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Gänsehaut: Berger und der Ferrari 88C

Nach 26 Jahren wird Gerhard Berger im Rahmen des Österreich-Grand-Prix wieder in seinen Ferrari 88C einsteigen - Pure Emotion und Gänsehaut inklusive

(Motorsport-Total.com) - Das Jahr 1988 war nicht das Jahr von Ferrari. Das Duell zwischen den großen Rivalen Alain Prost und Ayrton Senna bei McLaren-Honda beherrschte die gesamte Saison. Und trotzdem sorgte ausgerechnet ein Österreicher bei den Tifosi für Jubelstimmung. Denn mit dem Ferrari 88C gewann Gerhard Berger in dieser Saison ein Rennen. Geht es nach den Italienern, ist es das wichtigste der Saison - Monza.

Gerhard Berger

In den Gassen von Monte Carlo: Gerhard Berger 1988 in seinem Ferrari 88C Zoom

Berger erinnert sich im 'Red Bulletin': "Sicher, ich profitierte, als Senna und Prost Troubles hatten, aber es war trotzdem ein Wahnsinn, was sich da draußen abspielt, als ich in Führung gehe und sie nicht mehr hergebe." Berger erzählt weiter: "Auf der Ziellinie zeigt die Benzinuhr, dass gerade noch Sprit für eine Zehntelrunde Vollgas übrig ist - wurscht. Verschwitzt, wie ich bin, hab ich Gänsehaut von oben bis unten, die Fans springen über die Zäune, stehen mitten auf der Straße, ein paar knien auf der Fahrbahn."

Vier Wochen vor dem Rennen in Italien verstarb "il Commendatore" Enzo Ferrari: "Es war ja erst vier Wochen nach dem Tod des alten Herrn, man konnte sich gar nicht wehren gegen einen mythischen Zusammenhang. Das gibt's natürlich nur bei Ferrari und nur in dieser einmaligen Situation, und ich war der, über den die ganze Begeisterung Italiens überschwappte."

Pure Emotion im Rennauto

Der ehemalige Ferrari-Pilot plaudert auch über einen Besuch des Papstes Johannes Paul II im Ferrari-Werk: "Ich wurde dem Papst vorgestellt, er redete auf Deutsch mit mir. Ich musste an meinen alten Religionslehrer denken, der hatte immer gesagt: Berger, aus dir wird nie etwas werden - wenn mich der mit dem Papst plaudern gesehen hätte." Immerhin kann Berger zehn Siege für sich verbuchen.

Gerhard Berger, Eddie Cheever

Jubel in Monza: Doppelsieg für Ferrari beim Heim-Grand-Prix 1988 Zoom

Über das Fahrzeug in der Saison 1988 kann der Österreicher viel Gutes berichten. Obwohl die Honda-Motoren stärker waren und am Ende Ayrton Senna im McLaren seinen ersten WM-Titel holte, schwärmt Berger heute noch vom Ferrari 88C: "Es war das schönste Auto meiner 15 Jahre in der Formel 1. Diese niedrige Schnauze, lang und schlank wie eine Zigarre, und die wuchtige Kraft der Hinterräder, das war ein Statement, das eigentlich kein Formel-1-Auto danach zustande gebracht hat - die Nasen mussten in die Höhe, die Reifenbreiten wurden reglementiert."

Wie fühlte es sich an diesen Turbo-Boliden zu fahren? "Es war pure Emotion: Das Pfeifen des Ventils, wenn du vom Gas gegangen bist, bis zum Einsetzen des Turbos, wenn er dir ins Genick gehauen hat", schildert Berger. "Und wenn sich ein bisschen Sprit im Auspuff gestaut hat, hat es diese phantastischen Riesenflammen gegeben, die so typisch waren für die Turbozeit." Besonders "irre" sei es gewesen, wenn es den Turbo "hinter dir zerrissen hat". Denn dann sei einem alles um die Ohren geflogen. "Das Laufzeug hat ja bis 100.000-mal pro Minute gedreht, da hat sich wirklich was abgespielt."

Nostalgie auf dem Red-Bull-Ring

Niki Lauda

Der Ferrari 312T2: Niki Lauda in seinem Schicksalsjahr 1976 in Brands Hatch Zoom

Nach 26 Jahren wird Gerhard Berger als einer von neun ehemaligen österreichischen Formel-1-Piloten im Vorprogramm zum Großen Preis von Österreich in Spielberg wieder in den Ferrari 88C einsteigen. Auch Niki Lauda in seinem Ferrari 312T2 aus dem Schicksalsjahr 1976, Helmut Marko in seinem BRM P160b aus dem Jahr 1972 oder aber auch Alexander Wurz in seinem Benetton B198 aus dem Jahre 1998 werden mit historischen Rennwagen auf dem Red Bull Ring unterwegs sein.

Damit werden die Zuseher echten Turbo-Sound zu hören bekommen. Berger beschreibt den Lärm folgendermaßen: "Klar, der Turbo-Sound der irren Zeit. Das Zischen hat eine Giftigkeit, die einen antörnt."

"Der Sauger hört sich nach Drehzahl an, der Turbo nach Leistung." Gerhard Berger

Es gehe nicht um den puren Lärm, ums Gedröhn, jetzt habe man ja schon wieder diese Diskussion in der Formel 1, so der 54-Jährige. "Das Gekreische allein bringt's nicht. Damals hatte jedenfalls der Sound eines 1,5-Liter-Turbos mehr Aggressiv-Power als jedes Getöse eines 3,5-Liter-Saugers." Er ergänzt: "Der Sauger hört sich nach Drehzahl an, der Turbo nach Leistung."