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Weitere Piquet-Aussagen: "Warum in Gottes Namen muss er sowas sagen?"

Nelson Piquet hat Lewis Hamilton nicht nur rassistisch diskriminiert, sondern auch homophobe Äußerungen getätigt - Martin Brundle übt scharfe Kritik

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Rassismus-Skandal rund um die Formulierung "kleiner Schwarzer", die Nelson Piquet sen. in einem Interview für Lewis Hamilton gebraucht hat, tauchen nun nach und nach weitere verbale Verfehlungen des dreimaligen Weltmeisters aus Brasilien auf.

Nelson Piquet sen.

Derzeit tauchen immer mehr rassistische und homophobe Aussagen von Nelson Piquet auf Zoom

Demnach hat Piquet in jenem Interview mit dem Vodcast 'Motorsports Talk', das bereits im November 2021 geführt wurde, aber jetzt erst in den Fokus der internationalen Motorsportmedien geraten ist, Hamilton nicht nur zweimal abwertend als "Neguinho" bezeichnet, sondern sich auch an anderen Stellen in der Sprache vergriffen.

Beispielsweise sagte er über seinen früheren Rivalen Keke Rosberg, dass dieser "scheiße" und "wertlos" gewesen sei, und über Nico Rosberg, dass dieser nur Weltmeister 2016 geworden sei, weil Hamilton in jener Saison "ziemlich schlecht" war und ihm, sinngemäß übersetzt, den Arsch hingehalten habe - eine eindeutig homophobe und schwulenfeindliche Anspielung.

Gab es nach dem Bekanntwerden der ersten rassistischen Äußerungen des dreimaligen Weltmeisters zumindest mancherorts noch Verständnis für Piquet, so scheint sein Kredit nun endgültig aufgebraucht zu sein. Dem Vernehmen nach hat die Formel 1 entschieden, ihn nicht mehr in den Paddock zu lassen. Eine bisher einmalige Sanktion gegen einen ehemaligen Weltmeister.

Brundle: Was Piquet gesagt hat, ist nicht entschuldbar

Martin Brundle, heute Experte beim TV-Sender 'Sky' und zwischen 1984 und 1991 einer von Piquets Gegnern in der Formel 1, geht scharf mit seinem früheren Rivalen ins Gericht: "Ich bin gegen Nelson gefahren und kenne ihn seit 40 Jahren. Er war immer schon dreist und wusste nie, wo bei persönlichen Kommentaren die Grenze ist, zum Beispiel über Roseanne Mansell oder Ayrton Senna."

Denn, was viele jüngere Leser vielleicht nicht wissen: 1987 wurde Piquet auf Williams zum dritten Mal Weltmeister und wechselte für die Saison 1988 zu Lotus. Über seinen Titelrivalen 1987, seinen Teamkollegen Nigel Mansell, dem in entscheidenden Momenten Fehler unterliefen, sagte er damals: "Dies ist der Sieg des Glücks über die Dummheit."

Vor Beginn der Saison 1988 legte Piquet dann nach. Mansell sei ein "ungebildeter Schwachkopf", seine Frau Roseanne "hässlich". Außerdem bezeichnete er Enzo Ferrari in dem Interview als "senil" und unterstellte Ayrton Senna, schwul zu sein. Letzteres kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Piquets homophobe Äußerung gegenüber Hamilton im November 2021 auch kein Zufall war.

Nelson Piquet (Lotus) und Martin Brundle (Brabham) beim Grand Prix von Portugal in Estoril 1989

Nelson Piquet und Martin Brundle beim Grand Prix von Portugal in Estoril 1989 Zoom

Laut Brundle sei das, was Piquet jetzt von sich gegeben hat, "ein ganz neues Niveau. Warum in Gottes Namen muss er sowas sagen? So, wie ich das verstehe, wird da ja noch einiges auftauchen, wenn die Übersetzungen mal fertig sind. Ich bin enorm enttäuscht über Nelson, dass er das Bedürfnis hat, sich so ausdrücken zu müssen."

Hamilton appelliert an die Medienvertreter

Hamilton, den Piquet mit seinen Aussagen rassistisch diskriminiert und herabgewürdigt hat, betont indes, dass "wir diesen Leuten keine Plattform mehr geben sollten". Piquet und auch Bernie Ecclestone, der mit Aussagen über Wladimir Putin und den Ukrainekrieg für Empörung gesorgt hat, seien seiner Meinung nach "Stimmen von gestern", die "nicht hilfreich" seien.

"Wir leben in schwierigen Zeiten und müssen die Menschen zusammenbringen. Wir sind doch alle gleich", sagt Hamilton. Die Piquets und Ecclestones dieser Welt seien "aus der Zeit gefallen und nicht bereit, sich zu ändern. Und diese Untertöne der Diskriminierung und der Mikroaggression sind einfach nicht hilfreich und spalten die Gesellschaft."

Es könne nicht sein, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, oder auch Frauen wegen ihres Geschlechts, unterstreicht der siebenmalige Weltmeister: "Diskriminierung ist nichts, was wir weiterhin abbilden und verbreiten sollten. Wir sollten diesen Leuten keine Plattform mehr geben, die Menschen zu spalten", appelliert er an die Formel 1 und an die Medien.

Hamilton selbst verkneift es sich, gegen Piquet eine Retourkutsche zu verteilen: "Ich liebe es, was Michelle Obama sagt: 'Wenn die untergriffig werden, blühen wir erst recht auf.' (Englisch: 'When they go low, we go high!') Genauso handhabe ich das auch weiterhin. Mich inspirieren solche Menschen sogar irgendwie", sagt er.

Vettel: Steht auf gegen Diskriminierung!

Auch Sebastian Vettel zeigt kein Verständnis für Piquet. Wenn Menschen ihre Aussagen relativieren, indem sie behaupten, sie seien missverstanden worden, "müssen sie nachdenken, was sie eigentlich gesagt haben. Und sie müssen realisieren, dass sie einen Fehler gemacht haben, und ihr Verhalten in Zukunft ändern."

Er meint: "Warum sollte man solche Dinge sagen, wenn man weiß, dass das andere Menschen verletzt? Manche denken vielleicht: 'Ist doch gar nicht so schlimm.' Mag sein. Aber wenn ich weiß, dass es andere Menschen verletzt, dann lasse ich das doch sein oder bilde mich zu dem Thema." Denn wer sich mit diesem Thema auseinandersetze, der wisse, "dass das nicht cool ist".

Vettel appelliert: "Wenn du in einen Zug steigst und Diskriminierung miterlebst, dann sollten wir nicht nur für uns denken, dass das falsch ist, sondern auch dagegen aufstehen. Wir sollten vor solchen Situationen keine Angst mehr haben. Das erfordert Mut, aber ich glaube, dass wir in Wahrheit mehr Verbündete haben als wir denken."

Warum es wichtig ist, was Formel-1-Fahrer sagen

Und er nimmt auch seine Fahrerkollegen in die Pflicht: "Das ist jetzt nur ein Beispiel. Aber Fahrer wie 'Checo' oder Fernando sind in ihrer Heimat Helden. Die Menschen denken, dass 'Checo' ein cooler Kerl ist. Was immer er sagt, es ist cool. Und wenn er die richtigen Dinge sagt, glauben wir die richtigen Dinge."

"Die Kids schauen zu uns auf und versuchen, wie wir zu sein. Ich habe auch zu Michael aufgeschaut. Ich habe ihn vergöttert. Sein Fahren, aber auch wie er sich verhalten hat, welche Schuhe er getragen hat - daran orientierst du dich. Daher ist es die Verantwortung von uns, die wir in der Öffentlichkeit stehen, die richtigen Geschichten zu erzählen und Verantwortung zu übernehmen."

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