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  • 05.07.2002 · 09:37

  • von Fabian Hust

Brawn: "Müssen die Qualifyingleistung verbessern"

Ferraris Technischer Direktor über Schwächen des F2002, die Ferrari-Arbeitsweise und warum das Auto so zuverlässig ist

(Motorsport-Total.com) - Das Ferrari-Team führt beide WM-Wertungen im Moment überlegen an, besonders auf den Fahrertitel hat die Konkurrenz keine realistische Chance mehr. Aber dennoch ist auch der F2002 als Paket derzeit nicht perfekt, zum Beispiel, wenn es um das Qualifying geht. Auf dem Nürburgring gelang zwar ein Doppelsieg, eine Pole Position jedoch nicht: "Wir waren im Qualifying nicht in guter Form da Michael das T-Car nehmen musste und es eine Weile brauchte bis die Balance passte", so Technikdirektor Ross Brawn.

Ross Brawn

Ferraris Technischer Direktor hat immer noch viel Spaß an seiner Arbeit

"Müssen die Qualifyingleistung verbessern"

Auch bei Rubens Barrichello, der zuletzt einige Male schneller war als der Weltmeister, passte es nicht zusammen: "Wir trafen spät am Morgen die Entscheidung, ihn auf die harten Reifen umsteigen zu lassen, da wir Probleme mit den weichen Reifen hatten während Michael mit den harten gut unterwegs war. Zum Glück waren wir schnell genug, um Williams überholen zu können. Es wird jedoch Strecken geben, wo das nicht der Fall sein wird, aus diesem Grund müssen wir an unserer Qualifyingleistung arbeiten."

Tatsächlich durften beide Fahrer im Rennen angreifen und Ross Brawn erklärt dies nicht nur mit der Tatsache, dass man aus den Vorkommnissen von Österreich gelernt hat: "Ein Rennauto sollte eine volle Renndistanz im Renntempo durchhalten", so der Brite. Nach dem zweiten Boxenstopp jedoch war die Chance sehr gering, dass sich an den Position etwas ändert und dann bat man die Fahrer doch noch um einen "Nichtangriffspakt": "Wir hätten dumm aus der Wäsche geschaut, wenn beide Autos im Kiesbett gesteckt hätten."

"Einige haben harte Zeiten durchgemacht"

Doch auch wenn sich an der Rennstrecke alles auf die Fahrer und die wichtigen Leute des Teams konzentriert, so darf man nie jene Leute vergessen, die hinter den Kulissen am Erfolg arbeiten: "Das ist in allen Formel-1-Teams gleich, es gibt hunderte von Leuten die im Verborgenen arbeiten", so Brawn. "Bei Ferrari sagen wir immer, wie wichtig sie sind und dass sie ein wesentlicher und entscheidender Teil des Teams sind. Einige sind seit 20 oder 25 Jahren bei Ferrari und sie haben harte Zeiten durchgemacht. Das ist nun ihre Entlohnung."

Als Technischer Direktor hat Ross Brawn eine Arbeit, die man auf den ersten Blick gar nicht überschauen kann, denn die Fans sehen den Briten nur am Rennwochenende auf dem Kommandostand: "Die meiste meiner Arbeit findet in der Fabrik statt. Ich habe eine Aufgabe auf der Rennstrecke, aber 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich in der Fabrik bei Design-Meetings, bei der Produktion von Teilen und der Arbeit an Problemen." Auch Michael Schumacher weiß um die Wichtigkeit der Jungs in der Fabrik, wie er sie gerne nennt: "Nachdem er den Titel gewonnen hat, verbrachte Michael viel Zeit in der Fabrik und hat persönlich jedem Mitarbeiter gedankt."

Notprogramm für den Fall der Fälle"

Die große Stärke des F2002 ist auch in diesem Jahr wieder seine Zuverlässigkeit, was mit der Qualitätskontrolle der Italiener begründet ist: "Das System war schon gut, als ich ins Team kam und wir haben es verbessert und verstärkt. Es ist eine Frage der Kultur und Philosophie. Wir gehen jedes Problem mit 200-prozentiger Anstrengung an." Doch der Brite gibt zu, dass man in diesem Jahr schon Rennen beendet hat, obwohl das Auto Probleme bereitet hat: "Wir haben nicht immer die Rennen mit einem 100-prozentig arbeitenden Auto beendet. Aber wir haben Notprogramme, die wir von der Boxengasse aus bedienen können, um sicher zu stellen, dass das Auto ins Ziel kommt."

Dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer wieder zu Problemen kommt, ist mit der Tatsache zu begründen, dass die Autos absolut am Limit gebaut sind und eine Renndistanz von 350 Kilometer beinahe das Limit bedeuten: "Unsere Autos sind für 400 Kilometer gebaut", so Brawn. "Während einige Teile wie die Aufhängung das ganze Wochenende über im Auto bleiben, werden andere Teile wie die Bremsen, die Kupplung, der Auspuff öfters ausgetauscht. Wir haben in diesem Jahr zum Beispiel ein neues Getriebe, das näher am Limit ist und aus diesem Grund wird am Renntag in jedes Auto ein neues Getriebe eingebaut."

"Michael wird viele Jahre weiterfahren"

Der F2002 ist in diesem Jahr so stark, dass das Team die Weiterentwicklung eingestellt hat. Seit Ende Juni wird bereits am F2003 gearbeitet, dennoch wird der F2002 neue Teile erhalten, quasi als Renntest der neuen Komponenten für das kommende Jahr. Natürlich muss sich Ross Brawn zu den immer wieder auftauchenden Rücktrittsgerüchten und Michael Schumacher äußern. Natürlich kann Brawn nur von sich sprechen: "Warum sollte ich gehen? Der Rücktritt hat etwas damit zu tun, ob einem die Arbeit Spaß macht. Was Michael angeht, so habe ich gesehen, dass diese Gerüchte Ende des Jahres nicht mehr aufgetaucht sind. Michael bekommt jetzt die Investitionen der letzten Jahre ausgezahlt. Ich kann in Michael großen Enthusiasmus erkennen und erwarte, dass er viele Jahre weitermachen wird."

In Silverstone wird das Ferrari-Team trotz des bekannt gegebenen Entwicklungsstopps des F2002 einen verbesserten Motor einsetzen, der mit ein paar neuen Teilen ausgestattet ist ? natürlich mit den üblichen Hauptzielen, mehr Leistung zu erzielen und den Verbrauch zu senken. "Aber es ist kein neuer Schritt oder ein neuer Motor, einfach nur eine Weiterentwicklung", so Brawn.

Montoya hätte die WM anführen können

Und natürlich sprach Ross Brawn auf der Pressekonferenz im Ferrari-Motorhome auch noch einmal über die Stallorder von Österreich: "Wir waren von der Reaktion der Leute überrascht. Wenn wir das so erwartet hätten, dann hätten wir es vielleicht ein bisschen anders gemacht. Wir müssen unsere Fans bedenken, denn wir sind stark von ihnen abhängig. Wir sind alles nur Menschen und wir haben aus dieser Erfahrung heraus gelernt. Nun hat sich die WM in Sachen Punkten verändert. Aber ich habe es ja schon einmal gesagt, dass wenn Michael die gleiche Zielankunftsrate gehabt hätte wie Montoya seit Österreich, dann würde Juan-Pablo die Meisterschaft anführen."

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