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Finaler Testtag: Maverick Vinales setzt weiteres Ausrufezeichen

Yamaha-Pilot Maverick Vinales beendet den ersten Schlagabtausch in Sepang an der Spitze - Marc Marquez meldet sich zurück - Andrea Iannone stürzt

(Motorsport-Total.com) - Am finalen Testtag in Malaysia herrschte reger Fahrbetrieb. Die MotoGP-Piloten nutzten die Zeit intensiv und unterbrachen ihre Arbeit nur für etwa 60 Minuten, denn dreieinhalb Stunden vor Testende setzte leichter Regen ein. Der Sepang International Circuit trocknete schnell ab und in den beiden finalen Stunden waren beinahe alle Fahrer auf der Strecke unterwegs, um ihre Testpläne abzuarbeiten. Marc-VDS-Pilot Tito Rabat musste nach seinem Sturz am Dienstag auf den finalen Testtag verzichten.

Maverick Vinales

Maverick Vinales setzte sich an allen drei Tagen gegen Valentino Rossi durch Zoom

Yamaha-Werkspilot Maverick Vinales schob sich am Mittwoch an die Spitze und bestätigte damit, dass in der neuen Saison mit ihm zu rechnen ist. Der junge Spanier fuhr in 1:59.368 Minuten die schnellste Zeit des dreitägigen Tests und war damit 0,138 Sekunden schneller als Weltmeister Marc Marquez, der sich nach zwei durchwachsenen Tagen deutlich steigern konnte.

Das Yamaha-Werksteam präsentierte sich in starker Form. Was Marquez' Zeit wert ist, lässt sich schwer einschätzen. Fakt ist, dass Honda viele Baustellen hat. Die Werkspiloten beschäftigten sich hauptsächlich mit den verschiedenen Motorspezifikationen. Ob der neue Big-Bang-Motor zum Einsatz kommt oder ob Honda beim Screamer bleibt, soll erst kurz vor dem Saisonstart entschieden werden. Marquez absolvierte am finalen Tag mehr als 80 Runden und auch Teamkollege Dani Pedrosa sammelte mit 67 Runden viele Erfahrungen.

Yamaha für 2017 gut gerüstet

In der Yamaha-Box registrierte man Vinales' starke Rundenzeiten ohne übertriebene Begeisterung. "Er hat mich in Valencia überrascht, jetzt nicht mehr. Er war von Beginn an sehr schnell. Unser Bike fühlt sich nach seinem an", kommentiert Yamaha-Teamdirektor Massimo Meregalli. Teamkollege Valentino Rossi landete am finalen Testtag in Sepang auf Platz fünf. Der Italiener verzichtete auf schnelle Runden in den finalen Minuten und dürfte mit den Testergebnissen zufrieden sein. Auf Vinales verlor Rossi etwas mehr als zwei Zehntelsekunden.


Fotos: MotoGP-Test in Sepang


"Wir sind keinen Longrun gefahren", schildert Meregalli. "Wie wir schon in den ersten beiden Tagen gesagt haben, sind wir mit den Fortschritten und der Entwicklung zufrieden. Wir verlassen Sepang mit vielen Informationen und konnten wichtige Entscheidungen treffen. Das war sehr wichtig. Beim Chassis gibt es noch Zweifel, mit welchem wir die Saison starten werden. Wenn wir es hier nicht festlegen, dann in Phillip Island."

Ducati konstant auf Spitzenniveau

Das Ducati-Werksteam dürfte Sepang ebenfalls zufrieden verlassen. Andrea Dovizioso fuhr an allen drei Tagen gute Rundenzeiten und belegte am Mittwoch den dritten Platz. Neuverpflichtung Jorge Lorenzo, der auf der neunten Position landete, steigerte sich von Tag zu Tag und beschäftigte sich vor allem mit den Bremszonen.

Jorge Lorenzo

Ducati-Pilot Jorge Lorenzo gelangen von Tag zu Tag deutliche Fortschritte Zoom

Bisher verwendete Lorenzo die Hinterradbremse nur selten. Die Ducati verlangt aber nach einem Fahrstil, bei dem das Hinterrad gezielt verzögert wird. Ducati montierte deshalb an Lorenzos Maschine eine Daumenbremse, damit der Spanier die Hinterradbremse auch in Rechtskurven gut kontrollieren kann.

Ducati stellte den Werkspiloten an allen drei Tagen zwei verschiedene Varianten der 2017er-Desmosedici bereit. Eine Maschine war komplett neu und die andere basierte auf der beim Valencia-Test vorgestellten Maschine. Auch beim kommenden Test auf Phillip Island werden beide Spezifikationen zum Einsatz kommen.

Ducati-Teammanager Davide Tardozzi zieht ein positives Fazit und freut sich über Lorenzos Entwicklung: "Er ist mit dem Tag sehr zufrieden, seine schnellste Runde ist er mit dem Medium-Reifen gefahren. Wir sind mit der Arbeit sehr zufrieden. Wir hatten hier viele Teile und mussten entscheiden, welche gut und welche nicht so gut sind." Bis zuletzt zeigte Ducati neue Teile. Dovizioso rückte in den finalen Minuten mit einer unlackierten Verkleidung aus. War das ein weiteres Aerodynamik-Update? "Sie ist nur etwas anders, aber wir hatten nicht genug Zeit, um alle Teile zu lackieren", so Tardozzi.

Ernüchterung bei Suzuki

Nach der Bestzeit am Dienstag verpasste Suzuki am finalen Tag den Einzug in die Top 10. Andrea Iannone wurde Elfter und ging am Mittwoch zu Boden. Dabei blieb der Italiener unverletzt, doch für das Selbstbewusstsein dürfte der Zwischenfall nicht zuträglich gewesen sein. "Ihm geht es gut. Es war ein kleiner Crash. Wir probierten einen längeren Run, aber keine Rennsimulation. Schade, denn wir hätten etwas verstehen können. Aber sonst sind wir zufrieden, weil die Pace gut war", erklärt Teammanager Davide Brivio.

Andrea Iannone

Suzuki-Pilot Andrea Iannone rutschte am Mittwoch von Position eins auf elf ab Zoom

"Wir müssen noch am Motormanagement und der Elektronik arbeiten, um die Reifen besser zu schonen. Das ist aber bei allen der Fall. Trotz Crash war es ein positiver Test", fasst der Suzuki-Teammanager zusammen, der seine Fahrer in den finalen Minuten nicht zu schnellen Runden motivieren wollte: "Für uns ist wichtiger, dass wir die Informationen und das Gefühl beim Longrun bekommen", stellt Brivio klar.

Rookie Alex Rins verlor am finalen Testtag nur 0,012 Sekuden auf Iannone und zeigte damit eine sehr positive Entwicklung. "Mit den Fortschritten von Alex sind wir an diesen drei Tagen sehr zufrieden. Es war sein erster richtiger Test. Von der ersten Runde bis jetzt ist es ein sehr großer Fortschritt, seine Rundenzeit ist sehr gut. Man sieht, dass er lernt und zuhört. Wir sind sehr zufrieden mit ihm", lobt Brivio.

Technisch herrscht bei Suzuki noch keine Klarheit. Der 2017er-Motor scheint ein Fortschritt zu sein, doch ob das neue Chassis besser ist als das Vorjahresmodell, konnte noch nicht exakt beurteilt werden. "Der neue Motor ist definitiv besser, wir werden diese Spezifikation für die Saison vorbereiten. Beim Chassis können wir noch Bereiche erforschen, dabei geht es aber hauptsächlich um die Abstimmung. Wir wissen, in welche Richtung es gehen muss. Es gibt noch etwas zu verbessern, aber wir müssen zufrieden sein, wo wir jetzt stehen", so der Suzuki-Teammanager.

Jonas Folger fliegt aus den Top 10

Tech-3-Pilot Jonas Folger fiel am dritten Testtag auf die 15. Position zurück und unterlag Johann Zarco, der Zehnter wurde. Dennoch hinterließ der Deutsche einen sehr positiven Eindruck. "Ich habe eine Rennsimulation begonnen, aber schon in der ersten Runde habe ich Regentropfen auf dem Visier gesehen. Es regnete nicht stark, aber ich wollte kein Risiko eingehen. Also kam ich zurück an die Box", erklärt Folger. "Es waren nur Regentropfen, auf der Strecke stand kein Wasser. Aber selbst das kann schon gefährlich werden."

Jonas Folger

Jonas Folger verlor weniger als eine Sekunde: Platz 15 am Mittwoch Zoom

"Es läuft bisher sehr gut. Wir kommen jetzt an einen Punkt, wo weitere Fortschritte schwieriger werden. Aber das gilt für alle", grübelt Folger. "Wir haben heute wieder viel am Setup gearbeitet und haben dann auf den weichen Reifen gewechselt, den die meisten bevorzugen. Ich hatte damit aber ein paar Probleme und ging zurück auf den Standardreifen."

"Ich bin dann eine sehr gute Rundenzeit gefahren, die ersten drei Sektoren waren schnell, dann habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Wir sind nicht weit weg. Wenn wir bei der Rundenzeit und der Pace einen kleinen Schritt machen, kann es noch besser werden. Soweit sind wir zufrieden", fasst der Rookie zusammen, der noch seine Bremstechnik verbessern muss: "Ja, da haben wir einen Fortschritt gemacht, aber es fehlt noch etwas. Es ist nicht einfach, den Fahrstil von einem auf den anderen Tag zu verändern. Wir müssen noch daran arbeiten."

KTM verpasst die Top 20

Bei KTM drehte Bradley Smith den Spieß um und setzte sich knapp gegen Teamkollege Pol Espargaro durch, der bisher stets der schnellste KTM-Pilot war. Smith hatte als 21. aber knapp zwei Sekunden Rückstand. Teamkollege Espargaro war weitere eineinhalb Zehntelsekunden langsamer und beendete den Sepang-Test nur auf der 23. Position.

Besser lief es bei Aprilia, die mit Aleix Espargaro die Top 10 nur knapp verpassten. Espargaro erholte sich vom Sturz am Dienstag gut und lag lediglich 0,740 Sekunden zurück. Teamkollege Sam Lowes kämpfte mit seiner Aprilia RS-GP und kam nicht über Platz 22 hinaus. Der nächste Test findet vom 15. bis zum 17. Februar auf Phillip Island (Australien) statt.

Die Testzeiten aus Sepang (Mittwoch):
01 Maverick Vinales (Yamaha) - 1:59.368 Minuten (72 Runden)
02 Marc Marquez (Honda) +0,138 Sekunden (85)
03 Andrea Dovizioso (Ducati) +0,185 (56)
04 Dani Pedrosa (Honda) +0,210 (67)
05 Valentino Rossi (Yamaha) +0,221 (62)
06 Alvaro Bautista (Aspar-Ducati) +0,260 (64)
07 Casey Stoner (Ducati) +0,271 (46)
08 Cal Crutchlow (LCR-Honda) +0,360 (71)
09 Jorge Lorenzo (Ducati) +0,398 (66)
10 Johann Zarco (Tech-3-Yamaha) +0,404 (45)
11 Andrea Iannone (Suzuki) +0,677 (49)
12 Alex Rins (Suzuki) +0,689 (60)
13 Aleix Espargaro (Aprilia) +0,740 (53)
14 Danilo Petrucci (Pramac-Ducati) +0,942 (53)
15 Jonas Folger (Tech-3-Yamaha) +0,944 (54)
16 Jack Miller (Marc-VDS-Honda) +1,071 (70)
17 Karel Abraham (Aspar-Ducati) +1,077 (38)
18 Hector Barbera (Avintia-Ducati) +1,169 (50)
19 Scott Redding (Pramac-Ducati) +1,277 (74)
20 Loris Baz (Avintia-Ducati) +1,505 (58)
21 Bradley Smith (KTM) +1,970 (62)
22 Sam Lowes (Aprilia) +1,973 (43)
23 Pol Espargaro (KTM) +2,138 (67)
24 Katsuyuki Nakasuga (Yamaha) +2,290 (30)
25 Takuya Tsuda (Suzuki) +3,401 (68)

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