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Wie der Vater, so der Sohn: Erfolgreiche Formel-1-Familien

Mick Schumacher ist als Ferrari-Junior auf dem Weg in den Grand-Prix-Sport, aber kann er dort in die Fußstapfen anderer Söhne von Formel-1-Weltmeistern treten?

(Motorsport-Total.com) - Wird Mick Schumacher der nächste deutsche Rennfahrer in der Formel 1? Er befindet sich zumindest auf einem guten Weg: Der Formel-3-Europameister von 2018 startet in diesem Jahr in der Nachwuchsserie Formel 2 und damit im Grand-Prix-Rahmenprogramm. Und er zählt ab sofort zum Juniorenkader von Formel-1-Team Ferrari. Beste Voraussetzungen also für Mick Schumacher, eines Tages selbst Formel-1-Fahrer zu werden - wie schon sein Vater Michael und sein Onkel Ralf.

Mick Schumacher wäre nicht der erste Weltmeister-Sohn, der sich in der Formel 1 versuchen würde. Doch bisher ist es nur zwei Nachkommen gelungen, den sportlichen Erfolg ihrer Vorfahren zu egalisieren und ebenfalls den Titel zu gewinnen: Damon Hill (Weltmeister 1996) tat es seinem Vater Graham Hill (1962 und 1968) gleich, auch Nico Rosberg (2016) schaffte es wie Papa Keke Rosberg (1982) auf den Formel-1-Thron.

Es gibt aber auch Motorsport-Familien, in denen der Sohn den Vater sogar übertrumpft hat: Gilles Villeneuve galt zu seiner Zeit als kommender Weltmeister, verunglückte jedoch 1982 tödlich - und ohne WM-Gesamtsieg. Nur 15 Jahre später fuhr aber Jacques Villeneuve (1997) aus der nächsten Generation in der Formel 1 zum Titel.

Rennfahrer-Söhne im aktuellen Formel-1-Feld

Eines haben die Hills, Rosbergs und Villeneuves übrigens gemeinsam: Sie sind die einzigen Formel-1-Familien, in denen jeweils sowohl die Väter als auch die Söhne mehrere Grands Prix gewonnen haben.

Max Verstappen, Jos Verstappen

Max und Jos Verstappen: Schon der Papa war Formel-1-Fahrer, aber ohne Sieg Zoom

Und dann gibt es natürlich noch die Fälle, in denen die Söhne ihre Väter übertroffen haben. Zwei davon finden sich im aktuellen Formel-1-Feld der Saison 2019: Kevin Magnussen als Sohn von Jan Magnussen erzielte im Gegensatz zu seinem Papa einen Podestplatz. Und Jos Verstappen steht mit seinen zwei Top-3-Platzierungen schon jetzt im Schatten seines Sohnes Max Verstappen, der bereits auf fünf Grand-Prix-Siege kommt.

2019 tritt übrigens noch ein weiterer Weltmeister-Sohn in der Formel 1 an: Carlos Sainz jun. Dessen Vater Carlos Sainz sen. wiederum war nie im Grand-Prix-Sport aktiv, sondern machte sich im Rallyesport einen Namen. Dort gewann er 1990 und 1992 die Fahrertitel in der Rallye-WM (WRC). Später kamen noch Gesamtsiege bei der Rallye-Dakar hinzu, 2010 und 2018. Der Junior wartet in der Formel 1 indes weiter auf seinen ersten Podestplatz.

Die Fußstapfen der Väter sind eine Nummer zu groß ...

Immerhin einmal auf dem Treppchen stand Michael Andretti in der Formel 1. Damit weist er eine weitaus schlechtere Bilanz auf als sein Vater Mario Andretti, der 1978 Weltmeister wurde und in 128 Grands Prix insgesamt zwölf Siege erzielte. Michael Andretti dagegen fuhr insgesamt nur 13 Rennen, ausschließlich 1993. Davor und danach zählte er im US-amerikanischen Formelsport zu den Spitzenfahrern und gelangte dort - wie Papa Mario - zu Meisterehren. Sein Vater hat ihm allerdings einen Sieg im Indianapolis 500 voraus. Dafür stand Michael Andretti für seinen gleichnamigen Rennstall mehrfach als Teamchef bei Indy-Siegen am Kommandostand.

Nelson Piquet Jun., Singapur 2008, Crashgate

Die unrühmliche Szene der Familie Piquet in Singapur 2008: "Crashgate" Zoom

Blass im Vergleich zu seinem berühmten Vorfahren blieb in der Formel 1 auch Nelson Piquet jun. Der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet (1981, 1983 und 1987) stand in 28 Rennen für Renault nur einmal auf das Podium - und erlangte seinerseits Bekanntheit für sein Mitwirken am "Crashgate"-Skandal von Singapur 2008, als er von der Teamleitung aufgefordert wurde, einen Unfall zu provozieren. Mit "Erfolg": Piquets Teamkollege Fernando Alonso nutzte die anschließende Gelbphase und gewann. Piquet jun. startete danach erfolgreich in der Formel E und holte in der Debütsaison 2014/15 gleich den Titel.

Dem dreimaligen Formel-1-Weltmeister Jack Brabham (1959, 1960, 1966) - er ist der einzige Fahrer, der auf einem Eigenbau zum Titel fuhr - folgten gleich zwei seiner Söhne in den Grand-Prix-Sport. Doch weder David Brabham (24 Rennen) noch Gary Brabham gelang in den 1990er-Jahren der Sprung in die erste Reihe. Gary Brabham scheiterte sogar bei beiden Qualifikationsversuchen.

Führungsrunden im einzigen Grand Prix

Immerhin zu WM-Punkten brachte es Kazuki Nakajima als Sohn von Satoru Nakajima zwischen 2007 und 2009 in der Formel 1. Große Erfolge blieben der japanischen Familie im Grand-Prix-Sport allerdings versagt. Gleiches gilt für den britischen Palmer-Clan: Jonathan Palmer absolvierte in den 1980er-Jahren mehr als 80 Rennen. Sein Sohn Jolyon Palmer fuhr 2016 und 2017 nur halb so viele Grands Prix und holte trotz erweiterten Punkterängen deutlich weniger Zähler als der Papa.

Markus Winkelhock

Markus Winkelhock fuhr ein Rennen, aber lag zeitweise an der Spitze Zoom

Ein fünfter Platz beim Brasilien-Grand-Prix 1982 stellt den Höhepunkt in der Formel-1-Karriere von Manfred Winkelhock dar. Er starb im August 1985 an den Folgen eines Sportwagenunfalls in Mosport in Kanada und erlebte nicht mehr mit, wie sein Sohn Markus Winkelhock bei dessen einziger Grand-Prix-Teilnahme am Nürburgring 2007 im unterlegenen Spyker sensationell sechs Führungsrunden erzielte.

Auf insgesamt zehn Formel-1-Einsätze kommt die belgische Familie Pilette. Vater Andre Pilette fuhr zwischen 1951 und 1964 unregelmäßig in der Grand-Prix-WM mit und holte zwei Punkte. Sein Sohn Teddy Pilette wurde bei seinem Debüt 1974 in Zolder als 17. gewertet und verpasste 1977 bei drei weiteren Rennen stets die Qualifikation.

Die jüngeren Brüder starten durch

Lange vor den Schumachers fuhren mit Emerson Fittipaldi (Weltmeister 1972 und 1974) und Wilson Fittipaldi zwei Brüder zeitgleich in der Formel 1. Wilson Fittipaldi kam aber nur auf ein Viertel der Renneinsätze von Emerson Fittipaldi und erzielte lediglich drei Punkte. Wilsons Sohn Christian Fittipaldi brachte es zu Beginn der 1990er-Jahre immerhin auf zwölf Zähler.

Jackie Stewart

Jackie Stewart hatte weitaus größere Erfolge als James Stewart Zoom

Schon 1953 hatte sich James Stewart als älterer Bruder von Jackie Stewart einmal in der Formel 1 versucht. Er war beim Großbritannien-Grand-Prix aber nicht ins Ziel gekommen. Über ein Jahrzehnt später stieg Jackie Stewart seinerseits in die Formel 1 ein - und holte 1969, 1971 und 1973 jeweils den WM-Titel.

Auch in der Familie Scheckter hatte der jüngere Bruder die größeren Erfolge: Ian Scheckter holte in 20 Formel-1-Rennen keine Punkte, Jody Scheckter aber wurde 1979 Weltmeister. Tomas Scheckter als Sohn von Jody war 2001 für kurze Zeit Jaguar-Testfahrer in der Formel 1, wechselte dann aber in die IndyCar-Serie.

Wiederholt sich die Geschichte?

Ob sich diese Geschichte wiederholt, dieses Mal mit Cousins? Mick Schumacher ist bekanntlich bereits im Dunstkreis der Formel 1 aufgetaucht. Und auch David Schumacher, der Sohn von Ralf Schumacher, hat sich schon erste Sporen im Formelsport verdient, zuletzt in der Formel 4.

Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck ist Formel-1-Fahrer in der zweiten Generation Zoom

Die Söhne von Hans-Joachim Stuck indes haben sich dem GT-Sport zugewandt und werden voraussichtlich nicht in der Formel 1 fahren. Sie hätten die Familie sonst in dritter Generation im Grand-Prix-Sport vertreten: Schon ihr Opa Hans Stuck hatte in den 1950er-Jahren einzelne Formel-1-Rennen bestritten, ihr Vater Hans-Joachim Stuck fuhr zwischen 1974 und 1979 zweimal auf das Podium.

Auch ein Weltmeister hat - wie Hans-Joachim Stuck - einen Vater, der schon vor dem Zweiten Weltkrieg Grand-Prix-Fahrzeuge bewegt hatte: Alberto Ascari holte gut 30 Jahre nach den ersten Siegen seines Vaters Antonio Ascari 1952 und 1953 den Titel in der Formel 1. 1955 aber verunglückte Alberto Ascari tödlich bei Testfahrten - genau wie Papa Antonio im Alter von nur 36 Jahren.

Formel-1-Familien im Überblick:

Vater und Sohn sind Formel-1-Weltmeister
Graham Hill (1962, 1968) und Damon Hill (1996)
Keke Rosberg (1982) und Nico Rosberg (2016)

Vater und Sohn sind Formel-1-Rennsieger
Gilles Villeneuve und Jacques Villeneuve

Vater und Sohn in der Formel 1
Mario Andretti und Michael Andretti (USA)
Antonio Ascari und Alberto Ascari (Italien)
Jack Brabham und David Brabham sowie Gary Brabham (Australien)
Wilson Fittipaldi und Christian Fittipaldi (Brasilien)
Graham Hill und Damon Hill (Großbritannien)
Jan Magnussen und Kevin Magnussen (Dänemark)
Satoru Nakajima und Kazuki Nakajima (Japan)
Jonathan Palmer und Jolyon Palmer (Großbritannien)
Reg Parnell und Tim Parnell (Großbritannien)
Andre Pilette und Teddy Pilette (Belgien)
Nelson Piquet sen. und Nelson Piquet jun. (Brasilien)
Keke Rosberg und Nico Rosberg (Finnland/Deutschland)
Hans Stuck und Hans-Joachim Stuck (Deutschland)
Jos Verstappen und Max Verstappen (Niederlande)
Gilles Villeneuve und Jacques Villeneuve (Kanada)
Manfred Winkelhock und Markus Winkelhock (Deutschland)

Brüder sind Formel-1-Rennsieger
Michael Schumacher und Ralf Schumacher (Deutschland)

Brüder in der Formel 1
David Brabham und Gary Brabham (Australien)
Tino Brambilla und Vittorio Brambilla (Italien)
Teo Fabi und Corrado Fabi (Italien)
Emerson Fittipaldi und Wilson Fittipaldi (Brasilien)
Pedro Rodriguez und Riccardo Rodriguez (Mexiko)
Ian Scheckter und Jody Scheckter (Südafrika)
Michael Schumacher und Ralf Schumacher (Deutschland)
James Stewart und Jackie Stewart (Großbritannien)
Gilles Villeneuve und Jacques Villeneuve sen. (Kanada)
Peter Whitehead und Graham Whitehead (Großbritannien)
Manfred Winkelhock und Joachim Winkelhock (Deutschland)