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Alex Hofmann: "Luigi Dall'Igna ist Genie und Schlawiner"

Ducatis Aerodynamik-Update sorgt für geteilte Meinungen: Alex Hofmann lobt die Kreativität der Ingenieure, stört sich aber an der Optik der Desmosedici

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Verbot der Winglets mussten die MotoGP-Ingenieure im Winter kreativ werden, um neue Lösungen zu entwickeln, die den verlorenen Abtrieb kompensieren. Mit Ausnahme von KTM präsentierten alle Hersteller bei den Wintertests neue Ideen. Besonders spektakulär war das, was Ducati beim finalen Katar-Test zeigte. Jorge Lorenzo und Andrea Dovizioso erhielten ein neues Aerodynamik-Paket, das im MotoGP-Fahrerlager für geteilte Meinungen sorgte.

Andrea Dovizioso

Kein Schönheitspreis für die Verkleidung der Ducati: Die Form folgt der Funktion Zoom

"Mir gefällt es überhaupt nicht", stellt KTM-Urgestein Heinz Kinigadner im Gespräch mit 'ServusTV' klar und kassiert dafür reichlich Applaus von den anwesenden Fans. "Mir gefällt es, wenn die Motorräder so ähnlich aussehen wie die Maschinen, die man auch kaufen kann", begründet der ehemalige Offroad-Spezialist und fasst zusammen: "Zum Gewinnen ist es vielleicht notwendig, aber schön ist es nicht."

Ex-Racer Alex Hofmann ist ebenfalls kein Fan der geflügelten Verkleidungen. Vor der enormen Kreativität von Ducati-Rennleiter Luigi Dall'Igna hat er aber großen Respekt: "Der Mann mit dem Ziegenbart ist ein Genie und gleichzeitig ein Schlawiner, denn er hat das Regelwerk komplett eigen interpretiert", kommentiert Hofmann und erinnert sich an 2016: "Die Ducati hat im vergangenen Jahr nur so gut funktioniert, weil die Winglets so groß waren und man mit den Winglets so weit voraus war."

Alex Hofmann

Alex Hofmann kennt Luigi Dall'Igna von der gemeinsamen Zeit bei Aprilia Zoom

"Für Jorge Lorenzo, dem man zwölf Millionen Euro überweist, damit er um Siege fahren kann, muss man versuchen, das zu rechtfertigen. Man hat lange gewartet. Die Verkleidung wurde erst am vorletzten Testtag gezeigt, damit die Konkurrenz nicht mehr reagieren kann. Wenn sie so gut funktioniert wie die Winglets, dann muss es dem Herrn Dall'Igna egal sein", spielt Hofmann auf die polarisierende Wirkung der neuen Ducati-Verkleidung an.

"Die Ducati-Fans werden jubeln, wenn Ducati gewinnt. Dann wird es egal sein, dass Ducati optisch einen Schritt zurück gehen musste. Unterm Strich zählen Rundenzeiten und das Resultat", stellt Hofmann klar. Bisher ohne Flügel war Honda-Pilot Jack Miller bei den diesjährigen Wintertests unterwegs. Der Australier ist überzeugt, dass die Honda RC213V nicht zwingend aerodynamischen Abtrieb benötigt, um gut zu funktionieren.

Jack Miller wünscht sich härtere Regeln

"Wir haben mit der Honda nicht die Leistung wie die Ducati", vergleicht Miller. "Die Winglets wurden im vergangenen Jahr immer größer. Wir konnten damit nichts anfangen", erinnert sich der Marc-VDS-Pilot, der durch die aerodynamischen Hilfsmittel Topspeed verlor: "Wir wurden im vergangenen Jahr mit jedem Winglet langsamer. Wir verloren drei km/h. Wer weiß, wie viel PS Ducati zur Verfügung hat, wenn sie so große Flügel montieren."

"Es wird alles ein bisschen zu viel. Das Motorrad ist für den Fahrer viel schwieriger umzulegen. Zudem hat der Wind mehr Angriffsfläche", kritisiert Miller, der sich weiterhin um die Sicherheit sorgt: "Wenn man von einer Ducati überholt wird, dann entstehen ziemlich starke Verwirbelungen. Ich finde das in den Rennen nicht so schön. Mit normalen Motorrädern kann man sehr eng an seinen Gegnern vorbeifahren und sich auch mal touchieren."

Grundsätzlich kann sich Miller vorstellen, das Reglement im Bereich der Aerodynamik weiter zu verschärfen. Auf Abtrieb getrimmte Verkleidungen haben in der MotoGP nichts verloren, meint der Honda-Pilot: "Es macht die Rennen nicht gerade attraktiver. Das konnten wir bereits in anderen Sportarten beobachten. Vielleicht sollte man sich das noch einmal anschauen", so Miller.

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