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  • 27.11.2011 · 23:38

Webber: "Ich fuhr ein Rennen gegen mich selbst"

Mark Webber über die Befriedigung, doch noch ein Rennen gewonnen zu haben, und warum er am Ende noch einmal drei schnellste Rennrunden fuhr

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Mark, ein Sieg, den du mit in den Winter nimmst! Wie fühlst du dich im Moment?"
Mark Webber: "Sehr gut! Um ehrlich zu sein, ich habe mich das gesamte Wochenende über gut gefühlt. Sebastian fuhr gestern eine großartige Runde auf die Pole, doch heute war das Glück auf meiner Seite. Es wäre schön gewesen, die gesamte Zeit über ein Rennen mit Sebastian zu fahren, aber ich denke, dass er ein kleines Problem hatte."

Sebastian Vettel, Mark Webber

Webber hätte sich die Führung lieber erkämpft, statt sie überreicht zu bekommen

"Es ist ein Sieg, den man sich natürlich schnappt, denn ich hatte genug Pech, oder wie man das auch immer nennen mag. So läuft Motorsport manchmal. Es ist für mich also ein sehr wichtiger Sieg, und auch für das Team, um die Saison erneut mit einem Höhepunkt zu beenden."

"Um ehrlich zu sein, die letzten paar Runden habe ich genossen. Ich konnte etwas später an die Box gehen und die Leute hinter mir halten, und all diese Dinge, das war gut. Ich habe es genossen, diese letzten Runden zu fahren. Dies war eine schöne Art, um die Saison zu beenden. Ich möchte diesen Sieg einem engen Freund von mir, Bob Woods, und meiner Familie widmen, der im Moment ein sehr kranker Mensch ist. Dieser Sieg ist also für ihn."

Frage: "Nach den ersten paar Boxenstopps war es zwischen dir und Fernando ziemlich knapp. Er hat dir dort dreieinhalb Sekunden abgenommen. Hast du dir zu diesem Zeitpunkt Sorgen gemacht?"
Webber: "Nun, ich wusste, dass er in der ersten Runde an Boxenstopps etwas Zeit gewonnen hat. Natürlich bin ich etwas länger gefahren als ich dies gerne gemacht hätte, da Sebastian beim ersten Boxenstopp natürlich die Priorität hatte. Zu diesem Zeitpunkt ging meinen Reifen also der Saft aus."

"Ich wusste, dass ich verlieren würde, wenn jemand etwas kürzer fahren würde. In diesem Fall war es natürlich so, dass ich nicht nur auf Sebastian verlor. Ich verlor etwas mehr auf Fernando. Ich war über den Abstand etwas überrascht, beinahe drei Sekunden oder etwas darüber."

"Er muss einen guten Start gehabt haben und hier und dort bei der Fahrt an die Box und aus der Box etwas mehr riskiert haben. Zudem geriet ich glaube ich auf meiner Runde aus der Box auch etwas in Verkehr. Manchmal läuft es einfach so."

Frage: "Das war für Red Bull natürlich ein dominantes Jahr. Glaubst du, dass du kommendes Jahr deinen Teamkollegen eine härtere Zeit bescheren kannst?"
Webber: "Ich denke, dass ich eine stärkere Saison haben kann als dieses Jahr. Aus einer Vielzahl an Gründen bin ich natürlich schwach in dieses Jahr gestartet. Man muss sich alle verschiedenen Gebiete anschauen, um auf das höchste Niveau zu kommen, und wenn die Messlatte hoch liegt, dann natürlich nicht nur wegen Sebastian."

"Ich komme nicht hierher und denke nur über ihn nach, es gibt auch in den anderen Teams klasse Fahrer: JB, Lewis, Fernando... das macht es auch so lohnenswert."

"Für mich ist es eine ganz nette Medizin, dieses Jahr so zu beenden. Aus diesem Grund hat es mir auch gut getan, in diesen letzten paar Runden das Auto zu spüren und den RB7 an das Limit zu bringen, denn es hat mir zuvor nicht wirklich beeindruckende Erinnerungen beschert."

"Aber heute war es für mich ein sehr spezieller Tag, und ich werde das mit in den Winter nehmen. Ich hatte natürlich auch ein paar andere gute Fahrten, aber Sebastian hatte ein großartiges Jahr, und das Team ebenfalls, auch die Zuverlässigkeit von Renault war toll."

"Auf vielerlei Gebieten waren wir bombensicher, und das hat es den Gegnern schwer gemacht. Das ist wichtig. Und ich freue mich darauf, im Winter surfen zu lernen und etwas zu entspannen, die Batterien aufzuladen und dann im Februar wieder zurückzukehren und mich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren."

Frage: "Verspürst du ein wenig Erleichterung, dass du gewonnen hast?"
Webber: "Ja, die gibt es. Das Gefühl ist einfach schön. Natürlich nimmt man es im Motorsport so, wie es kommt. Da braute sich ein ordentlicher kleiner Kampf mit Sebastian und mir zusammen. Die Geschwindigkeit war am Ende meiner Rennabschnitte nicht allzu schlecht."

"Ich bin mir nicht absolut sicher, wann er begann, ein paar kleine Probleme zu haben. Aber natürlich kann ich nur kontrollieren, was ich mache. Also habe ich weiterhin Druck gemacht. Und dann ging es darum, mich zu verteidigen, was auch Fernando in der Lage sein würde zu tun. Und schlussendlich erwies es sich für mich als möglich. Ich stellte dann sicher, dass wir die Reifen korrekt belasten, um es bis zu Zielflagge zu schaffen."

"Bei noch zehn verbleibenden Runden begann ich zu denken 'Okay, es ist schön, das Jahr mit einem Sieg zu beenden, schön, das Auto unter einem gut zu fühlen, schön, den zweiten Sieg hier in Brasilien zu holen'. Für mich war es schon immer eine schöne kleine Strecke, ein kleiner Klassiker."

"Es war ein ziemlich gutes Jahr, aber natürlich nicht so wie 2010. Alle Jungs an meinem Auto, besonders Gav und Ciaron, haben dieses Jahr alles gegeben. Es war gut und ich bin glücklich, dass ich heute den Sieg geholt habe."

Frage: "Du hast über diese letzten zehn Runden geredet. Die letzten drei waren alle die schnellsten Rennrunden des Rennens...
Webber: "Es wurde ein wenig frustrierend, denn ich nahm die Reifen in die achte Kurve hinein etwas zu hart ran. Auf der letzten Runde bekam ich sie etwas besser hin, ansonsten hätte ich sie wohl etwas früher geholt. Aber ich machte weiterhin richtig Druck."

"Ja, darum dreht es sich, sich selbst anzutreiben und es zu versuchen. Ich fuhr zu diesem Zeitpunkt lediglich gegen mich selbst, das war ein schönes Gefühl, das Auto so gut unter dir arbeiten zu spüren. Wie ich schon sagte, in diesem Winter ist ein enger Familienfreund schwer erkrankt, diesen Sieg widme ich also ihm."

Frage: "Was sagte das Team über die Probleme von Sebastian?"
Webber: "Es meldete sich sehr schnell. Ich dachte, dass er entweder früher mit den Reifen Probleme hat, als er sie haben sollte, oder dass KERS oder so etwas nicht funktionieren würde. Denn eine Sache ist sicher, Sebastian vergisst nicht von einer Runde auf die andere, wie man fahren muss."

"Als ich begann, pro Runde ziemlich viel Zeit auf ihn gutzumachen, da dachte ich, dass ihn etwas im Stich lässt. Und dann informierte mich Ciaron, dass er ein Getriebeproblem hat. Und ich denke, dass ich es auch ein wenig riechen konnte, als ich ihm nahe kam, und das auch etwas Flüssigkeit auslief."

"Normalerweise ist das ein schönes Gefühl. Natürlich waren das für mich gemischte Gefühle, denn es gab die Chance, den Sieg zu holen, aber ich weiß, wie hart die Jungs vergangene Nacht an Sebastians Getriebe gearbeitet haben, da es nicht komplett problemlos war. Sie haben es zusammen bekommen, aber schlussendlich stellte sich heraus, dass sie etwas im Stich gelassen hat."

"Da das Rennen noch so lange dauern würde, dachte ich natürlich, dass er das Rennen nicht beenden würde, aber das Auto hat es dennoch bis ins Ziel geschafft. Als ich das erste Mal an Sebastian vorbei ging, da realisierte ich, dass das Rennen für ihn nicht vorbei ist. Aber normalerweise werden die Probleme schlimmer."

"Ich richtete meinen Rhythmus also nicht nur an Sebastian aus. Wenn ich Druck machte, dann war meine Runde die meiste Zeit über eine halbe Sekunde oder vier Zehntelsekunden schneller als seine. Und dann waren einige Runden gleich schnell wie seine, hauptsächlich deswegen, weil ich nicht komplett diszipliniert gegenüber mir selbst war, da ich wusste, dass ich den Reifen eine Chance geben sollte, etwas durchzuatmen, und die Rennabschnitte etwas länger gestalten sollte, den Abstand halten sollte, egal, wie groß er auch war. In einigen Runden konnte ich Druck machen und den Reifen etwas mehr Raum lassen, als ich weniger Benzin an Bord hatte und so weiter."

Frage: "Deine Saison ist ziemlich ohne Schwung losgegangen, war ziemlich holprig, dann lief es etwas runder und die Geschwindigkeit wurde besser. Wie sehr wird dir dieser Sieg im Hinblick auf das kommende Jahr Schwung verleihen und dir zu einem fliegenden Start verhelfen?"
Webber: "Selbst wenn der Sieg heute nicht gekommen wäre, so denke ich jedoch, dass es in den letzten drei oder vier Veranstaltungen ein paar positive Zeichen gegeben hat. Um ehrlich zu sein, das Team weiß, dass es ein paar Rennen gegeben hat, in denen ich eine ordentliche Geschwindigkeit hatte, bedenkt man einige der Dinge, die vor sich gegangen sind, ob dies nun eine Beschädigung am Auto oder an Teilen hier und dort gewesen war. Das ist keine Ausrede, es ist einfach passiert."

"Manchmal war meine Geschwindigkeit an Sonntagen definitiv besser als sie es zu Beginn des Jahres war. Es gab also ein paar Hinweise, dass es positiver läuft. Das war heute für mich ein guter Grand Prix, die Geschwindigkeit war gut."

"Natürlich sind wir uns nicht sicher, wie es gelaufen wäre, wenn Sebastian kein Problem gehabt hätte. Aber vielleicht wäre ich nicht allzu weit hinter ihm ins Ziel gekommen, vielleicht ein wenig vor ihm. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn er sich einen Fehler oder was auch immer geleistet hätte, oder falls ich mir einen Fehler erlaubt hätte. Wir können nicht beurteilen, was im restlichen Großen Preis von Brasilien hätte passieren können."

"Aber es ist keine schlechte Sache, das Jahr so zu beenden. Eine der wichtigsten Dinge war es gewesen, dass ich begann, das Auto ein wenig besser zu spüren, in Bezug auf die Richtung und die Arbeit zusammen mit den Jungs besser vorangekommen bin. Das ist schon vor einer Weile passiert, nicht erst bei diesen Rennen. Wir haben begonnen, besser zu verstehen, wie wir zusammenarbeiten können. Denn nun holen wir das Maximum aus dem Auto heraus, und das ist auch für das Team ein Erfolg. Ja, mit diesem Sieg bin ich glücklich, das steht fest."

Frage: "Wir haben in diesem Rennen ziemlich viele Getriebeprobleme gesehen. Hat dies etwas mit mechanischer Ermüdung am Ende des Jahres zu tun oder ist dies eine besondere Herausforderung von Interlagos?"
Webber: "Ich denke, dass es wohl Materialermüdung ist? Caipirinhas? Man weiß es nie. Es war ein langes Jahr, vielleicht war es auch Zufall. Die zweite Kurve ist innen und außen für das Heck des Autos sehr hart. Die Getriebe sind in der heutigen Zeit ziemlich zuverlässig. Sie müssen einige Veranstaltungen durchhalten."


Fotos: Mark Webber, Großer Preis von Brasilien, Sonntag


"Ich weiß nicht, wo die Leute in Bezug auf ihre Getriebe und den Zyklus waren. Aber da wir heute ein paar Probleme bei dem Top-Teams hatten - eines mit Lewis und eines mit Sebastian - ist es doch etwas unglücklich, solche Ausfälle dieser Tage zu haben. Normalerweise sind die Autos wie Computerspiele, sie laufen einfach weiter. Die Fahrer fahren sie. Wir hatten heute sehr wenig Ausfälle."

Frage: "Du scheinst diesmal einen ziemlich normalen Start gehabt zu haben, hattest keine Probleme und manchmal einen Rückstand von bis zu drei Sekunden auf Sebastian. Denkst du, dass du unter normalen Bedingungen in der Lage gewesen wärst, im Rennen gegen ihn zu kämpfen?"
Webber: "Wie du schon gesagt hast, der Abstand hat sich in einem Drei-Sekunden-Fenster bewegt. Es wäre schön gewesen, wenn er etwas geringer gewesen wäre, aber so war es zu diesem Zeitpunkt wenn man sich innerhalb dieses Rückstands befindet, dann kann es eine fallende Radmutter sein, ein kleiner Konzentrationsaussetzer von Sebastian und dann bist du dran. Es ist also unmöglich zu sagen, wie das restliche Rennen verlaufen wäre."

"Sebastian war im Qualifying sehr stark und zu Beginn der Rennabschnitte sehr stark. Und ich fühlte mich am Ende der Rennabschnitte etwas komfortabler, was wohl das erste Mal in dieser Saison war, um ehrlich zu sein. Es ist schwierig zu sagen, aber es wäre sehr hart gewesen, Sebastian herauszufordern. Aber man weiß es nie."