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Rüffel für die Rüssel: Tankstopp-Idee erntet viel Kritik

Viele Gegner, nur ein Befürworter: Das Comeback des Nachtankens steht wegen hoher Kosten und fragwürdigem Spannungsfaktor unter keinem guten Stern

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 diskutiert am Rande des Monaco-Grand-Prix über ein angedachtes Comeback des Nachtankens während der Rennen - dabei könnte sich der Vorschlag der Strategiegruppe in Luft auflösen, ehe überhaupt Details zur Umsetzung erarbeitet wurden. "Alle Teamchefs, die bei der jüngsten Sitzung dabei waren, haben sich klar dagegen ausgesprochen", erteilt Christian Horner eine Abfuhr. Die Ablehnung der Idee hat zwei wesentliche Gründe: Keine zusätzliche Spannung und die Kosten.

Tankventil am Renault

Bleiben die Tankstutzen während der Rennen weiter versiegelt?

TV-Experte und GPDA-Boss Alexander Wurz zeigt sich im 'ORF' gesprächsbereit: "Man kann es diskutieren", findet der Österreicher, zieht jedoch auch einen wenig durchdachten Schnellschuss in Betracht, der darauf fußt, dass die TV-Einschaltquoten und die Besucherzahlen an einigen Strecken vor einigen Jahren höher lagen - als es noch Tankstopps gab. Doch steht beides wirklich in einem Kausalzusammenhang? "Dann muss man sagen: 'Die Zeiten haben sich vielleicht geändert'", gibt Wurz zu bedenken.

Horner kann sich nicht vorstellen, dass die Tankrüssel vom Spannungskiller zum Garanten für Gänsehaut mutiert sind. "Wir haben das Nachtanken aus gutem Grund verboten", argumentiert der Brite. "Es hat die Rennen nicht interessanter gemacht. Und wenn man an die Zeit zurückdenkt, erinnert man sich an Grands Prix, die nicht spannend waren." Es waren die Saisons von 1994 bis 2009, in der die Formel 1 für vorhersehbares Geschehen häufig kritisiert wurde. Stichwort: Ära Michael Schumacher und Ferrari.

Schneller ja, spannender nicht unbedingt

Kein Wunder: Häufig war es die Strategie der Piloten mit mehr Sprit, hinter einem Konkurrenten abzuwarten, bis dieser (meist ohnehin schnellere) Fahrer die Box ansteuerte. War das eigene Auto mit weniger Benzin befüllt, gab es häufig trotzdem keinen Weg vorbei, schließlich benötigt es in den noch immer währenden Zeiten der Aerodynamik und der Luftverwirbelungen beträchtliche Tempounterschiede, um einen Weg vorbei zu finden. Auch mit dem inzwischen eingeführten DRS. Kreative Strategien halfen häufig nicht aus der Patsche.


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Horner meint: "Du hast entweder einen kurzen oder einen langen Stint gemacht. Das hat deine Taktik vorgegeben." Immerhin war es jedoch möglich, die Rennen mit wenig Sprit an Bord zu beginnen, ein Strohfeuer abzubrennen und sich auf sein Glück, etwa in Form eines Safety-Car-Einsatzes, zu hoffen. Aufgrund der Überholproblematik war das aber nur selten von Erfolg gekrönt, wenn der betreffende Pilot nicht über ein Auto verfügte, das einer Wunderwaffe im Qualifying gleichkam und eine Pole-Position erlaubte.

Surer spendet höhnischen Beifall

Unbestritten ist: Tankstopps würden die Formel 1 gemessen an den Rundenzeiten wieder schneller machen, weil das Sparen von Sprit entfällt. Ob das jedoch der Wunsch der Fans ist, wenn es im Umkehrschluss bedeutet, dass die Rennen zur Prozession verkommen, darf bezweifelt werden. Hinzu kommt, dass es weiter Situationen geben wird, in denen es ökonomischer ist, das Tempo zu drosseln und sich einen Halt bei der Crew, der zusätzlich Zeit für die Fahrt durch die Boxengasse verschlingt, zu sparen.


Fotos: Großer Preis von Monaco


Ein klares Bekenntnis zu dem Wunsch, Tankstopps wieder zum Leben zu erwecken, gibt es bisher nur aus dem McLaren-Lager. Jonathan Neale sagt 'Sky Sports F1': "Meiner Meinung nach sollte in der Formel 1 vom Start bis ins Ziel Vollgas gegeben werden." Das ist unmöglich, solange eine Tankfüllung von Start bis Ziel reichen muss - kurioserweise obwohl viele Piloten mit weniger Treibstoff als das 100-Kilogramm-Limit erlaubt, an die Ampel rollen.

"Das hat man abgeschafft, weil es Geld kostet. Ja, bravo!" Marc Surer

Auch Marc Surer schmeckt die Idee überhaupt nicht. Der 'Sky'-Experte hält sie in Anbetracht der aktuellen Finanzkrise in der Formel 1 sogar für kontraproduktiv und erinnert sich daran, dass die Kosten ein wichtiger Grund waren, die Tankstopps loszuwerden. "Weil die Tankanlagen und der Transport viel zu teuer sind", unterstreicht der Schweizer und erwähnt, dass zur Überprüfung der Geräte früher eigens ein externes Unternehmen beauftragt war, um Manipulation seitens der Teams auszuschließen.

Surer sieht diese Kosten erneut auf die Mannschaften zukommen, man munkelt von 1,5 Millionen Euro pro Saison: "Es bräuchte wieder mehr Leute und die Tankanlagen müssen rund um die Welt transportiert werden. Das hat man abgeschafft, weil es Geld kostet. Ja, bravo!", spendet Surer höhnischen Beifall und erkennt, dass die Strategiegruppe ihre eigenen Ziele torpediert. "Man führt es ein, nachdem es bei der Sitzung eigentlich hätte darum gehen sollen, wie man Geld sparen kann", er wundert sich.

Wurz findet, dass dem Vorschlag zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird: "Man kann es gut oder schlecht reden, aber ich glaube nicht, dass hier die Antwort liegt, um Millionen von Zuschauern zu gewinnen", relativiert er.

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