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Formel 1 mit Turbo-Kompromiss zufrieden

Die Verantwortlichen freuen sich, dass alle mit dem V6 leben können, doch vermutlich müssen nun auch die Chassisregeln verschoben werden

(Motorsport-Total.com) - Erst 2014 (statt 2013) kommt der neue Formel-1-Motor, und es wird kein R4-, sondern ein V6-Turbo sein. Aber auch wenn drei Beschlüsse des FIA-Motorsport-Weltrats und endlose Diskussionen notwendig waren, um diesen Kompromiss zu erreichen, scheinen nun alle beteiligten Parteien mit der gefundenen Lösung leben zu können.

Cosworth-V8-Motor

Norbert Haug ist zufrieden mit dem neuen Motorenreglement ab 2014

FOTA-Vizechef Eric Boullier etwa spricht von einer "positiven Diskussion" und freut sich über die V6-Turbo-Entscheidung, obwohl Renault, der Motorenlieferant seines Teams, ein Verfechter der V4-Variante war: "Für alle steht das Wohl der Formel 1 im Vordergrund. Jetzt haben wir endlich einen Plan. Ich halte das für einen guten Kompromiss für alle", sagt Boullier und findet bei Norbert Haug Zustimmung: "Ich bin recht glücklich damit, wie sich die Dinge entwickelt haben."

Haug froh über Kompromiss

"Natürlich brauchst du einen gewissen Druck, aber es ist ein Kompromiss", unterstreicht der Mercedes-Sportchef. "Wir waren für andere Lösungen offen. Ich halte es für eine großartige Leistung, alle an Bord bekommen zu haben. Natürlich haben einige schon mit dem Vierzylinder begonnen, aber niemand war wirklich weit fortgeschritten. Das Konzept des Motors ist absolut gleich. Es ist ein Jahr mehr."

Die Umstellung vom V8-Sauger bedeute "immer noch eine Menge Arbeit und natürlich wird gerade am Anfang viel Geld ausgegeben, aber über die Periode von fünf Jahren werden wir viel Geld sparen", glaubt Haug und rechnet eine Ersparnis von 30 Prozent vor. "Alles in allem ist es positiv. Der Motor wird sehr effizient sein und ähnlich viel PS-Leistung haben. Irgendwann müssen wir etwas ändern. Du kannst nicht die Formel 1 sein und dann zehn Jahre lang den gleichen Motor fahren."

¿pbvin|512|3877||0|1pb¿"Wenn es keine Einigkeit gegeben hätte, dann wäre vielleicht der Vierzylinder durch die Kommission gegangen. Dann hätte es viele Diskussionen gegeben. Dass die Teams und die Hersteller binnen recht kurzer Zeit diese Lösungen gefunden haben, war ein guter Kompromiss", unterstreicht Haug. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali ergänzt: "Es war wichtig, Übereinstimmung zu erzielen. Es ist ein Fortschritt, denn mit dieser Lösung bleibt die Formel 1 die Königsklasse des Motorsports."

Ferrari hatte bekanntlich gegen den R4 rebelliert, weil dieser nicht zum Marketingkonzept gepasst hätte, schließlich verkauft der italienische Hersteller keine Sportwagen mit weniger als acht Zylindern. Der Schritt zum V6 ist aber nicht ganz so groß wie zum R4. Zudem ist der V6 in der Entwicklung billiger als der R4, weil er in puncto Chassiskonstruktion als tragendes Element genutzt werden kann und kein Hilfsrahmen erforderlich ist.

Homologierung auf neuer Basis

Zudem bleibt es weiterhin bei einer Homologierung, was nicht allen gefällt: "Wir sind nicht für ein totales Einfrieren für viele Jahre", meint Renault-Motorenchef Rob White. "Stattdessen schlagen wir einen järhlichen Hoimologierungszyklus vor, im Rahmen dessen jedes Jahr Verbesserungen erlaubt sind, die zur Effizienz beitragen. Das wäre eine wichtige Verbindung zur Welt da draußen, denn alle Automobilhersteller haben mehr Benzineffizienz zum Ziel."

White könnte sich die Effizienzsteigerungen als "fortlaufenden Prozess" vorstellen: "Darauf haben wir uns noch nicht geeinigt, weil es noch kein Sportliches Reglement gibt. Wir schlagen eine jährliche Reduktion der Benzinverbrauchsmenge vor. Das hat glaube ich auch breite Unterstützung." Ebenso wie die Ablehnung des "Weltmotors", denn White hält nichts von der Idee, Formel-1-Motoren in anderen Rennserien einzusetzen: "Dafür würden wir keine Kompromisse eingehen."

¿pbvin|512|3883||0|1pb¿Doch bei aller Zustimmung bringt das Motorenreglement auch weiteren Diskussionsbedarf mit sich. So hat die FIA zum Beispiel wieder "darauf vergessen", den V6-Turbo erst von der Technischen Arbeitsgruppe ausarbeiten zu lassen, bevor er an die Formel-1-Kommission geht. "Darüber kann man streiten", entgegnet Williams-Technikchef Sam Michael auf die Frage, ob die Technische Arbeitsgruppe nicht illegal übergangen wurde.

Auf jeden Fall geht er davon aus, dass auch die neuen Chassisregeln von 2013 auf 2014 verschoben werden müssen: "Das ist eine gute Frage, denn die Chassisregeln wurden bereits abgesegnet - von der Technischen Arbeitsgruppe bis hin zum Motorsport-Weltrat. Die sind beschlossen. Jetzt müssen dieser Prozess revisiert werden", sagt Michael. Boullier meint zur möglichen Verschiebung auch der Chassisregeln: "Ich schätze ja. Das wäre ein logischer Schritt."