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  • 27.07.2001 · 12:55

Frentzen kämpft um seine Zukunft und 38 Millionen

Nach seinem Rauswurf kämpft der Mönchengladbacher um seine Zukunft - Eddie Jordan beklagt mangelnde Erfolge

(Motorsport-Total.com/sid) - Der arbeitslose Heinz-Harald Frentzen kämpft nach dem Rauswurf bei Jordan um seine Formel-1-Zukunft und rund 38 Millionen Mark. Derweil nannte Teamchef Eddie Jordan zum ersten Mal detailliert Gründe für die überraschende Entlassung des 34 Jahre alten Mönchengladbachers. Einzig und allein Frentzens Leistungen seien für die fristlose Kündigung verantwortlich gewesen, betonte der Ire.

Heinz-Harald Frentzen

Nach dem Rauschmiss geht es für Frentzen nun um viel Geld Zoom

"So konnte es nicht weitergehen. Ich muss das Beste für Jordan tun und sicherstellen, dass wir in der Formel-1-WM Vierter werden", sagte Jordan vor dem Großen Preis von Deutschland, bei dem der Brasilianer Ricardo Zonta in Frentzens Cockpit sitzen wird.

Frentzen will die Vorwürfe nicht akzeptieren und zieht gegen den Iren vor Gericht. Streitwert: rund 38 Millionen Mark, wie der Kölner Express berichtet. Frentzens Vertrag wäre noch bis 2002 gelaufen, deshalb stünden ihm eineinhalb Jahresgagen, also 27 Millionen Mark zu. Dazu käme Schadenersatz für den Verlust von Privatsponsoren von bis zu vier Millionen und bis zu sieben Millionen Mark als Ausgleich für eine schlechtere Verhandlungsposition mit möglichen neuen Arbeitgebern.

Das Management des Mönchengladbachers richtet sich bereits auf einen langen Rechtsstreit ein. "Wenn man weiß, wie die Gerichte in England arbeiten, kann das eine längere Angelegenheit werden", sagte Frentzens Berater Monte Field dem Sport-Informations-Dienst(sid) in Hockenheim.

Parallel hat bereits die Suche nach einem neuen Team begonnen. Der 34-Jährige, der vorerst bei seiner Mutter in Spanien abgetaucht ist, will der Königsklasse nicht den Rücken kehren. "Heinz-Harald ist noch nicht fertig mit der Formel 1, deshalb suchen wir jetzt das wettbewerbsfähigste Cockpit für ihn", sagte Field, räumte allerdings ein, dass es derzeit wenig Optionen gibt.

Abgesehen von den drei Top-Teams Ferrari, McLaren-Mercedes und
BMW-Williams haben Jaguar und Jordans Honda-Konkurrent BAR ihre beiden Piloten für 2002 bestätigt, Einsteiger Toyota will nach
derzeitigem Stand neben Mika Salo (Finnland) mit Allan McNish
(Schottland) arbeiten. Renault hat vier Fahrer unter Vertrag. Blieben nur die Hinterbänkler Arrows, Prost und Minardi, bei denen der dreimalige GP-Sieger kaum an frühere Erfolge anknüpfen könnte. Eddie Jordan zeigte am Freitag immerhin Mitleid mit seinem Ex-Piloten, der ihm 1999 zwei GP-Siege und Platz drei in der Konstrukteurs-WM beschert hatte. "Es ist schwierig für Heinz-Harald, und es tut mir Leid für ihn. Er ist vielleicht der netteste Fahrer, den man sich vorstellen kann, ich habe ihm damals in die Formel 1 geholfen. Aber vielleicht ist es so die beste Lösung. Wenn man die letzte Zeit betrachtet, würde man sehen, warum sich die Dinge so entwickelt haben", sagte Jordan.

Konkret monierte er die letzten beiden Rennen: "Da hat Sauber Punkte geholt, die eigentlich wir hätten holen sollen. Wir haben zu oft in diesem Jahr unser Potenzial nicht ausgeschöpft."

In Magny-Cours und Silverstone kam Frentzen als Achter und Siebter
jeweils hinter den beiden Sauber-Piloten Nick Heidfeld und Kimi
Räikkönen ins Ziel, in der Konstrukteurswertung liegt Jordan mit 15
Punkten hinter den Schweizern (19) nur auf Rang fünf. Das Team ist
aber im ersten Jahr mit Honda-Werksmotoren zum Erfolg verdammt, um
die japanischen Triebwerke nicht wieder zu verlieren. Ab 2003 will
Honda nämlich nur noch ein Team ausrüsten: entweder Jordan oder
Konkurrent BAR.

Die Verärgerung der Frentzen-Fans kann Jordan verstehen: "Viele Leute giften uns jetzt an. Wenn sie sich danach besser fühlen, habe ich kein Problem damit. Ich selbst würde auch so reagieren, wenn ich als irischer Fan zu einem irischen Grand Prix kommen würde und der irische Fahrer plötzlich nicht mehr dabei wäre."