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Wird das Formel-1-Feld 2015 enger zusammen sein?

Durch die Aufhebung des Motorenfreeze hoffen die Konkurrenten von Mercedes, dass sie aufholen können, doch ist die Hoffnung begründet?

(Motorsport-Total.com) - Die Entscheidung der FIA, die Motorenentwicklung während der Saison zu ermöglichen, mag sich vielleicht wie ein Sieg für die Konkurrenten von Mercedes anfühlen, könnte sich letztendlich aber doch als Boost für den deutschen Hersteller herausstellen. Nachdem sich Ferrari gegen das Motorenreglement ausgesprochen hatte, hat der Weltverband akzeptiert, den Herstellern freie Räume zu verschaffen, ihre Power-Unit während der Saison 2015 zu verbessern.

Lewis Hamilton

Wird Mercedes dem Feld weiter enteilen oder kann die Konkurrenz aufholen? Zoom

Den aktuellen Herstellern Renault, Ferrari und Mercedes stehen insgesamt jeweils 32 Token zur Verfügung, die sie zwischen jetzt und dem Ende der Saison benutzen können, während Honda der Durchschnitt jener Token zur Verfügung steht, die die drei Konkurrenten zum Zeitpunkt des ersten Rennens nicht benutzt haben. Theoretisch verschafft diese Entscheidung den Gegnern von Mercedes die Extrazeit, die sie brauchen, um das 2014 gezeigte Defizit zu verringern.

Doch sie jagen kein unbewegliches Ziel, und Mercedes denkt, dass es noch viele Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die man verfolgen kann, um die Performance ihrer Power-Unit ebenfalls zu steigern. Wie Mercedes' Motorenchef Andy Cowell im vergangenen Jahr sagte: "Keiner von uns wird Veränderungen vornehmen, um das Auto schlechter zu machen. Jede Veränderung ist dazu da, damit Lewis (Hamilton) und Nico (Rosberg; Anm. d. Red.) die Strecke schneller umrunden können."

Pat Symonds

Pat Symonds sieht die Mercedes-Teams weiterhin im Vorteil Zoom

Sollte Mercedes noch viel mehr aus seinem Motor herausholen können, dann könnte es die Tür für einen größeren Abstand an der Spitze geöffnet haben, obwohl die Haltung der FIA eigentlich wie ein Sieg für die Gegner aussieht. Williams' Technikchef Pat Symonds glaubt, dass die Auswirkungen des Unfreeze von einigen übertrieben wurden, während Mercedes' Spielraum, sich zu verbessern, hingegen unterschätzt werde.

"In Wahrheit hat sich sehr wenig verändert", sagt Symonds. "Der Unfreeze war schon immer da. Das einzige, was sich verändert hat, ist, dass das Einfrieren nicht wieder im März starten wird, sondern ein bisschen später. Aber es verschafft auch Mercedes mehr Zeit - und glaubt mir, das sind clevere Jungs. Warum sollten sie in diesem Jahr nicht den besten Job machen? Also vielleicht bleiben wir (die Mercedes-Teams, Anm. d. Red.) der Status quo, vielleicht machen wir aber auch einen Schritt nach vorne."

Langfristige Auswirkungen

Die kompletten Auswirkungen der neuen Interpretation der Homologationsregeln wird man vielleicht bis 2016 nicht vollständig spüren, da Mercedes in diesem Jahr vielleicht die Freiheiten nutzen könnte, um langfristig einen großen Sprung nach vorne zu machen. Man wird zwar für das erste Rennen in Australien einen verbesserten Motor einführen, allerdings wird man nicht alle Token verwenden. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat bereits über die strategische Option gesprochen, die langfristige Karte zu spielen und Token erst im September zu benutzen, um Komponenten für 2016 frühzeitig einzuführen, was ihnen langfristig einen großen Schritt nach vorne bringen könnte.


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Zudem muss man auch eine wichtige Lektion aus der Vergangenheit in die Überlegungen mit einbeziehen: Renault konnte während des letzten Freeze mit den V8-Motoren Performanceverbesserungen finden, weil man Teile aus Zuverlässigkeitsgründen ausgetauscht hat - völlig legal unter einem Reglement, das überhaupt keine Verbesserungen mit Token erlaubt hat. Der Motorenkampf in der Formel 1 bleibt also weiterhin sehr weit offen.