auf den Soft."

"Dadurch fiel ich allerdings auf den dritten Platz zurück. Danach kam George auch an die Box. Nach dem Neustart hatte ich einen guten Rhythmus. Und wir hatten den etwas besseren Topspeed, was beim Attackieren in Kurve 1 hilft. Von da an hatte ich wieder eine richtig gute Balance im Auto", sagt der WM-Leader.

Warum kam Russell noch an Hamilton vorbei?

Nach der Gelbphase hatten zwar die Reifen der beiden Mercedes-Fahrer gleich viele Runden drauf, Russell aber die weichere Gummimischung mit mehr Grip. In Runde 64 konnte sich Hamilton nicht mehr gegen den Haftungsüberschuss von Russell wehren.

Und der siebenmalige Weltmeister war darüber nicht happy: "Ich kann nicht glauben, dass ihr mich gelinkt habt! Ich kann gar nicht sagen, wie angepisst ich bin", tobte er am - weitgehend überpiepsten - Boxenfunk.

Nach Rennende sah Hamilton die Sache schon wieder etwas gelassener. Teamchef Toto Wolff erklärte ihm am Boxenfunk, das man genau das getan habe, was man am Morgen besprochen habe, nämlich zu riskieren. Man werde das im Büro besprechen.

Wolff im Interview mit dem 'ORF': "Max wäre zehn Sekunden hinter uns rausgekommen. Hätten wir's gewonnen? Wahrscheinlich nicht."

Hamilton realisierte in dem Moment offenbar, dass er sich beim Team entschuldigen sollte, und bedankte sich bei den Mechanikern für ihre "fantastische" Arbeit. Was Chefstratege James Vowles mit einer versöhnlichen Antwort quittierte: "Wissen diese Nachricht zu schätzen, Lewis!"

Wolff nimmt den Wutausbruch von Hamilton am Boxenfunk gelassen: "Wir sind der Mistkübel des Fahrers. Du sitzt da drinnen, verlierst gerade dein Rennen, und dann musst du einfach diese Auskotzerei nehmen. Das besprechen wir dann nachher."

Russell freute sich indes über Platz 2: "Als Team waren wir heute unglaublich schnell. Es ist nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten. Aber die Pace stimmt uns optimistisch und gibt uns Selbstvertrauen für die nächsten Rennen."

Was hat Ferrari diesmal verpatzt?

Zum Beispiel Sainz' ersten Boxenstopp. Der Spanier lag an dritter Stelle, als er von Soft auf Medium umstecken ließ. Doch damit nicht genug, dass die Mechaniker links hinten den Schlagschrauber so ungünstig legten, dass Perez, der dahinter beim Stopp war, einfach drüberfuhr, lag einer der Reifen nicht parat. Standzeit: zehn Sekunden.

Sainz fiel dadurch weit zurück. Nachdem beide Ferraris ihren ersten Boxenstopp absolviert hatten, betrug der Abstand zwischen Leclerc und Sainz 20 Sekunden. Und Perez hatte sich zwischen die beiden Teamkollegen geschoben.

Es sollte nicht die einzige Panne des Tages bleiben. Sainz überholte, als Bottas ausgerollt war, bei gerade frisch gezeigter gelber Flagge Ocon. Fünf Sekunden Zeitstrafe kassierte er aber wegen "unsafe Release". Ob auch wegen Überholens unter Gelb noch was droht, wird sich nach dem Rennen zeigen.

Darüber hinaus klagte Sainz in den letzten Runden, mit Perez und Alonso im Nacken, über abbauende Reifen. Zumindest auf der Strecke konnte er die fünfte Position aber behaupten. Im Ergebnis nicht.

Gab's auch bei Leclerc ein Problem?

Der Monegasse kam ohne Pannen durch den Arbeitstag. "Wir hatten ein bisschen Pech mit dem VSC", sagt er, "aber das hätte wahrscheinlich nichts geändert. Max war einfach zu schnell. Die Mercedes waren auf den harten Reifen auch superschnell. Damit kamen wir nicht so gut zurecht. Das müssen wir analysieren."

Der Rückstand in der Fahrer-WM, weiß Leclerc, ist jetzt "wirklich groß". Konkret: 109 Punkte bei sieben noch zu bestreitenden Grands Prix.

Was hat Haas diesmal verpatzt?

Schumacher lag boxenstoppbereinigt an zehnter Position, als er zum ersten Mal an die Box kam, und somit auf Punktekurs. Doch beim Reifenwechsel ging der vordere Wagenheber nicht runter, und so stand er statt unter drei rund zehn Sekunden an der Box.

Damit war sein Rennen um Punkte effektiv beendet. Immerhin konnte sich der Deutsche aber gut in Szene setzen, als er mit frischeren Reifen hinter Vettel lag und den Freund und Landsmann mit einem sehenswerten Manöver überholte. Ein Kunststück, das er später im Rennen nochmal wiederholen sollte.


"Kann nicht glauben, dass ihr mich gelinkt habt!"

Lewis Hamilton tobt, weil er meint, sein Mercedes-Team habe ihn "gelinkt". Das Thema des Tages bei unserer Analyse des Grand Prix der Niederlande. Weitere Formel-1-Videos

Teamkollege Kevin Magnussen war zu dem Zeitpunkt übrigens kein direkter Gegner mehr. Der Däne hatte sich das selbst zuzuschreiben. Er rutschte gleich zu Beginn des Rennens von der Strecke und hatte bei einem Mauerkuss Glück, dass sein Auto zumindest nicht sichtbar beschädigt wurde. Allerdings fiel er so zumindest zwischenzeitlich auf den letzten Platz zurück.

Bei Schumacher dauerte auch der zweite Boxenstopp zu lang (4,5 Sekunden). Am Ende fuhr er als 13. und Magnussen als 15. über die Ziellinie.

Wer hat eigentlich den Start gewonnen?

Der Weg bis zur ersten Kurve war zu kurz für große Positionsverschiebungen. Verstappen konnte sich locker vor Leclerc behaupten. Auch Sainz blieb auf Platz 3. Für ihn wäre es aber in der ersten Kurve beinahe eng geworden. Hamilton kam nämlich gut von der Linie weg und schob sich innen neben den Spanien.

Es kam in der Situation zu einem Klaps von Hamiltons linkem Vorderrad auf Sainz' rechten Seitenkasten; beide Autos blieben aber unbeschadet und konnten das Rennen auf P3/4 fortsetzen. Hamilton wirkte in den Runden danach schneller als Sainz, vielleicht auch dank unterschiedlicher Reifenwahl (Sainz Soft, Hamilton Medium), konnte aber auf der Strecke nicht überholen.

Schumacher war einer der Verlierer des Starts. Er kam suboptimal von der Linie weg, schaffte es aber, sich zunächst auf Rang 8 zu behaupten. Noch in der ersten Runde wurde er jedoch von Stroll und Ocon jeweils außen überholt und fiel auf Platz 10 zurück.

Wie geht's jetzt im Formel-1-Kalender 2022 weiter?

Zandvoort war das zweite Rennen eines sogenannten "Tripleheaders", also von drei Events innerhalb von drei Wochen. Bereits am kommenden Freitag ist Trainingsauftakt zum Grand Prix von Italien in Monza (Hier geht's zu den Formel-1-Terminen 2022!). Dort könnte das Kräfteverhältnis wieder ganz anders aussehen. Denn Monza ist als klassische Low-Downforce-Strecke viel näher bei Spa als bei Zandvoort, was die Fahrwerksabstimmung betrifft.

(ANZEIGE: Das Rennwochenende in Monza wird für TV-Zuschauer in Deutschland exklusiv bei Sky übertragen. Besonders toll für alle Hardcore-Fans: Während Qualifying und Rennen gibt es keine Werbeunterbrechungen. Jetzt die Formel 1 sichern mit dem Sky-Sport-Paket!)

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