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Surer: "Medaillen sind nicht realistisch"

Formel-1-Experte Marc Surer erteilt den Plänen von Bernie Ecclestone eine Absage: "Aber der Pilot mit den meisten Siegen sollte Champion sein"

(Motorsport-Total.com) - "Nach rund 60 Jahren Formel-1-Weltmeisterschaft wird man doch nicht plötzlich olympisch", stellte 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer seine Sicht der Dinge eindeutig klar. Die Idee von Bernie Ecclestone, die drei Erstplatzierten im Grand Prix mit Medaillen zu belohnen und die Meisterschaft anhand eines Medaillenspiegels zu entscheiden, kommt auch beim schweizerischen Ex-Formel-1-Piloten gar nicht gut an.

Surer

Mark Surer möchte die Sieger in der Formel 1 besser belohnt sehen

"Es ist nicht realistisch. Die Formel 1 hat Pokale, hat Champagner - all dies gibt es bei Olympia nicht", so Surer weiter. Nach Ansicht des Experten liegt in der gesamten Entstehung der Idee und der anschließenden Diskussion eine Krux: "Genau dieser Bernie war es ja, der dafür gesorgt hat, dass wir die Punktverteilung haben, die wir jetzt haben: nur noch zwei Punkte mehr für den Sieger. Vorher war das Verhältnis zehn zu sechs. Damals ging es ja darum, den Michael Schumacher etwas einzubremsen, damit er nicht wieder Mitte des Jahres Weltmeister ist."#w1#

Kein Gold, Silber, Bronze denkbar

"Man sollte dem Ersten ein paar Punkte mehr geben." Marc Surer

Ecclestone sei dieser Gedanke nur gekommen, weil es in den vergangenen beiden Saisons jeweils nur ein einziger Punkt war, der die Entscheidung um den Titel brachte. "Das ist das Ergebnis dieser Punktewertung, die ich auch nie mochte", sagte Surer. Und weiter: "Für mich ist ganz klar: Wer am meisten Rennen gewinnt, muss auch Weltmeister werden. In diesem Jahr hätte es dann ja keinen richtigen Weltmeister gegeben, denn der Hamilton hätte ja mehr Siege gehabt, wenn ihm die FIA sie nicht weggenommen hätte."

Nach Ansicht des Schweizers übertreibe Ecclestone mit seiner geplanten Bewertungs-Korrektur. Das Pendel schlage zu weit in die gegenteilige Richtung, der Formel-1-Boss habe sich in seiner Betrachtung um 180 Grad gedreht: "Ich finde, man sollte es in einer Form korrigieren, sodass der Sieger wieder mehr Punkte bekommt und fertig. Man braucht ohnehin ein Punktesystem. Auch wenn man die Ränge zählt, ist das im Grunde auch ein Punktesystem. Es geht gar nicht ohne Punkte."

Eine Rückkehr zum ehemaligen Formel-1-Punktesystem (10-6-4-3-2-1) sei keine gute Lösung, sagte der 'Motorsport-Total.com'-Experte weiter. Dies habe unter anderem auch persönlich-emotionale Gründe: "Wie oft bin ich Siebter geworden und habe keine Punkte bekommen. Das war schon traurig. Heute bekommt der Achte schon einen Punkt. Ich finde das nicht schlecht. Dass die ersten acht Piloten Punkte bekommen, finde ich fein. Aber man sollte dem Ersten ein paar Punkte mehr geben."

Bonuspunkt für Pole-Position nicht beliebt

"Eigentlich wollen wir doch alle wieder den Schnellsten auf der Pole-Position sehen." Marc Surer

Die jüngst diskutierte Reform des Qualifyings mag Surer ebenfalls nicht besonders. Auch die Belohnung der Spitzenposition im Zeittraining sollte genauestens überdacht werden: "So wie es jetzt ist, könnte man sich den Punkt für die Pole-Position erkaufen. Das würde man dann mit Benzinmenge fürs Rennen bezahlen. Ob das Sinn macht, weiß ich nicht. Eigentlich wollen wir doch alle wieder den Schnellsten auf der Pole-Position sehen. Der spannendste Teil ist im Moment ja immer der mittlere Qualifikations-Abschnitt, wo alle zeigen, was sie können."

"Man muss vielleicht das ganze System mal überdenken", sagte Surer angesichts der Aussichten, dass der schnellste Pilot des Quailifyings im Rennen vorneweg fahren könnte und somit langweiligere Rennszenarien drohen. "Aber ich finde es falsch, wenn derjenige mit einem Punkt belohnt wird, der mit wenig Benzin auf die Pole-Position spekuliert."