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Alain Prost: "Die Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen"

Rundumschlag des viermaligen Weltmeister: Alain Prost attestiert der Formel 1 ein gewaltiges Imageproblem - Von den Vorschlägen der Strategiegruppe hält er wenig

(Motorsport-Total.com) - Wenn selbst ein viermaliger Weltmeister von der Formel 1 gelangweilt ist, sollten bei den Verantwortlichen die Alarmglocken klingeln. Alain Prost stellt der Serie, in der er vier Mal den Titel gewonnen hat, aktuell ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. "Manchmal schaue ich mir die Rennen wie ein normaler Fan im TV an und bin gelangweilt", erklärt der Franzose im Interview mit 'F1i.com'.

Alain Prost

In der Formel 1 müsse sich allerhand ändern, meint Alain Prost Zoom

Die Formel 1 stecke in einer Imagekrise, so der Befund des viermaligen Weltmeisters. Das wurde Prost beim Auftakt der Saison bewusst, den er aus der Distanz verfolgte. "Während des Australien-Grand-Prix waren wir mit der Formel E in Miami und haben das Geschehen nur über das Internet und die sozialen Medien verfolgt. Das war verrückt, alle Reaktionen waren negativ!", berichtet Prost. "Nur 15 Autos in der Startaufstellung, Manor fuhr nicht, Sauber stand vor Gericht und Honda hatte riesige Probleme. Die Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen."

Dass sich in der Serie etwas ändern muss, haben die Verantwortlichen mittlerweile erkannt. Bei einem Treffen der Strategiegruppe wurden in der vergangenen Woche einige Vorschläge diskutiert. Tenor: Die Autos müssen schneller und schwieriger beherrschbar werden. Doch die bisher diskutierten Maßnahmen können Prost nicht überzeugen.

Reifen als Schlüssel zu schnelleren Zeiten

"Ein Reifenkrieg würde das Leistungsniveau anheben, aber zu welchem Preis? Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist", lehnt der Franzose den Einstieg eines zweiten Herstellers ab - was allerdings mit der aktuellen Reifenausschreibung der FIA ohnehin vom Tisch ist. Dennoch seien die Reifen ein Schlüssel zu schnelleren Zeiten.


Fotos: Großer Preis von Monaco, Samstag


"80 Prozent der Performance hängen von den Reifen ab. Macht also größere Reifen, die effizienter sind und aggressiver aussehen, aber nicht so anspruchsvoll sind", schlägt Prost vor. Beschneiden sollte man seiner Ansicht nach die Aerodynamik, deren Entwicklung Unmengen Geld koste und welche die Kluft zwischen den großen und kleinen Teams nur vergrößere.

"Ein flacher Unterboden ohne Diffusor, der für alle Autos vorgeschrieben ist, würde das Feld angleichen", meint Prost. "Für die kleinen Teams wären weniger komplexe Auto, die mehr mechanischen anstatt des vom Abtrieb erzeugten künstlichen Grip haben, besser."

Prost: Diktatur besser für die Formel 1

Auch vom Vorschlag, das Nachtanken während des Rennens wieder zu erlauben, hält Prost "ehrlich gesagt nicht viel. Ich frage mich, was das bringen soll?", so der Franzose. "Ich glaube, es gibt wichtigeres, wie ein Verbot der Funksprüche, durch die die Fahrer wie Marionetten aussehen, die von den Ingenieuren kontrolliert werden."

Insgesamt sei die Serie zu sehr von der Technik dominiert, und bei der Ausarbeitung der Regeln würden zu viele Leute mitreden. "Die besten Entscheidungen wurden getroffen, als die Formel 1 wie eine Diktatur war. Balestre und dann Mosley (ehemalige FIA-Präsidenten; Anm. d. Red.) haben sich um die Sicherheit gekümmert und Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.) ums Geschäft."

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