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  • 19.01.2015 · 20:44

  • von Dominik Sharaf

Claire Williams' Liebeserklärung: Angriff auf die Männerwelt

Warum die Co-Teamchefin bei Konzernchefs härter schuftet als in der Box und wie es Williams schaffen will, wieder Grands Prix zu gewinnen

(Motorsport-Total.com) - In den vergangenen Monaten wurde die Formel-1-Welt Zeuge einer Comeback-Story: Es war die des Williams-Teams und ihres Piloten Felipe Massa, gepaart mit dem Aufstieg des Shootingstars Valtteri Bottas. Geht nach der Teamführung, ist trotz Bodenständigkeit mit Podiumsplätzen das letzte Kapitel nicht geschrieben. "Wir sind immer realistisch statt in Fantasien zu schwelgen", erklärt Co-Teamchefin Claire Williams gegenüber 'Sky Sports F1'. "Aber wir sind in der Formel 1, um zu gewinnen."

Felipe Massa, Valtteri Bottas

Felipe Massa und Valtteri Bottas wollen den Formationsflug an der Spitze proben Zoom

Das Problem: In Sachen Tempo hinkte die Mannschaft aus Grove hinter Platzhirsch Mercedes hinterher, wenn es sich nicht um Strecken mit Highspeed-Charakter wie in Spielberg handelte. Schwächelten die Silberpfeile, war stets Red Bull zur Stelle. "Wir sprechen nicht gerne über Erwartungen, Hoffnungen oder Träume. Es gibt so viele Variablen", bleibt Williams vorsichtig, will bei den Zielen aber an die glorreichen Neunzigerjahre anknüpfen: "Eines Tages um einen weiteren WM-Titel kämpfen."

Um zu Mercedes aufzuschließen, sei es wichtig, Chassis und der Aerodynamik zu optimieren. Schließlich tritt Williams mit identischem Antriebsstrang an. Der Sportchef der Stuttgarter bezeichnete seinen ehemaligen Rennstall bereits als schärfsten Kontrahenten 2015. "Was für ein Kompliment von Toto (Wolff; Anm. d. Red.)", zeigt sich Williams geschmeichelt und angriffslustig zugleich: "Wir haben gezeigt, dass wir es mit Mercedes aufnehmen können, als wir zum Saisonende die Lücke geschlossen haben."

Williams nennt Zahlen: 66 Sponsoren-Millionen im Jahr

Red Bull und Ferrari hat Williams weniger auf dem Schirm, obwohl sich die Österreicher 2014 in der Konstrukteurs-WM vor ihrer Truppe platzierten. Mercedes-Power sei Dank: "Es gibt nicht viel, worüber ich mir Sorgen machen müsste, wenn wir die Entwicklungskurve so weiterführen und das erreichen, was den anderen auch gelingt." Dabei belastet Williams die Aufgabe, das Budget nicht aus einem Konzernumsatz zu generieren, sondern sich jedes Pfund bei Sponsoren zusammenkratzen zu müssen.


Fotostrecke: Die Williams-Story

Als Verantwortliche für den kommerziellen Bereich steht Claire Williams in der Verantwortung. "Jedes Jahr habe ich für mindestens 50 Millionen Pfund Sterling (umgerechnet circa 66 Millionen Euro, Anm. d. Red.) an Einnahmen gesorgt, um den Rennbetrieb am Laufen zu halten", schildert sie 'Esquire', ohne ein Klagelied anzustimmen: "Ich liebe jedes Fitzelchen meines Jobs. Wenn wir einen neuen Sponsor haben, ist das eine große Leistung, gemessen an der Situation, die heute auf diesem Markt herrscht."

Auch sonst ist Williams zufrieden mit der Rolle als designierte und de facto installierte Teamchefin. "Ich kann mir kein Leben ohne die Formel 1 vorstellen", sagt die Tochter der Rennikone Frank, die einen Universitätsabschluss in Politikwissenschaft ihr Eigen nennt: "Müsste ich, dann würde ich gerne in die Politik gehen. Vielleicht hasse ich es, aber es könnte interessant sein." Als Frau im Paddock fühlt sie sich alles andere als unwohl: "Ich bin mit diesem Sport aufgewachsen und war mein ganzes Leben lang von Männern umgeben. Für mich ist das nichts Besonderes."