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  • 14.11.2011 · 18:41

  • von Markus Lüttgens & Dieter Rencken

Barrichello: "Habe gezeigt, dass ich es noch kann"

Nach einer katastrophalen Qualifikation fuhr Rubens Barrichello ein starkes Rennen - Der Routinier kämpft um seinen Verbleib in der Formel 1

(Motorsport-Total.com) - Rubens Barrichello hat schon bessere Zeiten in der Formel 1 erlebt. Sein Williams ist in dieser Saison kaum konkurrenzfähig, ganze vier WM-Punkte konnte der Routinier in 18 Saisonrennen sammeln. Darüber hinaus droht der Brasilianer seinen Platz in der Königsklasse zu verlieren. Für den zweiten Sitz bei Williams neben Pastor Maldonado stehen die Bewerber Schlange - allen voran Kimi Räikkönen.

Rubens Barrichello

Mit einem starken Rennen lieferte Rubens Barrichello eine eindrucksvolle Bewerbung für 2012 ab

Und getreu dem Motto "Erst fehlte Glück, dann kam auch noch Pech hinzu" ging in Abu Dhabi für den 39-Jährigen zunächst so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Schon im ersten Freien Training verrauchte der Cosworth-Motor seines Autos und zwang Barrichello zum Zuschauen. Am Samstag gingen die Schwierigkeiten weiter. Auch das Ersatzaggregat machte Probleme, sodass der Brasilianer nicht an der Qualifikation teilnehmen konnte.

Trotz Trainingsrückstand starkes Rennen

"Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das schon einmal passiert ist." Rubens Barrichello

Nur wegen einer Strafversetzung von Teamkollege Maldonado musste Barrichello nicht vom Startplatz 24 ins Rennen gehen. Dennoch blieb es bei der letzten Startreihe. "Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das schon einmal passiert ist", sagt der Brasilianer. "In 19 Jahren war es das erste und hoffentlich auch das letzte Mal!"

Im Rennen zeigte Barrichello dann jedoch eine großartige Aufholjagd und fuhr von Platz 23 auf Rang zwölf nach vorne. "Das Rennen war auf seine Weise fantastisch. Ich habe die ganze Zeit gekämpft und hatte ein paar schöne Überholmanöver. Ich war bis zur letzten Runde an Platz elf dran. Mit unserem Auto ist das das Beste, was wir erreichen können." Barrichellos Leistung ist umso höher einzustufen, da er im Training kaum zum Fahren gekommen war. "Man muss bedenken, dass ich vor dem Rennen am ganzen Wochenende nur 30 Runden gefahren bin. Das Setup war nicht perfekt, aber dennoch hatte ich im Rennen ein ordentliches Auto."


Fotos: Williams, Großer Preis von Abu Dhabi


Über die Erfahrung, beim Start das komplette Feld vor sich zu haben, sagt der Brasilianer: "Um ehrlich zu sein, ist es schwieriger als Letzter denn als Erster zu starten. Man weiß nicht, was vor einem passiert, ob die Autos langsamer werden oder was auch immer. Aber ich bin ganz gut durchgekommen und war nach der ersten Runde schon 18. Ich habe das Beste auch meiner Lage gemacht und bin ganz zufrieden."

Probleme bei Williams hausgemacht

Die starke Leistung im Rennen hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können, beweist sie doch in den Augen von Barrichello, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört: "Ich habe ihnen gezeigt, dass ich es noch kann. Hoffentlich ist das auch bei ihnen angekommen." Der Brasilianer hofft, mit dieser Leistung seine Chefs bei Williams davon überzeugt zu haben, dass er und nicht Räikkönen, Adrian Sutil oder Valtteri Bottas das Cockpit für die kommende Saison bekommen sollte.

"Hoffentlich ist das auch bei ihnen angekommen." Rubens Barrichello

Auch Abseits der Rennstrecke kämpft der Routinier mit allen Mitteln um seinen Arbeitsplatz. "Ich tue alles, was ich kann", sagt er der 'BBC'. "Wenn es nötig ist, suche ich auch Sponsoren. Ich will mit allen Mitteln zeigen, dass ich noch mit Leidenschaft hinter dem Lenkrad sitze und dass ich es verdiene, auch im nächsten Jahr noch hier zu sein. Ich werde in nächster Zeit auch so oft wie möglich bei den Verantwortlichen in England sein, um meinen Job zu bekommen."

Den Grund für den Abwärtstrend des britischen Traditionsrennstalls sieht Barrichello unter anderem im Personalmanagement des Team: "Es gab in diesem Jahr viele Veränderungen, die Leute kommen und gehen. Sie hatten Probleme, die Organisation des Team aufrecht zu erhalten." Trotz seines "schwierigsten Jahrs im Sport" lässt der Brasilianer den Kopf nicht hängen: "Wäre das mein erstens oder zweites Jahr, dann wäre es sicherlich hart. Aber nach 19 Saisons muss man das Leben einfach so gut wie man kann genießen."