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Filmstar und Pilot: Das neue Leben des Niki Lauda

Seit dem Film "Rush" kennen viele das Gesicht des Niki Lauda - allerdings nicht die private Seite: Er erzählt, warum er Urlaub hasst und warum er nicht mehr Linie fliegt

(Motorsport-Total.com) - Niki Lauda war bislang als dreifacher Formel-1-Weltmeister und dem jüngeren Publikum vor allem als TV-Experte bei 'RTL' bekannt. Nur die etwas Älteren hatten den Österreicher zu seinen aktiven Zeiten noch fahren gesehen, doch alle kannten die Geschichte seines schweren Unfalls auf dem Nürburgring 1976, bei dem er ein Ohr verlor und schwere Brandverletzungen davontrug.

Niki Lauda

Mit dem Film "Rush" ist Niki Laudas Bekanntheitsgrad noch einmal gestiegen Zoom

Seit dem vergangenen Jahr ist Lauda auch quasi eine Art Filmstar. Zwar spielt der 65-Jährige im Streifen "Rush" nicht selbst die Hauptrolle, doch seine Lebensgeschichte und vor allem sein Unfall werden dabei eindrucksvoll für ein breites Publikum aufbereitet. "Der Film hat viele daran erinnert, was passiert ist. Das war eine Überraschung für mich", erzählt Lauda im Interview mit 'The Racer's Edge'. "Denn die ältere Generation, die wusste, was passiert ist, kannte nichts davon im Detail - den Unfall, das Krankenhaus und alles andere. Die jüngere Generation hat keine Ahnung."

Doch durch den Film wissen nun auch viele jüngere Menschen, die nichts mit der Formel 1 zu tun haben, genau über Lauda und sein Schicksal Bescheid: "Jetzt kennen mich auch die jungen Kids aus der Schule. Zehnjährige Mädchen wachen auf und sagen: 'Oh, das ist der Rush-Typ.'" Dass der Titel solche Wellen schlagen würde, damit hatte der ehemalige Formel-1-Pilot im Vorfeld nicht im Traum gerechnet.

"Die Publicity war außergewöhnlich. Ich habe nie erwartet, dass sie so hoch ist. Das kommt davon, weil der Film so gut gemacht wurde. Das hat weder etwas mit mir, dem Unfall oder der Story zu tun, es ist, wie der Film produziert wurde. Das hat die ganze Sache wieder hochgebracht", lobt er die Produktion des Kassenschlagers. Der Inhalt an sich sei ihm aber egal gewesen: "Ich habe das selbst durchlebt, und ich wusste alles", so sein Kommentar.

Privatjet statt Linienflug

Doch Niki Lauda ist mehr, als einfach nur ein Formel-1-Pilot, der berühmt wurde, weil er sein Ohr verloren hat. Abseits des Cockpits kennt man den Österreicher als gewieften Geschäftsmann, der weder vor der Rolle des Teamchefs noch vor der Rolle des Airline-Besitzers oder sogar Piloten kneift. Ende der 70er Jahre begann Lauda mit Gründung der Lauda Air, sich in einem anderen Geschäftsfeld niederzulassen. Bis heute hat ihn die Leidenschaft dafür nicht losgelassen.


Fotostrecke: "Rush" - Szenen aus dem Kinofilm

Im Gegenteil: "Ich habe jetzt mit 65 Jahren aufgehört, kommerziell zu fliegen. Ich habe mein eigenes Flugzeug - eine Global 5000. Ich genieße das absolut, weil es mein Leben so viel einfacher macht. Entweder sitze ich hier noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, oder ich fliege einfach nach Hause. Ich kann mein eigenes Timing bestimmen, und Gott sei Dank kann ich mir das leisten, denn das macht mein Leben zehnmal einfacher, als es sonst wäre."

Für Lauda ist es stets ein extremer Luxus, wenn er mit seinem eigenen Flugzeug zu den ganzen Destinationen auf der Welt jetten kann: "Wenn du dich an ein Privatflugzeug gewöhnst, dann ist es schon hart, regulär zu fliegen, wenn ich ehrlich bin", erzählt er. "Und ich bin daran jetzt seit gut 30 Jahren gewöhnt. Ich fliege auch manchmal regulär, etwa nach Australien. Ich habe damit kein Problem, verstehen sie das nicht falsch. Aber es macht mein Leben anders herum viel einfacher."

"Ich hasse Freizeit"

Und der Österreicher sieht beim Fliegen seiner Global 5000 viele Parallelen zum Fahren eines Formel-1-Autos. Für Lauda ist es immer wieder eine Herausforderung, möglichst perfekt zu fliegen - wie es sich auch für einen Rennfahrer in einem Boliden gehört. "Das kannst du schaffen, und besonders mit diesem Flugzeug ist das eigentlich dasselbe Gefühl wie mit einem Formel-1-Auto. Ein Rennauto ist eben ein Rennauto. Wenn es schnell ist, ist es schön und gut, und genauso verhält es sich mit einem Flugzeug."

Rush

Im Film wird Lauda allerdings nicht von sich selbst gespielt - sondern von Daniel Brühl Zoom

Doch wenn Lauda fliegt, dann am liebsten zur Arbeit - für seinen Job als Aufsichtsratsvorsitz beim Formel-1-Team von Mercedes oder in repräsentativer Tätigkeit für beispielsweise "Rush". In den Urlaub zu fliegen, das kommt für den Wiener eher nicht in Frage: "Ich hasse Freizeit", stellt Lauda klar. "Birgit (seine derzeitige Ehefrau; Anm. d. Red.) war die Erste, die mich überzeugen konnte, eine Woche auf die Malediven zu fliegen, als wir uns kennenlernten."

"Und jeder, der mich kannte, hat ihr erzählt, es bestehe nicht die geringste Chance, dort für eine ganze Woche zu bleiben. Ich bin dann fünf statt sieben Tage geblieben. Nichtsdestotrotz hat sie mich gelehrt, dass eine Woche Urlaub möglich wäre, was ich zuvor nie gehabt hatte. Mit den Kindern (die vierjährigen Zwillinge Max und Mia; Anm. d. Red.) war ich jetzt eine Woche in Nordirland und den Seychellen vor zwei Wochen. Ich mache so was also mittlerweile mit - für sie und für die Kinder. Und am Ende auch für mich selbst."

Detailverliebt in allen Bereichen

Doch die Welt von Niki Lauda ist das nicht wirklich. Er freut sich, wenn er wieder seiner Arbeit bei Mercedes nachgehen kann. Derzeit läuft es für die Silberpfeile nach dem Sieg zum Saisonauftakt in Melbourne auch nach dem Geschmack des Aufsichtsratsvorsitzenden. Lauda hatte vor der Saison 2012 ein Mittelfeldteam mit übernommen und es zurück an die Spitze geführt. Geschafft hat er dies unter anderem mit seiner Leidenschaft und seiner Detailversessenheit - ähnlich wie Ron Dennis bei McLaren.


Fotostrecke: Das bewegte Leben des Niki Lauda

Doch mit dem kauzigen Briten will sich Lauda nicht vergleichen. Dennis sei zwar auch für seine Detailverliebtheit bekannt, doch bei ihm sehe das anders aus, meint der Österreicher: "Meine ist praxisnah. Man muss sehen, was man erreichen kann, ohne alle anderen unnötig unter Druck zu setzen", grenzt er sich ab. "Wenn man zu viel macht, dann kommt man nirgendwo hin, weil man immer Gegenwind bekommt. Ich denke, ich habe den richtigen Weg gefunden. Ich sehe einfach Dinge, die andere nicht sehen. Ich schaue auf Dinge und sage: 'Hey, was ist das?'"

Auch ein Beispiel kann der 65-Jährige dafür geben - natürlich aus dem Flugbusiness: "Es gab eine (Boeing) 777 mit 344 Sitzen", beginnt er. "Als ich die übernommen habe, bin ich durch die Kabine gegangen und habe geschaut, ob alles sauber ist und ob nichts auf dem Boden liegt. Ich habe dann einen Aschenbecher geöffnet, und da lag ein Kaugummi. Ich habe dann gefragt, warum dort ein Kaugummi liegt. 'Wie hast du gerade diesen herausgesucht?' Ich sagte: 'Ich weiß nicht, aber hier ist einer drin.' Sie sollten in alle Aschenbecher reinschauen. Und da habe ich diese Detailverliebtheit."

Shopping-Tour mit Kai Ebel? "Ich kaufe eine Jeans"

Susie Wolff, Niki Lauda

In Sachen Mode braucht der Österreicher manchmal Beratung Zoom

Doch auch die stößt irgendwann an ihre Grenzen. Wenn es um seine eigene Person geht, dann lässt der Geschäftsmann die Dinge auch gerne einmal schleifen. Mode ist dem Wiener beispielsweise total egal. "Ich ziehe meine Jeans an, und das war's. Natürlich fällt es mir auf, wenn Leute schön gekleidet sind, aber interessieren tut es mich persönlich nicht." Auf Shopping-Tour mit seinem modebewussten RTL-Kollegen Kai Ebel dürfte man Lauda somit wohl eher nicht begegnen.

"Ich kaufe mir eine Jeans, und das war's. Shopping dauert zehn Minuten", winkt der Österreicher ab. "Ich brauche jemanden, der mich in diesen großen Shopping-Zentren anleitet. Wo ist der Levis-Shop? Wo ist das? Wo ist das? Und dann gehe ich rein und wieder raus. Innerhalb einer Stunde ist das wieder erledigt." Kai Ebel dürfte Lauda somit wohl nicht nacheifern - aber vielleicht Bernie Ecclestone? Zumindest in Sachen körperlicher Fitness ist der 65-Jährige vielen Altersgenossen voraus - und das soll noch lange so bleiben. Sein Geheimtipp? "Ich trinke nicht, das habe ich ohnehin nie viel getan. Ich versuche einfach fit zu bleiben und auf meinen Körper zu achten."

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