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Briatore und der steinige Weg aus der Krise

Flavio Briatore erläutert, wie Renault 2007 so stark abrutschen konnte und nennt als wesentlichen Erfolgsfaktor des Wiederaufstiegs 2008 Fernando Alonso

(Motorsport-Total.com) - Renault erlebte 2007 als amtierender Konstrukteursweltmeister einen drastischen Absturz und auch der Anfang der diesjährigen Saison deutete an, dass die Talsohle noch lange nicht durchschritten sei. Den Auftakt bildete zwar ein guter vierter Platz von Fernando Alonso, doch dieses Ergebnis war eher den Umständen des ausfallreichen Grand Prix von Australien zu verdanken. Aber Schritt für Schritt verbesserten sich die Franzosen im Laufe der Saison und gehören nun zweifelsfrei zu den Favoriten 2009. Mit zwei Siegen hat Renault den Sprung an die Spitze zurück geschafft.

Flavio Briatore (Teamchef)

Flaivo Briatore spielt seit Ende 2008 wieder im Konzert der Großen mit

Wohl kaum ein anderes Team im Starterfeld legte im Saisonverlauf einen derart steilen Aufstieg hin. Teamboss Flavio Briatore erklärte im Interview mit der 'Auto motor und sport', wie dieser Erfolg zustande kam. "Zum Saisonstart haben wir für 2007 bezahlt, als das Auto wirklich schlecht war. Bereits die erste Version des 2008er Autos war besser als die letzte von 2007. Wenn man so weit weg ist, wie wir es waren, macht man nicht einen großen Schritt von heute auf morgen. Die Erfahrung von Alonso hat die positive Entwicklung beschleunigt. Er hat uns klar gesagt, wo wir stehen", nennt der Italiener die wesentlichen Faktoren.#w1#

Was all die Jahre zuvor hervorragend funktioniert hatte, zählte im Jahr 2007 plötzlich nicht mehr: Der Windkanal habe laut Briatore plötzlich falsche und unzuverlässige Daten geliefert. Ein Grund dafür sei der Wechsel von Michelin zu Bridgestone gewesen, das Reifenmodell des Windkanals passte einfach nicht mehr. Doch diese Probleme seien inzwischen behoben, versichert der Teamchef.

Zudem beschritt Renault einen für Formel-1-Verhältnisse recht unüblichen Weg: "Wir haben die Entwicklung des 2008er Autos sehr spät begonnen, weil wir erst verstehen wollten, was am Vorjahreswagen falsch gelaufen ist. Es hat uns fünf Monate gekostet, bis wir eine Antwort hatten. Deshalb waren wir nicht gleich vom Saisonbeginn an bei der Musik."

Im Saisonverlauf hatte sich der Teamchef auf dem Motorengebiet über einen nicht unerheblichen Leistungsnachteil beklagt: "Als die FIA entschieden hat, die Motorenentwicklung einzufrieren, lagen alle Motoren plus, minus ein Prozent auf einem Niveau. Dann hatten einige Teams Sorge um die Standfestigkeit ihrer Motoren. Deshalb öffnete die FIA das Entwicklungsfenster noch einmal für vier Monate."

Wie kann man einen Alonso an sich binden?

"Da Standfestigkeit für uns kein Thema war, haben wir nichts gemacht. Einige andere haben die Situation ausgenutzt und nicht nur an der Absicherung der Zuverlässigkeit gearbeitet, sondern auch Leistung gefunden. Das war gegen den Geist des Reglements", so der Italiener, der das Rundenzeitendefizit im Bezug auf McLaren-Mercedes und Ferrari auf vier Zehntel Sekunden pro Runde beziffert.

Daher findet es Briatore absolut gerecht, dass nun nur Honda und sein Team nachbessern dürfen: "Natürlich ist es fair. Wir haben nur die Regeln befolgt. Dafür wollte man uns die nächsten fünf Jahre bestrafen. Wenn die Entwicklung so lange eingefroren ist, kann ich so lange nicht aufholen. Als die FIA den Entwicklungsstopp bekannt gegeben hat, haben wir 90 Mitarbeiter in Viry-Chatillon abgebaut. Das war eigentlich Sinn und Zweck der Aktion. Die anderen haben aber ihr Personal behalten."

Neben den BMW- und Honda-Spekulationen geisterten immer wieder Gerüchte durch den Raum, der zweifache Weltmeister und Erfolgsgarant von Briatore könnte sich eines Tages zur Scuderia Ferrari abseilen. Um dies zu verhindern, sieht Briatore nur ein Rezept: Ein Siegerauto. Gemeinsam mit Alonso will man 2009 wieder nach der WM-Krone greifen. Und nur ein Siegerauto könne den ehrgeizigen Spanier langfristig binden, erklärt der Teamchef.

Die Vertragsverlängerung von Nelson Piquet Jr. kam für den einen oder anderen wohl etwas überraschend, doch mit dem Spanier im Team habe man Raum für Experimente, so Briatore. Zudem gebe der Fahrermarkt momentan nicht besonders viel her. GP2-Champion Giorgio Pantano ist nicht besonders begehrt unter den Teams, die begriffen haben, dass die oberste Nachwuchsserie nicht jedes Jahr einen Lewis Hamilton oder einen Nico Rosberg produzieren kann.