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  • 09.06.2014 · 09:21

  • von Stefan Ziegler

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Die Leiden des Lewis Hamilton: Zum zweiten Mal in dieser Saison hat ihn die Technik im Stich gelassen, doch erstmals setzte es eine Schlappe in Kanada

Lewis Hamilton

Ins Grübeln gekommen: Lewis Hamilton hat schon wieder einen Technikdefekt erlitten Zoom

Liebe Leser,

mit welchen Gefühlen mag Lewis Hamilton am Sonntagabend wohl zu Bett gegangen sein? Nach feiern war ihm nach dem Großen Preis von Kanada (alle Infos hier!) sicherlich nicht zumute. Wahrscheinlich wollte Hamilton nach dem siebten Formel-1-Saisonrennen einfach nur weg. Weg von der Rennstrecke in Montreal, die erstmals kein wirklich gutes Pflaster für ihn war. Und weg von einem herben Rückschlag.

Nichts anderes war Kanada-Grand-Prix aus der Sicht des Mercedes-Piloten. Denn während er zum zweiten Mal in dieser Saison ausfiel und keine Punkte sammelte, fuhr ausgerechnet sein großer WM-Rivale und Teamkollege Nico Rosberg wieder auf das Treppchen. Und mit den 18 Zählern für den zweiten Platz vergrößerte der Deutsche seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf nun 22 Punkte.

Wieder ein großer Rückstand für Hamilton

Auch das dürfte Hamilton in der Nacht auf Montag beschäftigt haben. 22 Punkte - das ist in der Formel 1 schließlich fast so viel wert wie ein Rennsieg. Und wir erinnern uns: Hamilton hat nach seinem Ausfall beim Auftakt in Australien vier Grands Prix gebraucht, um sein Punktedefizit gegenüber Rosberg auszugleichen und die WM zu seinen Gunsten zu drehen. Jetzt läuft er schon wieder einem Rückstand hinterher.

Eine unruhige Nacht dürfte Hamilton auch deshalb gehabt haben, weil erneut er es war, den die Technik im Stich gelassen hat. Rosberg, gemeinsam mit Fernando Alonso (Ferrari) und Nico Hülkenberg (Force India) als einziger Fahrer bei jedem Saisonrennen in den Punkten, kam hingegen irgendwie über die Runden. Sein Mercedes hielt durch. Doch Hamiltons Fahrzeug machte einfach schlapp.


Fotos: Lewis Hamilton, Großer Preis von Kanada


Einen Vorwurf machen kann sich Hamilton deshalb nicht. "Ich habe mein Bestes gegeben und glaube, dass ich ein starkes Rennen gefahren bin. Es war aber leider nicht unser Tag", sagte er nach dem bitteren Aus. Was bleibt, ist die Hoffnung: "Es liegen in dieser Saison noch viele Rennen vor uns. Hoffentlich haben wir dann etwas mehr Glück." Doch mit Glück alleine ist es 2014 wohl nicht getan.

Schon seit Monaco hat Rosberg die Oberhand

Ja, technische Defekte haben Hamilton in diesem Jahr bereits zwei Rennen gekostet. Das war Pech, schlicht und ergreifend. Als Fahrer kannst du da nicht viel machen, bist der Technik ausgeliefert. Das muss Hamilton akzeptieren. Erkennen muss er aber auch: Das "Momentum", den besseren Schwung, das hat im Augenblick sein Mercedes-Teamkollege Rosberg. Und das nicht erst seit dem Kanada-Rennen.

Wir blicken erneut zurück: Beim Europa-Auftakt in Barcelona zog Hamilton mit seinem vierten Sieg in Folge an Rosberg vorbei und führte erstmals 2014 die Fahrer-WM an. Doch dann kam Monaco. Und mit Monaco kam die Wende zugunsten von Rosberg, der Hamilton in den Straßen Monte Carlos keine Chance ließ. "Parkmanöver" hin oder her - die Niederlage beim Klassiker dürfte Hamilton geschmerzt haben.


Fotostrecke: GP Kanada, Highlights 2014

Und dann Kanada. Der Ort, an dem Hamilton 2007 sowohl seine erste Pole-Position als auch seinen ersten Rennsieg in der Formel 1 erzielt hat. Der Ort, an dem er 2010 und 2012 erneut gewonnen hat. Der Ort, an dem er seine Stallgefährten im Qualifying stets im Griff hatte (Datenbank: Hamilton in Kanada!). Bis 2014. Bis ihn Rosberg um 0,079 Sekunden schlug. Nur Startplatz zwei, erster Verlierer - also wieder ein Nadelstich.

Hamilton ist in Zugzwang

Da kann man als Rennfahrer schon mal ins Grübeln kommen. Und so wird sich Hamilton gestern Abend vielleicht auch gefragt haben: Wo ist er denn hin, der 'Mega-Lewis', dem nicht nur die Presse erst kürzlich noch die beste Form seiner Karriere attestiert hat? Hat Rosberg im Team- und WM-Duell etwa die Oberhand gewonnen? Und wie mag sich das Ganze wohl beim nächsten Formel-1-Rennen fortsetzen?

Dort, beim Österreich-Grand-Prix, beginnt sie also erneut, die Aufholjagd von Hamilton. Wieder hat Rosberg nach einem Ausfall Hamiltons einen nicht unerheblichen Punktevorsprung. Und wieder ist Hamilton in Zugzwang. Zweifel kann er da nicht gebrauchen. Irgendwo tief drin in ihm ist sie aber bestimmt, die Frage: "Wenn etwas schiefgeht bei Mercedes, warum trifft es eigentlich immer mich?"

Mark Webber kann ein Lied davon singen. Auch Sebastian Vettel weiß inzwischen gut, wie es ist, wenn immer nur die eigene Kiste eingeht, aber niemals die des Teamkollegen. Das ist bitter. Vor allem, weil du es selbst nicht in der Hand hast, dir keine Vorwürfe machen kannst. Und genau so muss es Hamilton auch sehen: Er wurde eingebremst von der Technik, hat aber das Fahren nicht verlernt.

Genau das wird Hamilton beim Großen Preis von Österreich unter Beweis stellen wollen. Und das muss er auch, wenn er das "Momentum" von Rosberg und dessen WM-Vorsprung nicht noch weiter anwachsen lassen will. Hamilton ist in Spielberg also gefordert. Auch, weil direkt danach der Grand Prix von Großbritannien gefahren wird, sein Heimrennen. Und dort erwarten alle einen Hamilton in Topform.

Wie mag es wohl weitergehen? Ich bin gespannt! Seid Ihr es auch?

Euer

Stefan Ziegler

PS: Ihr findet mich auch auf Twitter unter @MST_StefanZ!

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