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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Warum für Nachwuchstalente gerade eine schlechte Zeit ist und Nico Hülkenberg bald Gefahr läuft, als ewiges Talent abgestempelt zu werden

Nico Hülkenberg, Felipe Massa

Nico Hülkenberg wurde auch in Abu Dhabi klar von Sergio Perez geschlagen Zoom

Liebe Leser,

das war sie also, die Formel-1-Saison 2015. Für uns ein letztes Mal in diesem Jahr Anlass, in unserer traditionellen Montags-Kolumne jemanden auszuwählen, der letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat. Rein metaphorisch natürlich, schließlich sind wir nicht dabei, wenn die Herren Grand-Prix-Stars am Sonntagabend zu Bett gehen. Und wie so oft gibt es auch diesmal mehrere Kandidaten, die für uns in die engere Wahl kommen.

Stoffel Vandoorne kommt einem da in den Sinn, der die GP2 in Grund und Boden gewonnen hat, aber trotzdem voraussichtlich kein Formel-1-Cockpit finden wird. Weil Fernando Alonso die von McLaren-Boss Ron Dennis ins Spiel gebrachte Idee eines "Sabbaticals" bei allem Frust über den lahmen McLaren-Honda offenbar wenig attraktiv findet. Oder auch Pascal Wehrlein, der frischgebackene DTM-Champion, der selbst im positivsten aller Fälle bestenfalls im Manor-Mercedes sitzen wird.

Es sind keine guten Zeiten für Nachwuchstalente, wenn abseits der Topteams fast alle händeringend um Budget kämpfen und dafür auch auf die Methode Paydriver setzen. Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Timo Glock, Nico Hülkenberg, Pastor Maldonado, Romain Grosjean und sogar, mit einem Jahr Verspätung, Jolyon Palmer: Sie alle führte der GP2-Titel in die Königsklasse. Doch Giorgio Pantano, Davide Valsecchi und Fabio Leimer wissen, dass der GP2-Titel allein nicht zwangsläufig ausreichend ist.

Porsche reduziert von drei auf zwei Autos

Während Vandoorne und Wehrlein immerhin in der Warteschleife hängen und sich durchaus Chancen ausrechnen dürfen, zumindest 2017 berücksichtigt zu werden, ist die Situation für Kevin Magnussen schon kniffliger. Zweiter im ersten Formel-1-Rennen der Karriere - und trotzdem steht er jetzt ohne Job da. Gekündigt ausgerechnet am Geburtstag. Denn auch die erhoffte Chance, für Porsche in Le Mans zu fahren, hat sich in Luft aufgelöst, weil Porsche am Wochenende bekannt gegeben hat, nur noch zwei statt drei Autos einzusetzen. Der Volkswagen-Abgasskandal lässt grüßen.


Fotostrecke: GP Abu Dhabi, Highlights 2015

Womit wir beim eigentlichen "Schlechtschläfer" der letzten Nacht sind: Nico Hülkenberg. Denn ganz egal, wie der Formel-1-Kalender 2016 auch aussieht, den der FIA-Motorsport-Weltrat am Mittwoch verabschieden wird: Er kann seinen Titel beim 24-Stunden-Rennen nicht verteidigen. Porsche hält an den angestammten Fahrerbesetzungen der WEC-Saison fest - was bedeutet: Hülkenberg und auch seine überragenden Teamkollegen Nick Tandy und Earl Bamber schauen durch die Finger.

Erstmals seit 2010 das Stallduell verloren

Auch sportlich hat Hülkenberg schon bessere Zeiten erlebt. Zum ersten Mal in seiner Karriere verlor er 2015 ein teaminternes Stallduell, und zwar mit 58:78 nach Punkten gegen Sergio Perez. Zugegeben, 2010 hatte er gegen Rubens Barrichello ebenfalls das Nachsehen, aber da war der Deutsche noch Rookie und der Brasilianer mit der Erfahrung eines Veterans ausgestattet. Dabei hat es im Sommer noch ganz und gar nicht danach ausgesehen, als würde 2015 ein negativer Beigeschmack haften bleiben.

Nico Hülkenberg und Christian Nimmervoll

Nico Hülkenberg in Austin 2013 im Gespräch mit Christian Nimmervoll Zoom

Hülkenberg hatte gerade Le Mans gewonnen und führte gegen Perez mit 24:15 Punkten, als es in die Sommerpause ging. Vereinzelt wurde er schon als potenzieller Nachfolger von Kimi Räikkönen bei Ferrari gehandelt, aber davon ist der 28-Jährige nun wieder meilenweit entfernt. Denn in der zweiten Saisonhälfte gelang es ihm nicht mehr, sich gegen Perez zu behaupten, dem seinerseits ohnehin das Scheitern bei McLaren in der Saison 2013 nachhängt.

In Sotschi und gleich beim nächsten Rennen in Austin wurde Hülkenberg in, diplomatisch ausgedrückt, vermeidbare Unfälle verwickelt, und wenn ihm Force-India-Betriebsdirektor Otmar Szafnauer trotz solcher Fehler die Note 8,8/10 für die Leistungen in der Saison 2015 gibt, dann ist das, ohne subjektive Teambrille betrachtet, schmeichelhaft. Und so läuft Hülkenberg langsam Gefahr, wie vor ihm schon die Herren Fisichella und Trulli als ewiges Talent abgestempelt zu werden.

Auf den Spuren von Jenson Button?

Nico Hülkenberg

Sternstunde: Nico Hülkenbergs Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans Zoom

Zugegeben, es ist ein bisschen polemisch, den amtierenden Le-Mans-Sieger und deutschen Motorsportler des Jahres mit einer solch harten Kritik in den Winter zu schicken. Aber unsere Kolumne ist schließlich dafür da, Themen provokant und subjektiv zu kommentieren. Und wenn ich 2016 eines Besseren belehrt werde und Hülkenbergs Formel-1-Karriere voll durchstartet, bin ich der Erste, der aufsteht und gratuliert.

Weil ich an seinem Talent nicht im Geringsten zweifle. Und er es unter anderen Umständen sicher mit anderen ehemaligen GP2-Champions aufnehmen könnte, die heute in der Formel 1 für Furore sorgen. Und noch eins sei an dieser Stelle gesagt: Jenson Button wurde auch schon als ewiges Talent gehandelt, ehe 2009 seine große Stunde schlug und er doch noch Weltmeister wurde...

Christian Nimmervoll

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