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  • 30.07.2001 · 14:59

  • von Fabian Hust

David Coulthard im Interview

Coulthard verrät unter anderem, warum er in Hockenheim so langsam war und warum er lange Zeit nicht topfit war

(Motorsport-Total.com/Haymarket) - Nach Silverstone war das Rennen auf dem Hockenheimring für McLaren-Mercedes-Pilot David Coulthard wieder einmal vorzeitig gelaufen. Zwar konnte auch WM-Gegner Michael Schumacher nicht punkten, die Chancen auf den WM-Titel sind aber dennoch gesunken, weil jetzt nur noch fünf Rennen verbleiben, um den großen Rückstand von 37 WM-Punkten aufzuholen. Obwohl nur noch 50 WM-Zähler zu vergeben sind, denkt der Schotte nicht ans Aufgeben.

David Coulthard

David Coulthard muss wieder einen Ausfall rapportieren

Frage: "Was denkst du über die Weltmeisterschaft?"
Coulthard: "Seit dem letzten Rennen hat sich nichts geändert. Es ist nur so, dass jetzt weniger Punkte zur Verfügung stehen, um die Situation umzubiegen. Wie wir alle wissen, ist dies eine sehr hohe Mauer und wir versuchen, ein sehr kleines Seil hochzuwerfen. Ich werde nicht sagen dass es vorbei ist bevor es nicht wirklich vorbei ist - warum sollte ich auch? Warum sollte ich an der Wahrheit vorbeireden und nicht sagen, dass es schwierig ist, aber eine Menge passieren kann wie zum Beispiel der Unfall in der ersten Kurve. Es ist ein Sport, in dem man nichts vorhersagen kann. Aus diesem Grund darf man sich nicht verschließen, Wochenende für Wochenende. Wir sahen in Silverstone sehr stark aus und hier waren wir Durchschnitt."

Frage: "Hat etwas bestimmtes nicht gepasst?"
Coulthard: "Das ganze Wochenende über war die Balance schwierig. Ich hatte am Morgen einen Vergleich mit dem T-Car und dem Einsatzwagen gezogen und das T-Car war langsamer. In meinen Augen hat etwas nicht gestimmt, weil wir das ganze Wochenende über Übersteuern hatten, ich hatte kaum Untersteuern und ein Auto so fahren zu müssen ist sehr schwer. Im Rennen funkte ich in Runde 2 an das Team, dass ich im Kurveneingang unglaublich viel Übersteuern hatte und das Auto fühlte nicht so an wie jenes Auto, das ich in diesem Jahr bisher gefahren habe. Und als Team müssen wir das ganz klar aussortieren und verstehen. Ich bin ein Teil dieses Prozesses, ich konnte das Problem während des Wochenendes nicht beseitigen. Und mir gelang das auch beim Testen in der letzten Woche in Monza nicht. Wir haben nicht die Möglichkeit, vor Ungarn zu testen, aber ich gehe davon aus, dass wir dort ein wenig konkurrenzfähiger sind."

Frage: "Freust du dich in den zwei Wochen Pause auf ein paar freie Tage?"
Coulthard: "Ich habe das Gefühl, dass ich diese Pause brauche - einfach einmal innehalten und dann wieder von vorne beginnen. Es war jetzt nur noch ein Rennen nach dem anderen. Vielleicht müssen wir als Team schauen, was wir testen und entwickeln können, um in den letzten fünf Grand Prixs einen Schritt nach vorne machen zu können. Ich habe bis Freitag noch Promotions und das wird etwas von der verfügbaren Zeit verbrauchen - der Flug und die Reise und alles, das ist die andere Seite unseres Berufes, was einem viel Kraft kostet."

Frage: "Hast du diese Tatsache seit deinem Hoch, der Pole in Monaco, gespürt?"
Coulthard: "Es zehrt physisch und psychisch an dir. Gerade vor Monaco hatte ich eine kleine Brustkorbinfektion, die ich bis nach Kanada mit mir herumschleppte. Das kostete mich Training, in das ich jetzt wieder langsam hineinkomme. Aber man muss seinen Energielevel aufrecht erhalten, um an jedem Wochenende den notwendigen Druck machen zu können und mit den Enttäuschungen fertig werden zu können. Wenn man nicht wirklich in Top-Form ist, dann leidest du mehr unter den Enttäuschungen."

Frage: "Was denkst du über den Rennabbruch?"
Coulthard: "Jemand muss eine Entscheidung fällen und wir alle müssen mit ihr leben oder halt auch nicht, die Leute befinden sich also in einer sehr verantwortungsvollen Position. Aber es ist ungewöhnlich, eine rote Flagge zu haben, besonders dann, wenn ein Fahrer unverletzt ausfällt. Ich denke, mit den Informationen, die ich bisher habe, ist es eine schwierig zu akzeptierende Entscheidung, da wir bereits über die Trümmer fuhren. Das rote Licht ging an, als ich über die Trümmer fuhr. Sie entschieden sich also erst zu diesem Schritt, als wir über die Teile fuhren. In meinen Augen hätten wir alle langsam fahren können, da wir dies hinter dem Safety Car sowieso tun mussten. Wenn also jemand Abstand nimmt, wie sie das hinter uns taten, dann haben sie nicht einen Blick auf die Boards geworfen oder ihrem Team zugehört. Sie hatten mindestens zweieinhalb Minuten, um die Strecke zu säubern, bevor wir wieder an sie kamen. Man hätte die Strecke also säubern sollen und uns fahren lassen."

"Ich denke, dass man das Rennen hätte am Laufen lassen sollte. Wenn ein Fahrer verletzt ist... Aber solange kein Fahrer verletzt ist, stoppen sie normalerweise kein Rennen. Unfälle oder Verletzungen abseits der Strecke sind normalerweise ein Grund, um das Rennen zu stoppen. Ich habe gehört, dass ein Mechaniker von einem Trümmerteil getroffen wurde [er verletzte sich beim Zurücklaufen an die Box selbst; d. Red.] und ich hoffe, dass er in Ordnung ist, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass wir hätten weiterfahren sollen. Es hat eine Menge Rennen gegeben, die von roten Flaggen profitiert hätten, um den Leuten eine Show zu bieten. Denn man möchte alle Autos im Rennen sehen. Man möchte nicht sehen, dass eine Menge Autos in der ersten Kurve abfliegen und dann ein Minardi gewinnt. Das ist zwar ganz nett für Minardi, aber..."

"Ich sagte zum Team, dass man den Grund für die rote Flagge verstehen kann, wenn man zynisch ist. Dave Ryan sagte, lasst uns auf das Rennen konzentrieren, dagegen konnte man nichts einwenden. Man kann nichts tun, aber man kann so ein Gefühl haben und ich spreche nur das an, was ich gesehen, ich habe nicht alle Fakten, vielleicht spreche ich aus diesem Grund Unsinn. Ich werde mir alles genau ansehen und dann vielleicht mit Charlie Whiting [Renndirektor; d. Red.] darüber reden und danach werde ich meine Meinung ändern oder nicht", so Coulthard, der glaubt, dass man das Rennen abbrach, um Michael Schumacher die Möglichkeit zu geben, in das Ersatzauto zu wechseln.

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