• 18.07.2001 15:38

  • von Fabian Hust

Brawn: "Es hätte kein besseres Ergebnis geben können"

Im ausführlichen Interview spricht Ross Brawn, der Technische Direktor von Ferrari über das Rennen in Silverstone

(Motorsport-Total.com/Haymarket) - Noch nicht vor allzu langer Zeit wären mehr als 30 Sekunden Rückstand nach einem Rennen auf Mika Häkkinen ein Abltraum gewesen. In Silverstone war man aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden, das genau analysiert eigentlich nicht zufrieden stellen kann. Aber jetzt wird an den WM-Titel gedacht und nicht mehr an einzelne Rennen und schlussendlich hatte Michael Schumacher ja weitere sechs Zähler auf David Coulthard gut machen können - und nur das zählt ja im Moment.

Titel-Bild zur News: Michael Schumacher und Ross Brawn

Michael Schumacher und Ross Brawn mussten sich in Silverstone geschlagen geben

Frage: "Sie waren am Samstag mit ihrem Set Up nicht zufrieden. Hat sich das im Rennen noch deutlicher gezeigt?"
Brawn: "Ja. Es klingt ein wenig nach einer Entschuldigung, aber wir haben hier nicht sehr oft getestet und wir waren mit dem Setup des Autos für das Rennen nicht gerade zuversichtlich. Es war schnell auf eine Runde, aber mit viel Benzin an Bord zu fahren und so weiter, bedarf eines korrekten Renn-Setups. Und wegen dem Wetter und ein oder zwei anderen Dingen bekamen wir das nicht auf die Reihe. Es lief im Rennen nicht so gut, wie wir das gehofft hatten, aber wenn wir einen schlechten Tag hatten und sechs, beziehungsweise viel mehr zehn Punkten geholt haben, dann ist das nicht zu schlecht."

Frage: "Aber sind sie kein Perfektionist?"
Brawn: "Wir versuchen, unser Bestes zu geben! Wir hatten eine etwas konservative Strategie, hinter die man meiner Meinung nach ein Fragezeichen setzen muss. Ich denke, dass die Strategie aufgegangen wäre, wenn Michael zu Beginn des Rennens Mika hätte hinter sich halten können und das war zu riskant. Mika war sehr schnell und es gab keinen Grund, zu diesem Zeitpunkt ein Risiko einzugehen, schließlich war David ja aus dem Rennen. Aus diesem Grund ließ Michael Mika auch vernünftiger Weise durch und dann konzentrierten wir uns darauf, das Rennen als Zweiter nach Hause zu fahren."

Frage: "Ist die Antwort auf eure Probleme vielleicht, hier mehr zu testen?"
Brawn: "Ja. Eines der Probleme in Silverstone ist es, dass hier die Testtage sehr kurz sind. Man kann nur von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr fahren, also nur sechs Stunden am Tag. Und es gibt hier nicht viele Testfahrten. Für uns gilt es, die Fahrt nach England in Verbindung mit den kurzen Tagen gegenüber den anderen Teststrecken, auf denen wir fahren, abzuwägen. Wir werden hier nie soviel testen wie die britischen Teams. Und man muss hier bei den richtigen Wetterbedingungen testen und so weiter. Wie ich bereits gesagt habe, ist es ein wenig eine Entschuldigung, ich denke also nicht, dass es der wahre Grund für unsere Probleme war."

Frage: "In der Weltmeisterschaft sieht es sehr gut aus. Wann nehmen sie an, dass der Titel unter Dach und Fach ist?"
Brawn: "Nun, jeder sagt, wenn er mathemtisch geholt ist. David hat keine Punkte geholt und Michael sechs, also ist es ein großartiger Schritt nach vorne und ein Rennen weniger. Es sind jetzt noch sechs Rennen und 60 Punkte zu vergeben, alles in allem war es also ein gutes Ergebnis mit Mika als Sieger. Wir werden es aber nie locker sehen, so lange es noch nicht vollbracht ist."

Frage: "Was war der Gedanke hinter der Ein-Stopp-Strategie?"
Brawn: "Da Michael auf Pole war, wussten wir, dass er einen anständigen Start haben würde, aber damit sie aufgeht, mussten wir unsere Position halten. Leider funktionierte das nicht, da Mika ihn überholen konnte. Aber ich denke, es wäre ein offenes Rennen geworden, wenn es geklappt hätte. Es wäre interessant geworden."

Frage: "Er schien in der 'Copse' zu weit rausgekommen zu sein, als ihn Mika überholte. Passierte das, weil er zu diesem Zeitpunkt ein wenig zu viel Druck machte?"
Brawn: "Er war mit dem Auto alles andere als zufrieden. Wir haben es nicht richtig hinbekommen. Es war ganz offensichtlich gut genug, um Zweiter zu werden, aber es war besser, als wenig Sprit an Bord war. Mit viel Sprit an Bord war es etwas verzwickt zu fahren."

Frage: "Als Mika erst einmal vorbei war, mussten sie gedacht haben, dass sie jetzt noch 30 Runden fahren müssen und damit ein Problem haben..."
Brawn: "Nein, das Auto war uns nicht gefährlich. Wir schauten nach hinten auf die Leute, die uns näher kamen und wir waren ziemlich zuversichtlich, dass wir sie würden hinter uns halten können. Montoya war deutlich schneller als Ralf und wir mussten annehmen, dass er auf zwei und Ralf auf einem Stopp unterwegs war, wie es dann auch der Fall war. Aus diesem Grund stellten wir sicher, dass wir unseren zweiten Platz halten konnten. Das funktionierte und Rubens erledigte einen tollen Job, in dem er Dritter wurde."

Frage: "Und er hatte am Start sehr viel Sprit an Bord..."
Brawn: "Das war bei beiden der Fall. Es war ganz klar nicht der Fehler von Rubens, dass er einen so schlechten Start hatte, aus diesem Grund müssen wir uns das anschauen, denn sein Start war nicht akzeptabel. Das müssen wir unbedingt aus der Welt schaffen."

Frage: "Glauben sie, dass die neusten Bridgdestone-Reifen McLaren bevorzugt haben?"
Brawn: "Nein, das glaube ich nicht. Niemand verfügte mit diesen Reifen über viel Erfahrung, aber sie schienen sehr gut zu sein. Zum Schluss der Rennabschnitte konnten die Piloten immer noch Druck machen und gute Zeiten fahren, ich denke also nicht, dass dies der Fall war. Wir haben nur alles nicht richtig auf die Reihe bekommen, aber dennoch haben wir zehn Punkte geholt."

Frage: "Als Montoya ihn überholte schien Michael erneut Platz gemacht zu haben..."
Brawn: "Es gab keinen Grund, den Jungs das Leben schwer zu machen. Ich habe mit Michael geredet und ihm gesagt, dass ich mir sicher bin, dass er auf zwei Stopps ist und es keinen Grund gibt, etwas zu riskieren. Wir sind in dieser Beziehung momentan in einer anderen Situation. Wir müssen vorsichtig sein, nicht zu konservativ zu sein, aber es ist besser, sechs Punkte zu holen als im Kiesbett zu landen."

Frage: "Wenn man aber der WM so nahe ist, kann man dann nicht mehr Risiken eingehen?"
Brawn: "Ich weiß nicht. Ich sehe das nicht so..."

Frage: "Habt ihr nicht das Gefühl, dass ihr euch zu sehr auf den Lorbeeren ausruht?"
Brawn: "Ich würde das nicht als Ausruhen bezeichnen!"

Frage: "Vielleicht geht ihr in Sachen Entwicklung nicht mehr voll ans Limit, wie ihr das in den letzten drei oder vier Jahren getan habt..."
Brawn: "Es kommt darauf an. In einigen Belangen sind wir am Limit. Was die Aerodynamik angeht, so wird hier immer noch sehr viel gearbeitet, denn sie hat keinen Einfluss auf die Zuverlässigkeit. Was den Motor angeht, so testen wir momentan vielleicht ein wenig mehr, bevor wir Neues einsetzen, weil es keinen Grund gibt, ein Risiko einzugehen. Und die Zuverlässigkeit des Motors war bisher fantastisch. Es gibt Entscheidungen, die trifft man bei verschiedenen Situationen unterschiedlich. Wir wollen aber immer noch Rennen gewinnen."

Frage: "Glauben sie, dass jetzt McLaren aus dem Tief ist?"
Brawn: "Sie waren bei einigen Rennen gut, sie haben nur nicht immer das Puzzle zusammensetzen können. Sie hatten kleinere Probleme, auf der Startaufstellung oder Davids Geschwindigkeit in der Boxengasse im letzten Rennen. Man braucht nur ein kleines Ärgernis und schon ist dein Rennen gelaufen."

Frage: "Da jetzt Mika wieder bei der Musik ist, könnte es ein wenig interessanter werden..."
Brawn: "Es hätte für uns kein besseres Ergebnis geben können. Der arme Kerl hatte ein solch schreckliches Jahr. Ich bin mir sicher, dass sie sich mit ihm in Diskussionen über die Zukunft befinden und das wird ihm eine große Motiviation sein, weiter zu machen."

Frage: "Was ist mit Hockenheim? Michael scheint dort immer Pech gehabt zu haben..."
Brawn: "Das werden wir in diesem Jahr ändern!"

Frage: "Wird das Auto gut sein? Williams hat in Imola und Montreal gewonnen, was ähnliche Strecken sind..."
Brawn: "Wenn Williams erneut stark sein sollte, wäre das im Hinblick auf die WM kein großes Problem. Wir haben dort ein neues Aerodynamik-Paket und ich denke, dass wir dort konkurrenzfähig sein werden. Ich freue mich schon."

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