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Aserbaidschan: Aktuell noch keine Formel-1-Euphorie in Baku

Obwohl die Formel 1 in einem Jahr erstmals nach Baku kommen soll, interessieren sich die Einwohner aktuell kaum dafür - Kommen 2016 viele Touristen zum Rennen?

(Motorsport-Total.com) - Bereits im Juli 2016, also in rund einem Jahr, möchte Aserbaidschan den Großen Preis von Europa ausrichten. Die Finanzierung des Rennens scheint mehr oder weniger gesichert zu sein, doch eine große Frage bleibt offen: Welche Zuschauer haben überhaupt Interesse an einem Rennen in Baku? Ein Negativbeispiel der vergangenen Jahre ist der Große Preis von Korea. Das Rennen in Yeongam wurde 2010 erstmals ausgetragen und hielt nur vier Jahre durch, obwohl man eigentlich einen Vertrag über sieben Jahre unterzeichnet hatte.

Tilke-Fotomontage: Grand Prix von Europa, Baku, Aserbaidschan © Tilke
Fotomontage: Ungefähr so soll der Stadtkurs in Baku 2016 aussehen

Zwischen 2010 und 2013 verirrten sich so wenig Zuschauer an die Strecke, dass das Rennen regelmäßig Verluste machte. Ein Schicksal, das möglicherweise auch Baku droht? "Ehrlich gesagt bekommt das Rennen zu diesem Zeitpunkt nicht viel Aufmerksamkeit", erklärt Arif Rachimow, Geschäftsführer von Baku Grand Prix Limited und Vorsitzender des künftigen Großen Preises von Europa.

Sorgen bereitet das Rachimow allerdings nicht, denn er betont, dass man die Formel 1 aktuell bewusst kaum bewirbt. Im Fokus stehen stattdessen die Europaspiele, die im Juni 2015 zum ersten Mal in Baku veranstaltet werden. Diesem Event wolle man zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Aufmerksamkeit stehlen. Doch was passiert danach? Soll es ein Grand Prix für die Aserbaidschaner werden oder ein Rennen - wie der Name vermuten lässt - für ganz Europa?

"Wir werden versuchen, es größtenteils für die heimischen Fans in Aserbaidschan zu positionieren", erklärt Rachimow. "Aber weil wir unser Land weltweit bewerben möchten, versuchen wir natürlich auch, so viele Touristen wie möglich durch das Rennen anzuziehen. Wir möchten es für sie interessant machen, damit Leute aus Europa und anderen Teilen der Welt zu unserem Rennen kommen möchten."


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Auf zahlende Zuschauer an der Strecke scheint das Land allerdings sowieso nicht angewiesen zu sein. Rachimow stellt klar, dass auch der niedrige Ölpreis nichts an der Finanzierung des Rennens ändern wird. "Wir werden zum Teil privat finanziert. Ein Teil kommt von der Regierung, ein Teil aus dem privaten Bereich", erklärt er und nennt unter anderem Tourismusorganisationen und Banken als Geldgeber.

An der Strecke selbst sind aktuell übrigens sowieso nicht einmal 20.000 Tribünenplätze geplant. Zwar wolle man auf der langen Hafenpromenade weitere Zuschauer unterbringen, doch es bleibt abzuwarten, wie viele Formel-1-Fans 2016 tatsächlich den Weg nach Baku finden werden. Aserbaidschan hat momentan knapp 9,5 Millionen Einwohner.