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Davies legt nach: Rea ist hinterlistig und arrogant

Spätestens seit Assen ist Jonathan Rea das große Feindbild der Ducati-Fans: Chaz Davies äußert sich noch einmal zum Vorfall und beschuldigt Rea stark

(Motorsport-Total.com) - Nachdem es in der Superbike-WM jahrelang sehr harmonisch zuging, kam es beim Rennwochenende in Assen zu einem hitzigen Duell zwischen Weltmeister Jonathan Rea und Herausforderer Chaz Davies. Rea stand Davies in der Superpole 2 im Weg und sah später nicht ein, einen Fehler gemacht zu haben. Davies und die Rennleitung bewerteten den Vorfall anders. Der Titelverteidiger verlor seine Pole-Position und musste drei Plätze nach hinten rutschen. Auf den Rennausgang hatte diese Entscheidung aber keine Auswirkung: Rea gewann in Assen beide Läufe und baute den Vorsprung in der WM weiter aus.

Jonathan Rea, Tom Sykes, Chaz Davies

Jonathan Rea und Chaz Davies gerieten beim Wochenende in Assen aneinander Zoom

Man könnte meinen, der Vorfall vom Samstag sei nun abgehakt. Doch das sieht Ducati-Pilot Davies anders. In einem offenen Brief kommentiert der Brite den Zwischenfall noch einmal: "Da sich der Staub vom Rennwochenende in Assen langsam gelegt hat, möchte ich die Geschehnisse der Superpole am Samstagnachmittag noch einmal näher erläutern. Ich habe nicht das Gefühl, dass zu diesem Zeitpunkt alle Fakten offen gelegt wurden. Es ist nötig, alles zu zeigen", bemerkt er.

"Zuerst einmal entschuldige ich mich für meine Wortwahl. Es tut mir leid, dass das live im Fernsehen gezeigt wurde. Ich entschuldige mich bei allen, die sich beleidigt fühlen", schreibt Davies, der diverse Schimpfwörter in Richtung Rea abfeuerte. "Ich weiß, dass wir Vorbilder für die Jugend sind. Das war kein Beispiel, dem man folgen sollte", bedauert er.


Fotos: Superbike-WM in Assen


"Auch wenn ich mich für meine Sprache entschuldige, so entschuldige ich mich nicht für die Benennung des Problems. Ich muss nicht weiter betonen, dass dieser Sport gefährlich ist. Es gibt nicht viele noch gefährlichere Szenen, als wenn ein Fahrer auf der Ideallinie rumtourt", ärgert sich der WM-Dritte der vergangenen Superbike-WM-Saison.

War es Absicht?

Doch was war genau geschehen? "Gegen Ende der Superpole 2 setzte der Fahrer mit der Nummer 65 in seiner ersten Runde eine unglaubliche Marke mit dem neuen Pirelli-Qualifying-Reifen. Diese Reifen sind genau genommen keine Qualifying-Reifen, denn man bezeichnet sie auch als Pre-Qualifying-Reifen und laut Pirelli sollen sie für drei Runden gut sein und nicht nur für eine, wie die echten Qualifying-Reifen. Die Nummer 65 drehte sofort nach der schnellsten Runde das Gas zu. Das ist normal, wenn man weiß, dass man alles aus seinem Paket herausgeholt hat, was er mit Blick auf die Rundenzeit tat", berichtet Davies.

Chaz Davies, Jonathan Rea

In der Fahrerwertung trennen Davies und Rea bereits 84 WM-Punkte Zoom

"Ich fuhr meine erste fliegende Runde. Die Runde war okay, doch sie fühlte sich nicht perfekt an. Ich dachte mir, es war nicht gut genug für die erste Startreihe. Deshalb pushte ich ein weiteres Mal und fuhr eine zweite Runde", begründet Davies seine Strategie. "Ich überquerte die Ziellinie 19 Sekunden nach der Nummer 65. 19 Sekunden ist eine große Lücke. Man verliert etwa 15 auf eine komplette Runde, wenn man das Tempo herausnimmt. Es ist ziemlich erstaunlich, 19 Sekunden in weniger als einer halben Runde aufzuholen."

"Zudem war übers komplette Wochenende gesehen die langsamste Auslaufrunde der Nummer 65 nur 18 Sekunden langsamer als eine schnelle Runde (1:54 gegen 1:36). Am Ende der Superpole 2 bekam er es hin, auf den ersten 40 Sekunden einer 96-Sekunden-Runde 19 Sekunden zu verlieren. In der Moto3 liegt die Schwelle beim Bummeln bei zehn Prozent. Wenn man die Moto3-Regeln anwendet, dann hätten vier Sekunden Differenz gereicht, um die Nummer 65 zu bestrafen. Ich frage mich, welche Strafe man für 19 Sekunden ausgesprochen hätte", wundert sich der Ducati-Pilot.

Davies erhebt starke Vorwürfe

Chaz Davies

Chaz Davies ärgert sich über Jonathan Rea: "Seine Arroganz war unglaublich" Zoom

Die zweite fliegende Runde war bei der ersten Zwischenzeit in etwa so schnell wie der erste Versuch. Für Davies war noch einiges möglich. "Ich sah die Nummer 65 auf der Gegengerade, als ich auf Kurve 5 herausbeschleunigte. Er schaute in Kurve 6 lange über seine Schulter. Ich ging davon aus, dass er auf diesem schnellen Teil der Strecke von der Linie fährt. Als ich mein Motorrad in Kurve 7 warf, fuhr die Nummer 65 durch den Scheitel der Kurve. Er war neben der Linie, doch nicht mehr als eine Motorradbreite. Er war definitiv nicht außerhalb der Ideallinie. In solch einer Situation weiß man nicht, was sich der Fahrer vor einem denkt und was er macht, denn er signalisierte nicht genau, wo er hin will. Er blieb auf seiner Linie. Diese Linie war am Kurvenausgang die Ideallinie", erklärt Davies.

Da Rea im Weg stand, musste Davies seine Ducati Panigale aufrichten und die Runde abbrechen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Es folgte ein verbaler Austausch im Parc Ferme. "Die Nummer 65 ging sofort in die Defensive und meinte, er hätte mich nicht gesehen. Zudem meinte er, dass er ohnehin neben der Linie fuhr", ärgert sich Davies. "Eine direkte Entschuldigung hätte die Situation sofort beruhigt. Ich wollte ihn zu diesem Zeitpunkt für den Ernst der Situation bewusst machen, doch seine Arroganz war unglaublich."

"Ich warf ihm einige bedauerliche Profanitäten entgegen und schlussendlich reichte er mir nach einer hitzigen Diskussion widerwillig seine Hand als Entschuldigung. Dafür war es viel zu spät. Ich sah es nicht als ehrliche Entschuldigung an", berichtet Davies und fügt verärgert hinzu: "Er sagte den Medien, dass es gut sei, mich frustriert zu sehen. Es ist schön für ihn, wenn er sich seine Kicks holt, indem er die Leben der anderen Fahrer aufs Spiel setzt. Mein Verhalten war nicht die Folge von Frustration. In meinen Augen war es die Reaktion auf eine schmutzige Aktion."

Auch andere Fahrer belasten Rea

Jonathan Rea

Spielt Weltmeister Jonathan Rea schmutzige Spielchen? Zoom

"Ich sah, wie er zurückschaute. Das konnte man auch auf den TV-Bildern sehen, die ich mir bei der Rennleitung anschaute. Es war eindeutig. Die Nummer 65 wusste, dass ich komme und brachte uns beide mit seinen hinterlistigen Spielen in Gefahr. Natürlich wird er das abstreiten, doch die Fakten, das Video und die Strafe der Rennleitung sind der Beweis. Die Nummer 65 wusste, dass ich meine Runde abbrechen muss. Wenn ich Kurve 7 durchgezogen hätte, wäre keine von uns an den Start gerollt", betont Davies verärgert. "Selbst von einem Anfänger erwarte ich ein faireres Verhalten, erst recht von einem zweifachen Weltmeister."

"Eine Vielzahl anderer Fahrer schrieb mir am Samstag. Sie berichteten von verschiedenen Szenen in der Vergangenheit, in denen sie die gleichen Probleme hatten. Wenn die Nummer 65 dich als Gefahr einstuft, ist er gewillt, diese Karten zu spielen", greift Davies den WM-Führenden an und fordert ihn auf: "Nummer 65, du bist ein guter Fahrer ohne diese Spielchen. Lass den Mist und lass uns den Fans der Superbike-WM weiterhin eine gute Show zeigen. Ich genieße die Duelle, die intensive Rivalität und habe großen Respekt vor deinen Fähigkeiten und Erfolgen. Doch ich bin überzeugt, dass du es übertrieben hast."

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