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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

FIA-Rennleiter Charlie Whiting muss sich Gedanken machen, ob die einstündige Unterbrechung in Silverstone in diesem Ausmaß gerechtfertigt war

Charlie Whiting

Charlie Whiting wurde von Niki Lauda nach der Rennunterbrechung scharf kritisiert Zoom

Liebe Leser,

es ist schon Tradition geworden, dass wir am Montagmorgen denjenigen küren, der die letzte Nacht vermutlich am schlechtesten geschlafen hat. Und selten fiel uns das so schwer wie diesmal. Denn Kandidaten gibt es nach dem Silverstone-Wochenende ein paar, aber so richtig drängt sich auch niemand auf.

Kimi Räikkönen hatte zum Beispiel einen schlechten Tag: Crash in der ersten Runde, schon 19:87 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso. Schlecht geschlafen hat er wegen der Schmerzen im Sprunggelenk ziemlich sicher. Felipe Massa käme auch in Frage, denn seit der Pole in Österreich stand Williams-Teamkollege Valtteri Bottas zweimal auf dem Podium, während der Brasilianer gestern von Räikkönen mit ins Aus gerissen wurde.

Auch Nico Rosberg hätte mit mehr als vier Punkten Vorsprung in der Weltmeisterschaft wohl besser geschlafen, gerade vor seinem Heimrennen in Hockenheim, und Sebastian Vettel kassierte die nächste Niederlage gegen Daniel Ricciardo. Ob das den Titelverteidiger inzwischen noch schlecht schlafen lässt oder ob er sich daran längst gewöhnt hat, ist freilich eine andere Frage. Adrian Sutil, so hört man, muss langsam um sein Sauber-Cockpit fürchten, so miserabel läuft es bei den Schweizern.


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Aber am allerschlechtesten geschlafen haben könnte in der vergangenen Nacht FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Denn Niki Lauda hat nicht ganz unrecht mit seiner Kritik, dass die Unterbrechung des Grand Prix von Großbritannien nach dem Räikkönen-Crash, die rund eine Stunde dauerte, ein Unding war. Ich kann mir gut vorstellen, dass da viele nach Wimbledon umgeschaltet haben, um Novak Djokovics tollen Fünfsatzsieg gegen Superstar Roger Federer zu sehen.

Klar, im Nachhinein ist man immer klüger. Und im Nachhinein wissen wir auch, dass es dort keinen Unfall mehr gegeben hat. Nun kann man mit Fug und Recht behaupten: Aber was wäre gewesen, wenn an der gleichen Stelle tatsächlich noch jemand abgeflogen und es wegen einer kaputten Leitplanke zu einer Katastrophe gekommen wäre? Ein Argument, das auch Niki Lauda nicht entkräften kann und das für Charlie Whiting spricht.

Kimi Räikkönen

Der Unfall von Kimi Räikkönen war der Auslöser für die lange Unterbrechung Zoom

Aber überlegen muss sich die FIA auf jeden Fall etwas, denn einstündige Unterbrechungen am Sonntagnachmittag, wenn die Formel 1 gegen Tennis und traumhaftes Badewetter konkurriert, sind nicht akzeptabel. Vielleicht sind Schnellverschluss-Leitplanken die Lösung; vielleicht wäre eine Reparatur auch tatsächlich gar nicht nötig gewesen, weil die Barrieren auch mit leichter Delle ihren Zweck erfüllt hätten. Das gilt es sich anzuschauen.

Und so fällt mir noch ein Verlierer des gestrigen Tages ein: der Formel-1-Fan an sich. Denn der hatte sicher Besseres zu tun, als britischen Arbeitern eine Stunde lang dabei zuzusehen, wie sie eine Leitplanke wechseln. Was mir übrigens noch immer keiner erklären kann: Warum das so lange dauert. Beim nächsten Mal sind Ersatzplanken und das richtige Werkzeug hoffentlich schneller an der Unfallstelle.

Ihr

Christian Nimmervoll