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1982: Ein Österreich-Grand-Prix für die Ewigkeit

Elio de Angelis feiert 1982 auf dem Österreichring in einem der engsten Formel-1-Rennen der Geschichte seinen ersten Grand-Prix-Sieg

(Motorsport-Total.com) - Als die Formel 1 in der Saison 1982 zum Grand Prix von Österreich reist, lacht die Sonne über der Steiermark. Doch im Fahrerlager ist die Stimmung noch etwas gedrückt, denn alle stehen unter dem Eindruck der Ereignisse des Rennens vom Hockenheim, wo nur eine Woche zuvor der WM-Führende Didier Pironi im Qualifying mit seinem Ferrari schwer verunglückt war und nun im Krankenhaus darum kämpft, seine zertrümmerten Beine nicht zu verlieren.

Keke Rosberg, Elio de Angelis

Elio de Angelis liegt im Ziel 125 Tausendstelsekunden vor Keke Rosberg Zoom

Aus Respekt vor dem Schicksal des Franzosen verzichtet Ferrari in Österreich auf die Nominierung eines Ersatzfahrer. So geht nur Patrick Tambay für die Scuderia auf dem Österreichring bei Zeltweg an den Start, einer Strecke, die sowohl durch packende Windschattenschlachten, aber auch durch schwere Unfälle immer wieder von sich reden machte.

Der flüssige Österreichring war seinerzeit eine der schnellsten Strecken im Formel-1-Kalender, bei seiner Pole-Runde fährt Nelson Piquet im Qualifying eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 244 km/h. Und das ohne Frontflügel, denn 1982 war die Hochphase der Groundeffekt-Autos mit ihren seitlichen Schürzen.

Mit Höchstgeschwindigkeit durch die Steiermark

So ist es nicht verwunderlich, dass sich im Qualifying eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bildet. Die ersten fünf Startplätze werden von den fünf Fahrzeugen mit Turbo-Motoren eingenommen. Das sind neben den beiden Brabham-BMW von Piquet und Riccardo Patrese der Ferrari von Tambay sowie die beiden Renault von Alain Prost und Rene Arnoux. Erst dahinter, mit 2,7 Sekunden Rückstand auf die Pole-Zeit, reiht sich Keke Rosberg im Williams-Ford als schnellster Pilot mit einem Saugmotor ein.


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in Österreich

Der Rennstart verläuft am 15. August 1982, wie so oft auf dem Österreichring, turbulent. Während die Fahrer auf den vorderen Startplätzen alle gut wegkommen, fahren sich im Mittelfeld die beiden Alfa-Romeo-Teamkollegen Andrea de Cesaris und Bruno Giacomelli gegenseitig ins Auto. Beim Versuch, dem Unfall auszuweichen, landet Williams-Pilot Derek Daly in der Leitplanke und muss ebenfalls aufgeben.

Doch die Startkollision fordert noch weiteren Tribut. Patrick Tambay schlitzt sich auf den Trümmerteilen der Alfas bei der nächsten Vorbeifahrt einen Hinterreifen auf und fällt dadurch weit zurück. An der Spitze behauptet Polesetter Piquet nur kurz die Führung, ehe sein Teamkollege Patrese zunächst an Prost und dann am amtierenden Weltmeister vorbei an die Spitze geht.

Ausfallorgie spült de Angelis nach vorne

Rennstart

Beim Start flogen auf dem Österreichring die Fetzen Zoom

In Runde 23 erleben die Zuschauer dann den ersten Tankstopp der jüngeren Formel-1-Geschichte. Piquet macht von diesem taktischen Hilfsmittel gebrauch, um auf dem schnellen Österreichring den Benzindurst seines BMW-Turbomotors zu stillen. Der Brasilianer kommt hinter Prost und Lotus-Pilot Elio de Angelis auf Rang vier zurück auf die Strecke, kommt in der Folge überraschenderweise aber nicht an dem deutlich schwächeren Lotus mit Ford-Saugmotor vorbei.

In Runde 31 ist das allerdings egal, dann da rollt Piquets Brabham mit einem Elektrikdefekt aus. Vier Runden vorher hat sich bereits Teamkollege Patrese mit einem Motorschaden aus dem Rennen verabschiedet. Nun ist Prost der letzte Turbo-Mohikaner an der Spitze und fährt mit einer halben Minute Vorsprung auf de Angelis dem Sieg entgegen.

Dachte man - bis zur 48. Runde. Dann schlagen plötzlich Flammen aus dem Heck von Prosts Renault. Ein Motorschaden beendet jäh seine Hoffnungen auf den Sieg und spült de Angelis an die Spitze des Feldes. Fünf Runden vor dem Rennende hat der 24-Jährige Römer die Chance, sein erstes Formel-1-Rennen zu gewinnen. Doch auch Rosberg auf Platz zwei fährt seinem ersten Grand-Prix-Sieg noch hinterher und will im Kampf um die Weltmeisterschaft jeden Punkt mitnehmen.

Sprint Richtung Ziellinie

Drei Runden vor dem Rennende liegt Rosberg allerdings noch über drei Sekunden hinter de Angelis zurück, doch der Williams ist das schnellere Auto. Zehntel um Zehntel verringert der Finne den Rückstand auf seinen Rivalen, bei vorletzten Überfahrt der Start-Ziellinie trennen die beiden noch 1,64 Sekunden. Was folgt ist eine der spannendsten Schlussrunden der Formel-1-Geschichte.

Elio de Angelis

Elio de Angelis feierte 1982 in Österreich seinen ersten von zwei Siegen Zoom

Schon in der zweiten Kurve ist Rosberg im Windschatten von de Angelis. Wird der junge Italiener dem Druck standhalten? Zunächst ja, denn bei der Anfahrt zur Jochen-Rindt-Kurve blockt de Angelis einen Angriff von Rosberg auf der Innenbahn ab. Dadurch fährt er aber nicht mehr auf der Ideallinie in die Kurve ein und wird am Ausgang auf die Start-Ziel-Gerade weit nach außen getragen. Das nutzt Rosberg, der mit Geschwindigkeitsüberschuss innen hineinsticht.

Seite an Seite fahren Rosberg und de Angelis in Richtung der schwarz-weiß-karierten Flagge, die aus Sicht von Rosberg etwas zu früh kommt. Mit einem Vorsprung von 125 Tausendstelsekunden gewinnt de Angelis das Rennen. Seinerzeit war das der engste Zieleinlauf in der Geschichte der Formel 1.

Anschließend wird im Lotus-Team gefeiert, denn mit dem Sieg in Österreich endet für das frühere Weltmeisterteam eine Durststrecke von fast vier Jahren ohne Sieg. Was damals noch niemand weiß: Es sollte auch der letzte Sieg eines Lotus aus der Feder des genialen Konstrukteurs und Teamchefs Colin Chapman sein, der vier Monate später im Alter von 54 Jahren nach einem Herzinfarkt verstirbt.

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