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30 Millionen: Portimao-Gipfel beschließt Obergrenze für Fahrergehälter

Steht Lewis Hamilton jetzt unter Zugzwang, wenn er auch 2023 noch so gut verdienen möchte? Die Formel 1 führt eine Budgetobergrenze bei den Fahrergagen ein ...

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 hat bei ihrem Zukunfts-Gipfeltreffen am Montag in Portimao einen neuen Vorschlag auf den Tisch gebracht, der für Superstar Lewis Hamilton unmittelbare Auswirkungen haben könnte. Denn die Fahrergehälter sollen ab der Saison 2023 auf ein Maximum von 30 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 25 Millionen Euro) pro Jahr gedeckelt werden.

Lewis Hamilton, Toto Wolff

Lewis Hamilton und Toto Wolff verhandeln gerade einen neuen Vertrag Zoom

Die 30 Millionen schließen laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' die Gehälter beider Fahrer ein, sodass zum Beispiel beide 15 Millionen verdienen könnten oder einer 25 und der Teamkollege fünf. Bei den aktuellen Topgagen in der Formel 1 - Hamilton soll mehr als 40 Millionen Dollar verdienen - wäre das womöglich ein empfindlicher Einschnitt.

Ebenfalls diskutiert wurde von den Entscheidern der Formel 1 die Idee, auch die Gehälter der drei bestbezahlten Mitarbeiter jenseits der Fahrer zu begrenzen. Das könnte für den einen oder anderen Teamchef oder Technischen Direktor eine finanzielle Verschlechterung bedeuten. Der aktuell bestbezahlte Teamchef der Formel 1 hat 2019 neun Millionen Dollar Gehalt kassiert.

Rein theoretisch darf ein Team seinen Fahrern oder Managern mehr bezahlen, als die Gagendeckel vorsehen. Dann wird der Differenzbetrag zu den 30 Millionen Dollar aber von der Gesamt-Budgetobergrenze (2023: 135 Millionen Dollar) abgezogen. Rechenbeispiel: Sollten Hamilton/Bottas 2023 zusammen 45 Millionen verdienen, sinkt das Mercedes-Cap auf 120 Millionen.

Beschluss des Vorschlags nur eine Formalität

Der Vorschlag wurde beim Gipfeltreffen von allen anwesenden Teamchefs unterstützt und muss nun feingeschliffen und letztendlich durch den Motorsport-Weltrat der FIA ratifiziert werden. Für Hamilton könnte damit ein Rennen gegen die Zeit beginnen. Sollte er langfristig bei Mercedes bleiben wollen, muss er jetzt schnell unterschreiben, um den Gagendeckel zu umgehen.

Denn selbst wenn die Verantwortlichen die Regel für 2023 und darüber hinaus verabschieden sollten, können aus arbeitsrechtlichen Gründen bestehende Verträge, die bereits davor unterschrieben wurden, nicht angefasst werden. Sprich: Sollte Hamilton jetzt einen neuen Dreijahresvertrag mit höherer Gage unterschreiben, tangiert ihn der Gehaltsdeckel ab 2023 nicht.


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Dem Vernehmen nach soll eine Einigung zwischen dem sechsmaligen Weltmeister und Mercedes aber unmittelbar bevorstehen. Daimler-CEO Ola Källenius war beim Grand Prix am Nürburgring. Dort, so heißt es, soll das Thema besprochen worden sein. Wie die Gespräche verlaufen sind, ist nicht bekannt.

In diesem Prozess prallen aktuell zwei unterschiedliche Interessenlagen aufeinander. Der Daimler-Konzern sieht sich wirtschaftlichen Realitäten wie der Coronakrise ausgesetzt und setzt gerade ein milliardenschweres Sparprogramm um. Eine neue Rekordgage für Hamilton wäre auf der symbolischen Ebene schwierig zu kommunizieren.

Hamilton: Marktwert seit letztem Vertrag weiter gestiegen

Auf der anderen Seite ist Hamiltons Marktwert so hoch wie nie zuvor. Der 35-Jährige steigt gerade zum erfolgreichsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten auf, ist fahrerisch auf der Höhe seines Schaffens und profiliert sich zudem als globaler Superstar, als meistgefolgter Fahrer auf Social Media, mit seinem sozialen Engagement und der gerade beginnenden Gesangskarriere.

Von 'Motorsport-Total.com' mit dieser Einschätzung konfrontiert, spricht er von einer "sehr guten Frage". Das Argument, dass es sich der Daimler-Konzern nicht leisten kann, ihm auch in Zukunft ein Gehalt zu bezahlen, das seinem steigenden Marktwert entspricht, relativiert Hamilton aber. Zu argumentieren, "dass es Unternehmen gibt, die in diesen Zeiten leiden", sei nur "kurzfristig" so.


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"Mercedes befindet sich, glaube ich, auf dem Weg zurück. Sie stehen viel besser da", sagt Hamilton. "Natürlich haben dieses Jahr alle gelitten. Aber vor uns liegt eine strahlende Zukunft. Es wird einige Veränderungen geben. Ola hat einen neuen Plan vorgestellt, wie Mercedes in Sachen Nachhaltigkeit und Entwicklung der Autos in Richtung Elektromobilität vorangehen wird."

"Gleiches gilt für AMG. Ich glaube, die Zukunft ist positiv. Das sind natürlich alles Dinge, über die wir sprechen werden. Aber ich glaube, ich habe bisher das Recht erworben, oder mich in eine Position gebracht, noch eine ganze Weile zu bleiben. Die Zeit wird's zeigen. Ich kann nicht sehr viel mehr sagen. Hoffentlich werdet ihr in den nächsten Monaten was hören."

Er habe "noch keine Entscheidung getroffen", sagt Hamilton, bekennt sich aber gleichzeitig hundertprozentig zu Mercedes: "Ich möchte bleiben. Ich habe sonst mit niemandem gesprochen, und ich habe das auch nicht vor. Irgendwann werden sich Toto und ich zusammensetzen und ausarbeiten, wie wir weitermachen."

Wegen Coronavirus: Kein Treffen in Monaco

Dass das bisher noch nicht stattgefunden hat, liegt laut Wolff an der Coronavirus-Pandemie: "Ich war letzte Woche in Monaco", so der Mercedes-Teamchef in Portimao, "aber wir haben ausgemacht, uns nicht zu treffen. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass ich Corona in das Meeting einschleppe. Wir hatten einfach noch nicht die Gelegenheit, uns zusammenzusetzen und zu treffen."


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"Lewis und ich leben wie Einsiedler, und unser Team ist im Umgang mit dem Virus besonders diszipliniert", sagt Wolff und zählt Beispiele auf: "Wir haben für unsere Mitarbeiter elf zusätzliche Autos organisiert, oder wir gestatten es ihnen auch nicht, dass mehr als zwei gemeinsam Essen gehen. Und die sieben, acht systemrelevanten Personen dürfen gar nichts miteinander machen."

Dabei hätte eigentlich schon vor der Coronakrise alles klar sein können: "Ich glaube, es war in Ungarn letztes Jahr, dass Toto zum ersten Mal davon gesprochen hat, den Vertrag zu unterschreiben", schmunzelt Hamilton. "Da hatten wir noch keine Pandemie. Im Nachhinein betrachtet hätte ich da vielleicht schon unterschreiben sollen!"

"Normalerweise planen wir Dreijahresperioden. Aber wir befinden uns gerade in einer anderen Zeit. Es ist auch eine Frage, ob ich drei Jahre weitermachen möchte. Es gibt viele Fragen, die noch beantwortet werden müssen. Und wir beginnen 2022 eine neue Ära mit einem neuen Auto. Das finde ich aufregend: was 2022 passiert, wie die Autos sein werden."

Wolff schließt Einjahresvertrag für 2021 aus

Wolff möchte das Thema rasch vom Tisch haben. Eine Übernahme des bestehenden Vertrags für nur ein Jahr, um Zeit zu gewinnen, schließt er aus: "Ich finde, dass wir das dieses Jahr erledigen sollten. Ich will nächstes Jahr nicht wieder verhandeln, sondern wir sollten uns auf unsere Jobs konzentrieren: Lewis aufs Fahren, ich aufs Leiten des Teams und Ola auf das große Ganze."


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Hamiltons gestiegener Marktwert ist Wolff bewusst: "Der ist riesig. Wir müssen einiges an Equipment verscherbeln, unsere Gebäude verkaufen und zurückmieten (ein Seitenhieb gegen McLaren; Anm. d. Red.) und das Geld irgendwie zusammenkratzen", lacht er im Interview mit den britischen TV-Kollegen von 'Sky'.

Bereits im Juli hatte sich Wolff daher zu einem möglichen Gehaltsdeckel für die Fahrer bekannt: "Das ist etwas, was wir immer unterstützt haben. Genau wie in den US-Profiligen. Wenn wir als Teams unsere Budgets mit 145 Millionen deckeln, und das in den nächsten Jahren weiter verringern, dann müssen wir irgendwann auch die Fahrergehälter deckeln."

Man wolle gleichzeitig nicht Superstars wie Hamilton aus der Formel 1 verjagen, weshalb sich Wolff ursprünglich auch bei der Fahrerobergrenze für eine stufenweise Einführung eingesetzt hat. "Damit die zukünftigen Fahrergenerationen wieder bei einem vernünftigen Niveau landen", wie er sagt. "Das ist meine Meinung. Ich glaube, das wäre gut für den Sport."

"Wir sehen in den USA, dass die besten Football- und Basketballspieler weiterhin sehr inspirierende Figuren sind", so Wolff. "Sie verdienen hohe Gehälter, weil sie globale Superstars sind, die Besten in ihren Ligen. Aber wir sollten aufpassen, dass das Verhältnis der Fahrergehälter in Relation zum Gesamtbudget der Teams nicht aus dem Ruder läuft."

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