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Audi & Aston Martin? VW-Konzern stimmt Formel-1-Einstieg zu!

Während der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns den Formel-1-Einstieg bewilligt hat, tauchen Gerüchte über einen Audi-Einstieg bei Aston Martin auf

(Motorsport-Total.com) - Der 7. April ist ein wichtiger Tag auf dem Zeitstrahl, der den Volkswagen-Konzern womöglich in die Formel 1 bringt. Denn heute hat in Wolfsburg der Aufsichtsrat getagt, um sich mit den Plänen der beiden Konzernmarken Porsche und Audi auseinanderzusetzen, die ab 2026 Grand-Prix-Sport betreiben wollen.

Lance Stroll, Martin Whitmarsh, Lawrence Stroll

Lawrence Stroll (rechts) mit Sohn Lance und seinem Group-CEO Martin Whitmarsh Zoom

Dass Porsche mit Red Bull verhandelt hat, ist in der Branche längst kein Geheimnis mehr. Und bei Porsche hat man gute Vorarbeit geleistet. Porsche-Vorstand und -Aufsichtsrat haben bereits zugestimmt, und der Deal mit Red Bull ist so gut wie fertig. Was bis heute noch gefehlt hat, war die Zustimmung des Konzernaufsichtsrats in Wolfsburg.

Die liegt jetzt vor. Am Donnerstagabend sickerte aus dem Meeting durch: Der Aufsichtsrat hat Planungen beider Marken für ein Formel-1-Programm bestätigt. Das bedeutet: Beide Marken können die von ihren skizzierten Pläne jetzt in die Tat umsetzen, ohne dass es der Zustimmung eines weiteren Gremiums bedarf.

Jetzt kann's nur noch die FIA versemmeln ...

Ganz offiziell ist der Formel-1-Einstieg von Porsche und Audi trotzdem noch nicht, obwohl bereits alle Gremien zugestimmt haben. Denn was noch fehlt, ist ein finales Motorenreglement seitens der FIA und der Formel 1. Nur wenn hier die Abmachungen Bestand haben, die im Grundsatz bereits 2021 ausverhandelt wurden, werden beide Volkswagen-Konzernmarken 2026 kommen.

Seitens Audi heißt es auf Anfrage: "In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats der Volkswagen AG hat das Gremium des Konzerns die Pläne von Audi für einen Einstieg in die Formel 1 bestätigt. Damit hat das Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit, 2026 in die Königsklasse des Motorsports einzusteigen, um dort 'Vorsprung durch Technik' zu demonstrieren."

Die finale Entscheidung für einen Einstieg sei bei Audi "noch nicht gefallen", man befinde sich aber "in der finalen Phase der Bewertung. Noch liegt das neue Reglement für 2026 und Folgejahre nicht vor. Es sieht weitreichende Änderungen für einen nachhaltigeren Sport vor und ist Voraussetzung für einen möglichen Einstieg von Audi." Diesbezüglich sei man im Austausch mit der FIA.

Audi und McLaren: Eher doch nicht!

Der Aufsichtsrat bekam von der Audi-Seite heute übrigens weniger Handfestes vorgelegt als von Porsche. Schon bisher wurde in verschiedenen Medien berichtet, dass Audi mit McLaren und Williams in Verhandlungen steht. Doch die Gespräche mit McLaren sind aus Audi-Sicht offenbar nicht zufriedenstellend verlaufen. McLaren sei zu teuer und ziere sich, hört man.

Gerhard Berger, als DTM-Chef ein intimer Kenner der Motorsportszene, glaubt, dass McLaren nur eine von "mehreren Möglichkeiten" für Audi ist. Dass sich Audi die McLaren-Gruppe einfach einverleibt, hält er nicht für vorstellbar: "McLaren ist eine sehr starke Marke mit großer Historie im Motorsport. Ich glaube nicht, dass man so ein Asset verschwinden lassen würde."

Berger vermutet: Audi möchte Teamanteile kaufen

Sollte Audi in die Formel 1 einsteigen, vermutet Berger, dann nur mit einer "Partnerschaft auf Augenhöhe" - sprich: nicht als reiner Motorenlieferant, sondern mit einer Beteiligung oder sogar einer Mehrheit an einem Team. Und da scheinen sich aktuell gerade neue Möglichkeiten aufzutun.

Eine Quelle, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von "fortgeschrittenen Gesprächen" zwischen Audi und dem Aston-Martin-Team von Lawrence Stroll. Eine Darstellung, die Aston Martin auf Anfrage nicht explizit dementiert.

Aston-Martin-Statement im Wortlaut

Man sei zwar "zufrieden mit unserem derzeitigen Powerunit-Partner Mercedes-Benz", lässt ein Sprecher des Teams ausrichten, und man habe auch noch "einige Jahre Vertrag" mit dem deutschen Hersteller. "Mercedes-Benz Formel-1-Powerunit ist eine gute", heißt es weiter, und: "Wir haben derzeit keine alternativen Pläne."

Aber: "Man sollte in der Formel 1 niemals nie sagen. Wir erkunden mit unserem neuen strategischen Partner Aramco aktiv Möglichkeiten." Das ist zumindest kein scharfes Dementi der Story, die am Donnerstag bekannt wurde und seither heiß diskutiert wird.

Audi-CEO Markus Duesmann hat, so viel ist bekannt, beim Thema Formel 1 einen starken Zug zum Tor. Williams ist derzeit eines der am wenigsten erfolgreichen Teams in der Königsklasse und damit die wohl auch für den Konzernaufsichtsrat am wenigsten attraktive Variante, um grünes Licht zu geben.

Stroll & Mercedes: Ist das Verhältnis abgekühlt?

Die Gerüchte um Audi und Aston Martin haben jedoch einen Haken. Am gleichnamigen Sportwagenhersteller sind sowohl der Mercedes-Konzern als auch Toto Wolff als Aktionäre beteiligt. Aber: Man hört, dass die Beziehung zwischen Stroll und Wolff schon mal bessere Zeiten erlebt hat, und auch bei Mercedes soll man Aston Martin inzwischen reserviert sehen.

Das ist wenig verwunderlich: Der Aktienkurs von Aston Martin ist von über 2.200 Pence im Juni 2021 auf derzeit unter 900 Pence abgestürzt. Der Hoffnungsträger DBX verkauft sich nicht so gut wie erhofft. Und einige Aktionäre sollen wenig angetan davon sein, dass Stroll das Formel-1-Team so führt, als wäre es sein persönliches Spielzeug.

Ist es im Grunde genommen auch: Aston Martin, der Sportwagenhersteller, ist nicht Anteilseigner von Aston Martin, dem Formel-1-Team. Der gleiche Name wird durch eine Lizenzvereinbarung geregelt. Und Stroll ist mit seinen Geschäftspartnern bei beiden Firmen der wichtigste Eigentümer.

Eigener Motor: Macht's Aston Martin genau wie Red Bull?

Das gibt ihm zumindest rein theoretisch die Möglichkeit, das Formel-1-Team zu verkaufen (zum Beispiel an Audi) und den Sportwagenhersteller trotzdem zu behalten. Dazu passt auch, dass Aston Martin zuletzt davon gesprochen hat, unter Umständen in Zukunft selbst einen Formel-1-Antrieb zu bauen - genau wie Red Bull das mit Red Bull Powertrains skizziert.


Fotostrecke: Spatenstich: So wird die neue F1-Fabrik von Aston Martin

Viele haben zuletzt hinterfragt, wie eine verhältnismäßig kleine Firma wie Aston Martin ein Projekt in der Größenordnung einer Formel-1-Powerunit stemmen soll. Mit einem Shareholder wie Audi, der Know-how im Antriebsbereich mitbringt, wäre das aber kein Problem.

Für Stroll könnte ein solcher Verkauf von Anteilen unter Umständen ein attraktives Exitszenario sein. Für Formel-1-Teams werden gerade Summen bezahlt, die vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar waren. Rennställe wie Ferrari oder Mercedes werden von Insidern mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

Formel-1-Team war immer auch für den eigenen Sohn

Möglicherweise, das munkelt man zumindest hinter vorgehaltener Hand, könnte Stroll die Lust an der Formel 1 vergangen sein. Statt nach vorn ging es für Aston Martin zuletzt rückwärts. Die Baukosten für die brandneue Fabrik dürften angesichts der Inflation explodieren. Und Sohn Lance steht nicht im akuten Verdacht, demnächst Formel-1-Weltmeister zu werden.

Gerhard Berger hat Audi in den vergangenen Jahren als DTM-Chef kennengelernt und ist überzeugt: "Audi hat eine hervorragende Motorenabteilung. Wenn Audi Formel 1 macht, traue ich denen zu, ein gutes Bild abzugeben. Technisch sind die gut. In der DTM sind sie mit ihrem Motor zum Teil Kreise um die anderen gefahren."

Berger: Porsche & Red Bull "eine coole Kombination"

Mit wem sich Audi zusammentun könnte, das weiß Berger aber nicht. Neben Aston Martin könnte offenbar auch Sauber eine Option sein. Finn Rausing hat erst kürzlich ein Angebot von Michael Andretti über 350 Millionen US-Dollar ausgeschlagen. Nicht wegen des Geldes, sondern weil er besorgt war, dass Personal entlassen werden könnte.

Bei Audi hätte Rausing die Sicherheit, dass seine Belegschaft unter neuen Eigentümern in guten Händen wäre. Laut 'auto motor und sport' steht ein Audi-Einstieg bei Sauber sogar "auf Poleposition". Was in erster Linie zeigt: Während Porsche von Anfang an auf die Karte Red Bull gesetzt hat und damit erfolgreich war, gibt es bei Audi noch viele Fragezeichen.

Bei Porsche und Red Bull hat Gerhard Berger das Gefühl, "dass das gut zusammenpassen könnte. Oder zusammenpassieren wird. Denn ich glaube, dass das so passieren wird. Ich finde diese Konstellation super. Schon allein aus Marketingsicht passen Porsche und Red Bull gut zusammen. Das ist irgendwie frisch."

Berger erwartet Partnerschaft "auf Augenhöhe"

Angst, dass Red Bull Porsche im Falle von Erfolglosigkeit als Sündenbock hinstellen könnte, wie das in der Vergangenheit mit Renault manchmal der Fall war, hat Berger nicht: "Ich glaube, das wird eine ganz andere Partnerschaft. Renault war ein Motorenlieferant. Porsche wird ein Partner sein. Meiner Meinung nach auf Augenhöhe."

Fritz Enzinger

Fritz Enzinger hat es wohl geschafft, Volkswagen in die Formel 1 zu bringen Zoom

Ob "auf Augenhöhe" auf einen 50-Prozent-Anteil am Team schließen lässt oder was er konkret damit meint, lässt Berger offen. Aber für ihn ist klar, dass Red Bull und Porsche "marketingmäßig aufeinander abgestimmt vorangehen" würden: "Porsche passt 100.000 Mal besser zu Red Bull als Renault. Porsche und Red Bull könnte eine coole Kombination sein."

Übrigens: Der Einstieg des Volkswagen-Konzerns in die Formel 1, der mit dem heutigen Tag praktisch fix ist, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Österreichers Fritz Enzinger, dem Leiter Konzern-Motorsport in Wolfsburg. Vor ihm sind viele daran gescheitert, Volkswagen in die Königsklasse zu bringen. Jetzt hat es endlich geklappt - und das gleich mit zwei Marken ...

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