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Mercedes muss sparen: Formel-1-Zukunft wird "diskutiert"

Konzerchef verkündet Sparprogramm in Milliardenhöhe: Was ist dran an den Gerüchten über einen Ausstieg von Mercedes aus der Formel 1?

(Motorsport-Total.com) - Nachdem Renault aufgrund schwächelnder Absätze der Automobilbranche bekannt gegeben hat, sämtliche Investitionen des Konzerns zu hinterfragen (ausdrücklich auch das Formel-1-Team), ist der Daimler-Konzern nun der nächste in der Königsklasse engagierte "Global Player", der ein milliardenschweres Sparprogramm ankündigt.

Ola Källenius

Daimler-Chef Ola Källenius beim Kapitalmarkttag in London Zoom

Konzernchef Ola Källenius, der erst im Mai den Vorstandsvorsitz von Dieter Zetsche übernommen hat, ging am Donnerstag in London mit seinen Plänen für die nächsten Jahre an die Öffentlichkeit. Bereits zuvor war durchgesickert, dass die avisierte Marge von acht bis zehn Prozent bis 2021 in der Kernsparte Mercedes Cars (und Vans) nicht zu halten ist.

Stattdessen erwartet Daimler lediglich eine Marge von vier Prozent bis 2020 und sechs Prozent bis 2022, berichtet das 'Handelsblatt'. Und selbst das Erreichen der nach unten korrigierten Ziele ist keineswegs in Stein gemeißelt, hängt doch immer noch das Damoklesschwert neuer US-Autozölle durch die Trump-Administration bedrohlich über der ganzen Branche.

Källenius spricht im Manager-Deutsch von "umfassenden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens" - und meint damit eine Reduktion der Personalkosten um 1,4 Milliarden Euro bis 2022. Alleine auf die Marke Mercedes entfällt davon eine Milliarde. "Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir jetzt handeln", sagt Källenius.

Daimler-Konzern: Gewinn deutlich rückläufig

Konkret sollen zehn Prozent der Führungspositionen eingespart werden, dazu kommen Einsparungen in der Verwaltung. Maßnahmen, die schmerzlich sind (und beim Betriebsrat naturgemäß nicht gut ankommen), aber auch notwendig: In den ersten neun Monaten 2019 ist der Gewinn um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.

Das Dieselthema, drohende US-Zölle, rückläufiges Wirtschaftswachstum und die mit hohen Investitionen verbundene Elektrifizierung der Flotte sorgen dafür, dass die Automobilbranche insgesamt schwer zu kämpfen hat. Ein Marktumfeld, dem sich auch der Daimler-Konzern nicht ganz entziehen kann.


Ola Källenius über die Lage der Automobilbranche

Mit dem erfolgreichen Formel-1-Programm generiert Daimler einen Werbewert jenseits einer Milliarde Euro. Und das bei Kosten von lediglich 70 Millionen Euro, die Daimler 2018 zum Budget des Mercedes-Teams zugeschossen hat. "Wir haben die WM sechsmal in Folge gewonnen." Das habe sich im Marketing "mehr als ausgezahlt", wird Källenius von 'Auto Bild motorsport' zitiert.

Ein Ausstieg aus der Formel 1 sei daher "derzeit" kein Thema. Aber: 2020 läuft das Concorde-Agreement zwischen Liberty Media und Mercedes aus. "Eine logische Bruchstelle", sagt Teamchef Toto Wolff im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. Tatsache ist: Rechteinhaber Liberty Media hat den Formel-1-Teams kürzlich die Entwürfe des neuen Grundlagenvertrags zugeschickt. Im Fall von Mercedes wird der Vorstand den Konditionen zustimmen müssen. Erst nach einem positiven Vorstandsbeschluss wäre die Fortsetzung des Formel-1-Programms gesichert.

Sogenannter Concorde-Vertrag läuft Ende 2020 aus

Die "natürliche Bruchstelle" Ende 2020 sei "ein Thema, das wir auch diskutieren. Betonung auf 'diskutieren' - und nicht 'diskutiert haben'", gibt Wolff zu. "In welche Richtung entwickelt sich die Automobilwelt? In welcher Form ist die Formel 1 relevant als Entertainment- und Technologieplattform? Wollen wir als Marke, dessen erstes Auto ein Rennwagen war, langfristig auf dieser Plattform spielen?"

"Es gibt das Ferrari-Modell, die sagen: 'Wir machen das für immer. Wir bauen Rennautos und wir bauen Straßenautos.' Die andere Variante ist zu sagen: 'Wir hatten einen sehr erfolgreichen Lauf. Es gibt nichts mehr zu beweisen. Wir machen jetzt etwas anderes.' Beides sind absolut plausible Strategien."

Toto Wolff

Toto Wolff ist Teamchef des erfolgreichen Mercedes-Rennstalls in der Formel 1 Zoom

Wolff, der im April dieses Jahres für die Zeit nach 2020 als möglicher Nachfolger von Formel-1-Boss Chase Carey gehandelt wurde, unterstreicht, dass ein langfristiger Verbleib in der Königsklasse seiner Meinung nach Sinn ergeben kann: "Ich glaube, in einer Zeit, in der alles so kurzfristig ist, ist gerade die Nachhaltigkeit der Erfolge die viel glaubwürdigere Strategie als schnelles In & Out."

Im exklusiven Interview, geführt bereits in Mexiko, haken wir nach, warum er beim Thema Mercedes-Zukunft in der Formel 1 explizit den Präsens ("diskutieren" statt "diskutiert haben") betont. Wolff antwortet: "Es deutet alles darauf hin, dass wir bleiben. Aber es ist kein Selbstläufer."

"Wir sind gerade mitten am Diskutieren über das neue Concorde-Agreement. Damit zusammenhängend - und unabhängig davon - diskutieren wir die Entwicklung des Automobils und die Auswirkungen auf den Sport", unterstreicht er.

Wolff: Keine Indikation für Formel-1-Ausstieg

"Im Moment gibt es keine Indikation, dass wir irgendetwas anders machen wollen. Es gibt kein Zieldatum [für eine Vorstandsentscheidung]. Weil im Moment alle Weichen darauf gestellt sind, dass wir langfristig an dieser Plattform teilnehmen", sagt Wolff.

Die Variante, den verhältnismäßig teuren Werkseinsatz eines eigenen Silberpfeil-Teams ab 2021 einzustellen und stattdessen nur noch Motoren an Kundenteams zu liefern (die Verträge mit McLaren und Williams wurden bereits über 2020 hinaus unterschrieben), wäre laut Branchenkennern ein logisches Exit-Szenario.

"Es gibt nur schwanger oder nicht schwanger, nicht halbschwanger." Toto Wolff

Wolff glaubt an so eine Konstellation aber nicht: "Wir haben vier Teams, die wir beliefern, uns inklusive. Es gibt nur schwanger oder nicht schwanger, nicht halbschwanger. Entweder wir nehmen an der Plattform teil oder nicht." Soll heißen: Wenn Mercedes den Stecker zum Formel-1-Programm zieht, dann komplett.

Die Entscheidung darüber, ob Daimler in der Formel 1 engagiert bleibt oder nicht, muss vermutlich zeitnah fallen - um Sicherheit zu haben, wie es mit dem Team Ende 2020 weitergehen soll. Falls Källenius und Kollegen den Hahn zudrehen sollten, wofür es aktuell keine handfesten Anzeichen gibt, gibt es viele denkbare Szenarien. Eins davon wäre ein Management-Buy-out. Den hat das Team aus Brackley unter Ross Brawn 2009/10 schon einmal erlebt.

Die verstörenden Panik-Schlagzeilen in manchen Medien sind jedoch überzogen. Die Formel 1 generiert für Mercedes weltweit einen gigantischen Werbewert, der selbst in Krisenzeiten ein attraktives Geschäft bleibt. Und mit der Budgetobergrenze, die 2021 kommt, sollte die Formel 1 mittelfristig noch deutlich kostengünstiger werden.

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