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  • 07.03.2008 · 13:04

  • von Nimmervoll/Wittemeier

Formel-1-Countdown 2008: Red Bull

Red Bull verleiht Flügel - oder doch nur Haifischflossen? Unsere Experten analysieren die Chancen des Teams im vierten Formel-1-Jahr...

(Motorsport-Total.com) - Am 16. März beginnt mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne die neue Formel-1-Saison. 'Motorsport-Total.com' veröffentlicht aus diesem Anlass jeden Tag einen Artikel aus der Countdown-Reihe - zu den fünf deutschen Stammfahrern und den elf Teams. Heute: Red Bull.

Präsentation des Red-Bull-Renault RB4

Bescheidene Präsentation des RB4 am Rande der Testfahrten in Jerez

Red Bull verleiht - zumindest wenn man den witzigen Werbespots des Energydrink-Herstellers glauben darf - Flügel. Das hat sich das Designteam in Milton Keynes offenbar sehr zu Herzen genommen: Starkonstrukteur Adrian Newey verpasste dem RB4 einen ungewöhnlich aussehenden Fortsatz der Motorhaube, der die Luftströmung vor dem Heckflügel kanalisieren und somit für mehr Stabilität sorgen soll - von uns "Haifischflosse" getauft.#w1#

Skurrile "Haifischflosse" kommt gut an

Mark Webber

Red Bulls "Haifischflosse" sorgte im Winter für hochgezogene Augenbrauen Zoom

Böse Zungen unken, Red Bull könnte dieses Jahr in Monaco für das Sequel von "Der Weiße Hai" werben. Andere finden jedoch positiv, dass nicht alle Autos gleich aussehen: "Toll, dass Newey mal wieder sein Markenzeichen setzt", applaudiert beispielsweise 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer, und sein Analystenkollege Sven Heidfeld findet: "Diese verlängerte Motorenabdeckung ist mal einfach etwas anderes. Ich finde es schön, weil es ist mal nicht dieser Einheitsbrei."

Aber Schönheit alleine gewinnt keine Grands Prix. Das musste Red Bull in seinen ersten drei Jahren in der Formel 1 schmerzlich feststellen: Begann 2005 (mit Cosworth-Motoren) noch alles recht viel versprechend, indem am Ende 34 WM-Punkte zu Buche standen, so waren es 2006 (Ferrari) nur noch 16 und im Vorjahr (Renault) 24. Vor der neuen Saison wechselt der Motorenhersteller endlich einmal nicht - und auch sonst ist das Team nun seit einiger Zeit weitgehend stabil.

Von "Wunderwuzzi" Newey hatte man sich schon 2007 den großen Wurf erhofft, aber der RB3 schaffte es nur einmal, beim Regen-Grand-Prix auf dem Nürburgring, auf das Podium. Das Konzept des Boliden war fortschrittlich und innovativ, aber das Gesamtpaket stimmte nicht: Der Renault-Motor war zu schlampig ins Chassis integriert, die Gewichtsverteilung nicht ausreichend optimiert - und das Paket hatte insgesamt auch ein paar Kilogramm Übergewicht.

RB4 keine radikale Neuentwicklung

Helmut Marko und Geoff Willis

Red-Bull-Konsulent Helmut Marko im Gespräch mit Konstrukteur Geoff Willis Zoom

Es galt also, Neweys an und für sich hervorragende Ideen einer kleinen Kur zu unterziehen, und dafür wurde Ex-Honda-Erfolgsdesigner Geoff Willis an Bord geholt. Newey entwickelt in der Red-Bull-Drittfirma Red Bull Technology (von der auch Toro Rosso beliefert wird) die genialen Konzepte, die dann zu Willis kommen, der diese ordnet und ihnen den letzten Feinschliff verpasst. Das soll sich 2008 im Vergleich zum Vorjahr in besserer Performance bei mehr Zuverlässigkeit niederschlagen.

Der RB4 ist kein radikal neues Auto, sondern lediglich eine konsequente Weiterentwicklung des RB3, aber Red Bull wurde ja schon Ende der vergangenen Saison immer schneller, sodass sich dieser konservative Weg lohnen könnte: "Ich glaube, Red Bull wird die vierte Kraft in der Formel 1 sein. Ich glaube, die haben einen guten Fortschritt gemacht - und dabei spielt Adrian Newey eine große Rolle", analysiert Heidfeld, übrigens der Bruder von Formel-1-Pilot Nick Heidfeld.

Newey, das Genie - Willis, der Ausputzer

Red-Bull-Fabrik

Hauptquartier des Formel-1-Teams von Red Bull im britischen Milton Keynes Zoom

Auch Surer nickt zustimmend und glaubt an den Newey-Effekt: "Ich glaube schon, dass das Team im zweiten Jahr mit Newey Fortschritte machen wird", hält er fest - und fügt an: "Das Wichtigste bei denen ist meiner Meinung nach aber Geoff Willis, denn da haben sie einen Geheimtipp als Verstärkung geholt - wobei er ja gar nicht so geheim ist, denn bei Honda geht just seit seinem Weggang nichts mehr voran. Das hat sicher einen Grund."

Willis arbeitet schon seit vergangenem Sommer in Milton Keynes, wo nach den Turbulenzen der Anfangsjahre nun endlich Ruhe eingekehrt ist. Der Motorenhersteller ist gleich geblieben, das Konzept wurde nicht radikal geändert, hinter dem Auto stehen die gleichen Ingenieure - und vor allem: Die geringfügige Erweiterung der Fabrik ist abgeschlossen, der Windkanal in Bedford spuckt endlich korrekte Resultate aus und am Geld scheitert es dank Dietrich Mateschitz sowieso nicht.

Atmosphäre im Team wieder harmonisch

David Coulthard und Mark Webber

331 Grands Prix geballte Erfahrung: David Coulthard (36) und Mark Webber (31) Zoom

Auch von teaminternen Querelen, wie sie manchmal aus dem frustrierten Red-Bull-Umfeld an uns herangetragen wurden, ist inzwischen nicht mehr viel zu spüren - der erst 34-jährige Brite Christian Horner hat inzwischen genug Autorität, um sich auch mal gegen Attacken aus Österreich durchzusetzen. So hieß es eine Zeit lang, dass Red-Bull-Konsulent Helmut Marko an einigen Entscheidungen der Teamführung in Milton Keynes Zweifel angemeldet haben soll.

Marko dürfte auch gegen den Strich gehen, dass heute keine seiner Red-Bull-Junioren im A-Auto sitzen, sondern mit David Coulthard und Mark Webber zwei "Oldies" jenseits ihres 30. Geburtstags. Die beiden mögen in ihrem fortgeschrittenen Alter nicht mehr als die absolut heißesten Aktien auf dem Fahrermarkt gelten, aber Coulthards Qualitäten als Racer sind unbestritten, während Webber im Qualifying immer das Maximum aus dem Paket rausholt.

"David", analysiert Surer, selbst 82-facher Grand-Prix-Teilnehmer, "hat 2007 wieder bewiesen, dass er im Rennen extrem stark ist. Aber bei ihm läuft die Zeit ab, das ist ganz klar. Bei Mark Webber hat die Zukunft auch längst angefangen, aber irgendwann bekommt er es vielleicht auf die Reihe. Der Kerl ist schnell, aber bis jetzt hat es einfach nie geklappt. Wenn bei ihm mal alles zusammenpasst, könnte er ein gutes Jahr haben."

Coulthard/Webber lauern auf ihre Chance

Mark Webber

Das soll es 2008 öfter als einmal geben: Mark Webber mit Renntrophäe Zoom

Auch Heidfeld ist davon überzeugt, dass das britisch-australische Duo noch lange nicht zu alt für die Formel 1 ist: "Ich glaube, dass beide Fahrer noch genügend Biss haben. Das fällt eben nicht so auf, wenn du im Mittelfeld rumfährst - da gehst du irgendwie unter. Aber wenn die vorne mal eine Chance wittern, dann zeigen beide Fahrer auf jeden Fall noch genügend Biss", gibt der ehemalige Formel-3000- und Formel-3-Pilot zu Protokoll.

Bei den Wintertests haben Coulthard/Webber und Red Bull jedenfalls einen guten Job gemacht, denn mit bisher mehr als 10.000 Kilometern mit dem neuen RB4 muss sich das Team vor Ferrari und Co. nicht verstecken. Das spricht dafür, dass man im Gegensatz zum Vorjahr keine entscheidenden Probleme mit der Zuverlässigkeit hat. Sprich: Newey und Willis können von Anfang an an der Performance arbeiten und müssen nicht erst Kinderkrankheiten kurieren.

Wie viel sind die guten Testzeiten wert?

David Coulthard und Mark Webber

Im Winter war Red Bull eines der fleißigeren Teams, was Tests angeht Zoom

Auch die Rundenzeiten waren phasenweise sehr ermutigend, aber: "Ich kann das wahre Leistungspotential nicht einschätzen", meint Heidfeld zurückhaltend. "Beide Fahrer haben bei den Wintertests ab und zu richtig gute Zeiten hingelegt, aber gerade bei David Coulthard gab es das ja schon oft. Der hat auch in seiner Zeit bei McLaren-Mercedes häufiger im Winter getönt, er könne Weltmeister werden."

Davon ist beim 36-jährigen Schotten in seiner vierten Red-Bull-Saison natürlich keine Rede mehr. Erklärtes Saisonziel der österreichisch-britischen Truppe ist Platz vier in der Konstrukteurs-WM - und wenn man davon ausgeht, dass die Top 3 von 2007 wieder vorne sein werden, würde dies bedeuten, dass man mit Renault, Toyota und Honda drei der sechs in der Formel 1 vertretenen Automobilhersteller schlagen muss...

Saisonstatistik 2007:

Team:

Konstrukteurswertung: 5. (24 Punkte)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Podestplätze: 1
Ausfallsrate: 41,176 Prozent (9.)
Durchschnittlicher Startplatz: 11,206 (7.)
Bisherige Testkilometer 2008 mit neuem Auto: 10.178 (5.)

David Coulthard (Startnummer 9):

Fahrerwertung: 10. (14 Punkte)
Durchschnittlicher Startplatz: 13,353
Bestes Ergebnis Qualifying: 5.
Bestes Ergebnis Rennen: 4.
Ausfallsrate: 41,176 (20.)
Bisherige Testkilometer 2008: 4.884 (16.)

Mark Webber (Startnummer 10):

Fahrerwertung: 12. (10 Punkte)
Durchschnittlicher Startplatz: 9,059
Bestes Ergebnis Qualifying: 5.
Bestes Ergebnis Rennen: 3.
Ausfallsrate: 41,176 (20.)
Bisherige Testkilometer 2008: 5.585 (7.)

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