powered by Motorsport.com

Ferrari gesteht: Erwartungen waren zu Saisonbeginn 2023 "etwas zu hoch"

Frederic Vasseur betont, dass Ferrari gegen Ende der Saison 2023 einen guten Job gemacht habe, zu Beginn des Jahres aber über die Erwartungshaltung gestolpert sei

(Motorsport-Total.com) - "Es gab Rennen, bei denen wir definitiv das zweitschnellste Auto waren, und andere Rennen, in denen wir vielleicht das viert- oder fünftschnellste Auto waren. Es war also ein Auf und Ab", resümiert Ferrari-Pilot Charles Leclerc am Ende der Formel-1-Saison 2023.

Titel-Bild zur News: Charles Leclerc und Ferrari-Formel-1-Teamchef Frederic Vasseur

Der Saisonbeginn lief für Charles Leclerc, Frederic Vasseur und Co. nicht wie erhofft Zoom

Die Scuderia beendete die Weltmeisterschaft auf Rang drei hinter Red Bull und Mercedes, konnte in Singapur dank Carlos Sainz aber den einzigen Nicht-Red-Bull-Sieg des Jahres holen. "Ehrlich gesagt war es eine enttäuschende Saison", betont Leclerc dennoch.

Denn: "Nach dem vergangenen Jahr hatten wir erwartet, dass wir in dieser Saison um die Meisterschaft kämpfen würden. Aber nach dem ersten Rennen war uns sofort klar, wie schwierig es im Vergleich zu Red Bull sein würde", erklärt der Vizeweltmeister des Vorjahres.

Die Saison 2022 hatte Leclerc mit drei Siegen noch auf dem zweiten WM-Rang beendet, und auch Ferrari selbst wurde in der Konstrukteurs-Wertung Vizeweltmeister. 2023 wurde Leclerc ohne Sieg WM-Fünfter, Ferrari kam ebenfalls nicht über Rang drei hinaus.

Grund dafür sei vor allem die Dominanz von Red Bull, "die [im Winter] einen großen Schritt nach vorne gemacht hatten, vor allem in Bezug auf die Rennpace", betont Leclerc. Das habe man gleich zu Saisonbeginn gemerkt, während Ferrari selbst keinen so großen Schritt gemacht habe.

Leclerc hofft 2024 auf "siegfähiges Auto"

Daher sei die Saison gleich ab dem ersten Rennen "etwas enttäuschend" gewesen, so Leclerc, dem schnell klar wurde, dass man 2023 nicht um den WM-Titel würde kämpfen können. "Ich denke, wir haben im Laufe der Saison große Fortschritte gemacht", betont er.

"Es gibt natürlich noch immer eine Menge zu tun, vor allem im Rennen", weiß er, stellt aber klar, dass ein Schritt nach vorne gelungen sei, "was positiv ist und mich zuversichtlich für die Zukunft stimmt." Gleichzeitig gebe es aber noch immer "eine große Lücke" zu Red Bull.

"Deshalb werden wir in der Winterpause hart arbeiten und hoffentlich nächstes Jahr mit einem siegfähigen Auto stärker zurückkommen", betont er und erklärt: "Im Moment ist unser Auto nicht gut genug und nicht konstant genug, besonders auf den Longruns."


Fotostrecke: Ausgerechnet: So viele Punkte hat Ferrari 2023 weggeschmissen

"Alles hängt von Details ab, wir müssen alles richtig hinbekommen", weiß er, und Teamchef Frederic Vasseur erklärt in diesem Zusammenhang: "Ich freue mich über die letzten beiden Events, denn es waren zwei völlig gegensätzliche [Voraussetzungen]."

Las Vegas habe "sehr hohe Geschwindigkeiten" und "sehr kalte Bedingungen" gehabt, Abu Dhabi dagegen "viele mittelschnelle Kurven und sehr heiße Bedingungen", so Vasseur. Trotzdem belegte Leclerc bei beiden Rennen den zweiten Platz hinter Max Verstappen.

Vasseur: Wissen nicht, was die anderen machen

"Red Bull ist immer noch schneller als wir, und wir können uns immer noch verbessern. Aber zumindest im Vergleich zu Zandvoort und einigen anderen Rennen haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht", betont Vasseur, der ebenfalls vorsichtig optimistisch auf 2024 blickt.

Gleichzeitig warnt er aber auch vor überzogenen Erwartungen, denn: "Ich denke, dass die Erwartungen [2023] zu Beginn etwas zu hoch waren", betont er bei Sky. Zwar seien die letzten Saisonrennen "sehr gut" gewesen, die Anfangsphase der Saison aber ziemlich hart.

Er wolle daher für 2024 "nicht zu optimistisch sein", denn diesen Fehler habe man 2023 gemacht und sei dann enttäuscht worden. Ferrari müsse sich im Winter einfach auf die eigene Arbeit konzentrieren und dürfe nicht schon über die Weltmeisterschaft nachdenken.


Analyse der Formel-1-Saison 2023

Denn letztendlich sei man immer auch davon abhängig, was die anderen Teams machen. "Man kann eine Sekunde aufholen, aber wenn die anderen 1,5 [Sekunden] holen, dann sieht man dumm aus. Wenn sie aber nur fünf Zehntel holen, dann sieht man wie ein Held aus", erklärt Vasseur.

"Letzten Endes ist es ein Vergleich, und wir konzentrieren uns nur auf uns selbst und versuchen, das Beste aus uns herauszuholen", stellt er klar, betont aber auch, dass ihm die letzten Rennen der Saison 2023 zumindest Mut für das kommende Jahr machen.

Ferrari will "Dynamik" der letzten Rennen mitnehmen

"Wir standen immer in der ersten Reihe, wir kämpften immer um die Poleposition, wir kämpften mit Red Bull bei den letzten zwei oder drei Rennen", erinnert er. Den zweiten Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft habe man bereits zuvor und nicht erst in Abu Dhabi verloren.

"Ich will nicht zu optimistisch sein, aber wenn man den letzten Teil der Saison sieht, denke ich, dass wir auf dieser Dynamik aufbauen müssen", so Vasseur. In der Tat schaffte es Ferrari in vier der letzten fünf Saisonrennen auf das Podium und holte dabei sogar drei Polepositions.

Im Rennen hatte aber trotzdem jedes Mal Verstappen die Nase vorne, weshalb Vasseur lobt: "Er hat eine mega Saison hingelegt. In den ersten zwei oder drei Events hat er mit Checo [Perez] gekämpft und dann war er auf einem anderen Planeten. Er hat in der ganzen Saison kaum einen Fehler gemacht."

Man sei im Laufe des Jahres zwar deutlich näher herangekommen, doch der Niederländer habe nur bei wenigen Rennen wirklich "unter Druck" gestanden. Vasseur betont: "Er wird mehr Fehler machen, wenn er unter Druck steht. Aber niemand konnte ihn in dieser Saison unter Druck setzen."

Das sei Ferrari nur "bei den letzten zwei oder drei Rennen" und zuvor in Singapur gelungen. Und wenn es 2024 gelinge, Verstappen und Red Bull öfters unter Druck zu setzen, dann werden die Bullen auch mehr Fehler machen, ist sich Vasseur sicher.

Grundvoraussetzung dafür wäre aber ein schnelleres Auto als zu Beginn der Saison 2023.