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Wurz: Mitleid mit "Pleite-Teams" hält sich in Grenzen

Warum Alexander Wurz nicht mit allen Krisenteams der Formel 1 Mitleid hat und wieso er das Crowdfunding von Caterham kritisch sieht

(Motorsport-Total.com/Sky) - Neben dem Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft sorgt derzeit vor allem die wirtschaftliche Situation einiger Formel-1-Teams für Schlagzeilen - allerdings keine positiven. Das endgültige Ende von Marussia wurde gestern besiegelt, Caterham bittet Fans um Spenden, um in Abu Dhabi fahren zu können, und Sauber, Force India und Lotus drohen im Kampf um eine gerechtere Verteilung der Unterschwellig sogar mit einem Boykott.

Alexander Wurz

Wurz macht einige Teams für ihre finanzielle Schieflage selbst verantwortlich Zoom

Für Formel-1-Veteran Alexander Wurz ist das allerdings kein neues Bild. "Seit ich in der Formel 1 bin, und das sind ein paar Jahre, ist es bei den Teams am hinteren Ende immer extrem angespannt", sagt der Vorsitzende der Fahrergewerkschaft GPDA. Allerdings dürfe man nicht alle kreiselnden Teams über einen Kamm scheren, denn bei einigen seien die Probleme hausgemacht. "Einige Teams haben genug Budget, geben aber mehr aus. Die wirtschaften einfach schlecht", sagt Wurz.

Und diese Teams müssten sich kritische Fragen gefallen lassen. "Sie haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gekannt, haben sich freiwillig in die Formel 1 eingeschrieben und haben mit dem Geld nicht richtig gewirtschaftet. Für diese Teams habe ich nicht so viel Mitleid. Das hört sich sehr brutal an, aber da hat das Geschäftsmodell nicht funktioniert", so Wurz.

Prominentestes Beispiel hierfür ist Lotus, die dank sportlicher Erfolge in den vergangenen Jahren einen großen Batzen aus dem Prämientopf des Formula One Managements abbekamen. 2013 flossen daraus immerhin 65 Millionen US-Dollar (aktuell rund 52,4 Millionen Euro) in die Teamkasse. Trotzdem kam Lotus wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig. "Es gibt aber auch Teams, die von vorne herein, vom Geschäftsmodell der Formel 1 nicht richtig beachtet werden. Wie Marussia oder Sauber, wo der Kuchen nicht gut aufgeteilt ist", meint Wurz.

Um die gerechtere Aufteilung der Gelder wird hinter den Kulissen derzeit heftig diskutiert. Doch der Mann, der daran etwas ändern könnte, sieht vor allem die Teams untereinander am Zug. "Wenn die Teams sich darauf einigen, ihr Geld zusammenzulegen, kommen sie auf fast eine Milliarde, glaube ich", sagt Bernie Ecclestone bei 'Sky Sports F1'. Mit dieser Schätzung liegt der Formel-1-Boss nicht ganz falsch, im Jahr 2013 waren es exakt 840 Millionen US-Dollar. "Da können sie wohl ein paar Scheinchen untereinander teilen", schlägt Ecclestone vor.

Einen kreativeren Weg geht aktuell der Insolvenzverwalter von Caterham, der durch Crowdfunding das notwendige Budget für den Einsatz des Teams beim Saisonfinale in Abu Dhabi aufbringen will. "Crowdfundig ist natürlich alles schön und gut, aber eine absolute Notlösung", findet Wurz, der das Modell äußerst kritisch sieht. "Man muss aufpassen, ob man am Ende nicht nur dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern das Geld spendet und nicht im Sinne der Sache, dass die Autos an den Start gehen."