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Formel-1-Countdown 2008: Force India

Das ehemalige Spyker-Team tritt 2008 unter neuen Eigentümern auf - Vijay Mallya will die frühere Jordan-Truppe mit Adrian Sutil salonfähig machen

(Motorsport-Total.com) - Am 16. März beginnt mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne die neue Formel-1-Saison. 'Motorsport-Total.com' veröffentlicht aus diesem Anlass jeden Tag einen Artikel aus der Countdown-Reihe - zu den fünf deutschen Stammfahrern und den elf Teams. Heute: Force India.

Adrian Sutil

Einer von fünf Deutschen in der Formel 1: Force-India-Pilot Adrian Sutil

Das Team mit Sitz in Silverstone hat innerhalb von drei Jahren dreimal den Eigentümer gewechselt: Im Januar 2005 von Eddie Jordan an Alexander Shnaiders Midland-Gruppe, im September 2006 für 77 Millionen Euro von Midland an die niederländische Sportwagenschmiede Spyker und zuletzt im Oktober 2007 von Spyker an die beiden Geschäftsleute Vijay Mallya und Michiel Mol - für die Kleinigkeit von 88 Millionen Euro.#w1#

Mol im Schatten von Mallya kaum präsent

Michiel Mol, Vijay Mallya und Jan Mol

Diese Herren haben das Sagen: Vijay Mallya, flankiert von Michiel und Jan Mol Zoom

Während sich Mol eher im Hintergrund hält, obwohl seine Familie 50 Prozent der Anteile hält, tritt Mallya in der Öffentlichkeit als Gesicht des Teams auf. Der stolze Inder will die Nationalflagge seines Landes in der Formel 1 hochhalten und träumt den ehrgeizigen Traum, beim Indien-Grand-Prix 2010 mit einem indischen Fahrer auf das Podium zu kommen - Karun Chandhok, dessen Vater mit Mallya befreundet ist, steht in der GP2 schon in den Startlöchern.

Nach jahrelanger Instabilität scheint Mallya nun Kontinuität ins Team zu bringen. Der Geschäftsmann, der sein Vermögen unter anderem mit der Kingfisher-Gruppe (Airline und Brauerei) und mit dem weltberühmten Whiskyunternehmen Whyte & Mackay scheffelt, das er 2007 für 780 Millionen Euro übernommen hat, hat das Jahresbudget auf immerhin 120 Millionen US-Dollar (umgerechnet knapp 80 Millionen Euro) festgelegt.

"Das 120-Millionen-Budget von Force India ist ganz ordentlich", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Sven Heidfeld, "aber auch die haben ja einen Dreijahresplan und reden schon vom Podium und Siegen. Das hat Toyota mit viel mehr Geld auch nicht geschafft. Insgesamt glaube ich, dass Force India ein Team der Zukunft ist. Da kommt noch mehr Geld von neuen Sponsoren, die Fahrer haben auch ein hohes Niveau und die haben eine tolle Perspektive."

Sutil: Keine Freigabe für ein anderes Team

Giancarlo Fisichella

Giancarlo Fisichellas Aufgabe ist es, dem Team die Richtung vorzugeben Zoom

Stichwort Fahrer: Adrian Sutil, der Ende 2007 mit Williams und angeblich sogar mit McLaren-Mercedes geflirtet hat, wurde nicht aus seinem Vertrag entlassen und bleibt damit auch in seinem zweiten Formel-1-Jahr im Rennstall unter der Regie des deutschen Teamchefs Colin Kolles. Anstelle des Japaners Sakon Yamamoto kam Giancarlo Fisichella von Renault an Bord - ein 194-facher Grand-Prix-Teilnehmer mit drei Siegen auf dem Konto.

"Sie haben jetzt zwei Fahrer, auf die sie zählen können. Sutil hat im Vorjahr schon gezeigt, dass er schnell ist, und Fisichella ist ein sicherer Wert. Das hilft natürlich dem Team weiter", erklärt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "Mit der Verpflichtung von Fisichella hat Mallya bewiesen, dass er es ernst meint, sonst hätte er nämlich einen Bezahlfahrer genommen. Das spricht schon dafür, dass sie vorwärts kommen wollen."

Fahrershootout: Fisichella Sieger, Liuzzi Testfahrer

Christian Klien

Christian Klien fiel als schnellster Mann des Jerez-Shootouts durch den Rost Zoom

Force India führte im Rahmen der Wintertests eine Fahrerevaluierung mit sieben Kandidaten durch, um den richtigen zweiten Mann zu finden. Neben Fisichella, der den Zuschlag erhielt, bewarben sich auch noch Christian Klien, Vitantonio Liuzzi, Franck Montagny, Giedo van der Garde und Roldan Rodriguez; Ralf Schumacher war ebenfalls mit von der Partie, bekleckerte sich nicht gerade mit Ruhm und behauptete anschließend, sein Test sei "nur ein Freundschaftsdienst" an Mallya gewesen.

"Ich hätte erwartet, dass sie Klien nehmen, denn der hat bei den Testfahrten beeindruckt. Auf der anderen Seite ist Fisichella natürlich ein Name - wenn er nicht vorwärts kommt, dann weiß man, es liegt am Auto", so Surer. "Andererseits ist er gegen Kovalainen in der zweiten Saisonhälfte ziemlich arg eingegangen. Marketingmäßig war es sicher der richtige Schritt, aber ob es dem Team wirklich so viel hilft, ist eine andere Frage. Vielleicht hätte ein zweiter Junger, der motiviert ist, mehr gebracht."

Zumindest in puncto Erfahrung kann Fisichella jede Menge ins Team einbringen. Der Italiener ist 1997 schon ein Jahr lang für den damaligen Jordan-Rennstall gefahren und kennt daher noch viele Gesichter. Außerdem kann er dem Ingenieursteam mit seinem bei einem Weltmeisterteam angehäuften Know-how Input und Richtung geben - und ganz nebenbei sollte der schnelle, aber oft noch zu ungestüme Sutil einiges von ihm lernen.

Beeindruckende technische Aufrüstung

Force-India-Fabrik in Silverstone

Die Schaltzentrale des Teams: Ehemalige Jordan-Fabrik im britischen Silverstone Zoom

Technisch gesehen hat Force India in den Wochen seit der Übernahme schon ordentlich aufgerüstet: Der eigene Windkanal in Brackley läuft nonstop wie bei den Topteams im Dreischichtbetrieb, dazu kommen noch die Leihanlagen von Aerolab und Lola. Außerdem hat es Mallya dank seiner Kontakte im Luftfahrtbusiness geschafft, den EADS-Konzern, zu dem unter anderem auch Flugzeughersteller Airbus gehört, als technischen Partner zu gewinnen.

An der Spitze der Ingenieursstruktur regiert Mike Gascoyne als technischer Manager. Gascoyne zur Seite stehen Chefdesigner Mark Smith, der von Red Bull verpflichtet wurde, und Ex-Toyota-Mann und Projektleiter für das 2009er-Auto, Ian Hall. Unterstützt wird dieses Triumvirat von James Key. Gascoyne, Smith und Hall kennen sich übrigens gut, sind erstmals seit den goldenen Jordan-Jahren in den späten 1990ern wieder in einem Team vereint.

Niemand erwartet Wunderdinge

Gateway of India

Mit viel Pomp stellte Vijay Mallya am Gateway of India sein neues Team vor Zoom

Was kann man also von Force India erwarten, Marc? "Dass sie Super Aguri überholen", meint der Ex-Formel-1-Pilot trocken. Sehr viel mehr wird es wohl nicht werden, auch wenn Sutil und Fisichella bei den letzten Wintertests recht gut ausgesehen haben. Der VJM01, der seinen Namen von Teameigentümer Mallya hat, wird außerdem angetrieben von einem Ferrari-V8-Motor, der als extrem fahrbar gilt und im Jahr eins ohne Traktionskontrolle zu einem großen Plus werden könnte.

Der interessanteste Aspekt ist jedoch sicher, dass Mallya mit seinem Projekt den mehr als eine Milliarde Menschen zählenden indischen Markt für seinen Freund Bernie Ecclestone erschließt: "Das ganze Thema Indien ist total wichtig, auch für die anderen Teams. Da sind neue Märkte, da entstehenden Kontakte zu neuen indischen Sponsoren - und die ganze Formel 1 profitiert davon", weiß Sven Heidfeld.

Einen ersten Vorgeschmack darauf lieferte die offizielle Teampräsentation am Gateway of India in Mumbai: Mallyas Ruf folgte jede Menge Prominenz aus Politik und Wirtschaft, sogar die überwiegend europäische Motorsportpresse schickte zahlreiche Vertreter ins ferne Indien. Das Auto, das dort gezeigt wurde, war zwar wider Erwarten nicht in den indischen Nationalfarben lackiert, trägt dafür aber Goldtöne - passend zu Mallyas ehrgeizigem Geschmack...

Saisonstatistik 2007:

Team:

Konstrukteurswertung: 10. (1 Punkt)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Podestplätze: 0
Ausfallsrate: 41,176 Prozent (10.)
Durchschnittlicher Startplatz: 20,853 (11.)
Bisherige Testkilometer 2008 mit neuem Auto: 2.387 (10.)

Adrian Sutil (Startnummer 20):

Fahrerwertung: 19. (1 Punkt)
Durchschnittlicher Startplatz: 20,294
Bestes Ergebnis Qualifying: 19.
Bestes Ergebnis Rennen: 8.
Ausfallsrate: 41,176 Prozent (20.)
Bisherige Testkilometer 2008: 2.293 (19.)

Giancarlo Fisichella (Startnummer 21):

Fahrerwertung: 8. (21 Punkte)
Durchschnittlicher Startplatz: 10,824
Bestes Ergebnis Qualifying: 4.
Bestes Ergebnis Rennen: 4.
Ausfallsrate: 11,765 Prozent (6.)
Bisherige Testkilometer 2008: 2.540 (17.)

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