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Von "Schumi" bis Fangio: Vettels zehn Lieblingspiloten

Sebastian Vettel beweist Geschichtsbewusstsein und gibt preis, welche zehn Piloten aus der Formel-1-Historie ihn aus welchen Gründen besonders beeindrucken

(Motorsport-Total.com) - Kaum ein Formel-1-Pilot zeichnet sich durch so viel Geschichtsbewusstsein wie Sebastian Vettel aus. Im Gegensatz zu seinem langjährigen Vorbild und nunmehrigen Freund Michael Schumacher, der sich in seiner Jugend nicht viel aus den Größen der Szene machte, ist der Red-Bull-Pilot trotz seiner Triumphe Formel-1-Fan geblieben. Das erkennt man, wenn Vettel am Abend des Trainingstags in Monaco mit leuchtenden Augen die Wiederholung auf der großen Videoleinwand im Hafen verfolgt - wie er selber sagt aus purer Begeisterung.

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel gilt als großer Kenner der Formel-1-Historie Zoom

Und so kommt es, dass Vettel, der bei Ayrton Sennas letztem WM-Titel 1991 gerade mal vier Jahre alt war, die Historie der "Königsklasse" des Motorsports genau studiert hat und sich auch mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, zu dem er ein gutes Verhältnis pflegt, gerne über die alten Formel-1-Tage unterhält. Doch welche Persönlichkeiten haben den 26-Jährigen am meisten beeindruckt? Vettel sieht sich gegenüber 'Auto Bild motorsport' (jetzt abonnieren!) außerstande, seine Lieblingspiloten aus der Formel-1-Geschichte zu reihen, er hat aber eine Auswahl seiner zehn Favoriten getroffen.

Schumacher: das Kindheitsidol

Dass Schumacher davon ein Teil ist, darf nicht überraschen - Vettel hatte schon als kleiner Junge ein Poster des erfolgreichsten Piloten aller Zeiten in seinem Kinderzimmer. Der Superstar hatte in Deutschland den Formel-1-Boom ausgelöst, von dem auch der Heppenheimer profitierte und der ihm schließlich den Weg in die Formel 1 vereinfachte.

Sebastian Vettel und Michael Schumacher (1999)

Legendär: Schumacher und der zwölfjährige Vettel nach einem Kartrennen Zoom

"Als er mir als kleiner Bub mal einen Siegerpokal übergab, war das wie Weihnachten für mich", erinnert sich Vettel gegenüber 'Auto Bild motorsport' an ein prägendes Erlebnis. "Zum Glück konnte ich noch gegen ihn fahren. Er war hart, aber immer fair. Abseits der Strecke hatten wir ein sehr gutes Verhältnis." Vor allem die Rekordjagd seines "Kindheitsidols" hat bei Vettel Eindruck hinterlassen: "Die Rekorde stehen für sich. Ob sie jemals einer einstellen kann, darüber denke ich noch nicht mal nach."

Senna: der Mythos

Auch Schumachers Vorgänger als Formel-1-Dominator hat es in Vettels Top-10-Liste geschafft: Ayrton Senna. "Mein Vater war anfangs Senna-Fan, bevor dann Michael Schumacher kam", verrät Vettel. Die erfolgreichste Zeit des charismatischen Brasilianers hat er wegen seiner Jugend nur am Rande miterlebt.

Die sensationelle erste Runde in Donington 1993 und der Todessturz 1994 in Imola - "es war eines meiner einschneidenden Erlebnisse" - haben sich aber in Vettels Gedächtnis eingebrannt. An Senna begeistert den Red-Bull-Piloten auch der außergewöhnliche Charakter: "Er ist Mythos. Nicht nur als Fahrer, auch als Persönlichkeit."

Häkkinen und Mansell: Immer am Limit

Sebastian Vettel mit Nigel Mansell

Vettel und Mansell kennen einander schon seit BMW-Tagen Zoom

Der erste McLaren-Weltmeister nach Senna 1991 war der Finne Mika Häkkinen 1998 - auch er steht auf Vettels Liste. "Bei Häkkinen hatte man einfach das Gefühl: Der steigt ins Auto ein und ist sauschnell", bleibt der zweifache Weltmeister als Vollgastier in Erinnerung. "Ein typischer Finne." Wie Vettel profitierte auch Häkkinen in seinen Erfolgsjahren von Adrian Neweys Designkenntnissen, aber auch "wenn das Auto nicht gut war, hat er immer alles aus der Kiste rausgeholt", zeigt er sich beeindruckt.

Dieser Einsatz und die Fähigkeit, sofort ans Limit gehen zu können, begeistern Vettel auch bei Nigel Mansell. "Bei ihm ging alles immer sehr dramatisch ab, das wurde ein bisschen sein Markenzeichen. Er kämpfte aber auch wie ein Löwe in jedem Rennen und hatte danach auch immer flotte Sprüche drauf", verweist er auf das legendäre Kämpferherz des Briten, das sich auch in den Stallduellen mit Nelson Piquet zeigte. "Heute sehe ich ihn manchmal bei Rennen, wenn er einer der vier Rennkommissare ist", laufen sich Vettel und Mansell hin und wieder über den Weg.

Prost: der Umstrittene

Ein Pilot, dessen Fahrstil und Auftreten sich deutlich von Mansell unterschieden haben, ist Alain Prost. Während der Brite als Hitzkopf mit spektakulärem Fahrstil galt, fuhr der Franzose deutlich unauffälliger, erwies sich dabei aber als extrem effizient. Seine Cleverness brachte ihm den Spitznamen "der Professor" ein.

"Er hat vier WM-Titel gewonnen, über 40 Siege - das sagt ja schon alles", ist es die Bilanz des inzwischen 58-Jährigen, die Vettel Respekt abringt. Als Prost im Vorjahr bei einer Renault-Demonstration den Red Bull Vettels ausprobieren durfte, kam es zum Aufeinandertreffen der beiden. "Wir haben vergangenes Jahr ein bisschen gefachsimpelt über seinen Williams damals und andere Autos", erzählt der aktuelle WM-Leader. "Ich denke aber, man hat als Rennfahrer zwei Seiten."

Obwohl der langjährige McLaren-Pilot "sehr nett" wirke, gäbe es immer "die eine Seite im Auto und die andere Seite außerhalb." Prost galt stets als großer Politiker - "ein spezieller Charakter. Von manchen geliebt, von anderen gehasst", urteilt Vettel. "Man hört, dass er ein sehr feinfühliger Fahrer war."

Lauda: geradlinig wie Vettel?

Noch vor dem legendären Stallduell mit Senna musste sich Prost bei McLaren mit der österreichischen Formel-1-Legende Niki Lauda herumschlagen. Der Wiener schaffte es 1984, den Mann aus Saint-Chamond um einen halben WM-Punkt zu besiegen und den Titel zu holen, im Jahr darauf musste er sich aber der Jugend beugen und beendete seine Karriere.

Sebastian Vettel und Niki Lauda

Vettel schätzt Niki Lauda für seine Geradlinigkeit Zoom

Doch Lauda, der ebenfalls in Vettels Top-10-Liste vorkommt, blieb der "Königsklasse" stets erhalten - zunächst als Ferrari-Berater, dann als Jaguar-Teamchef und nun als Mercedes-Aufsichtsrats-Vorsitzender. Zum 64-Jährige pflegt Vettel ein gutes Verhältnis, und ihm fällt auf, dass Lauda im Gegensatz zu Prost einer der Fahrer war, "die im Auto genauso waren wie außerhalb".

Was Vettel an Lauda fasziniert? "Dass er sechs Wochen nach seinem schweren Feuerunfall am Nürburgring schon wieder ins Auto gestiegen ist", verweist er auf die Saison 1976. Das gute Verhältnis zum Mann mit der legendären roten Kappe beruht laut Vettel am direkten Umgang, den beide pflegen. "Das liegt mir, das mag ich, denn so bin ich auch."

Rindt: die Persönlichkeit

Durch Arbeitgeber Red Bull bewegen sich viele Österreicher im Umfeld des Weltmeisters - einer der einflussreichsten ist Motorsportkonsulent Helmut Marko, ehemaliger Schulfreund des einzigen posthumen Weltmeisters der Formel-1-Geschichte: Jochen Rindt. Vettel outete sich schon mehrmals als großer Bewunderer der Lotus-Legende, die von Ecclestone gemanagt wurde und nicht nur durch den tragischen Tod in Monza 1970 Kultstatus erlangte.

"Ich finde einfach seine Persönlichkeit und seinen Charakter faszinierend", erklärt er die Gründe für seine Rindt-Begeisterung. Vettel kennt durch Gespräche mit Ecclestone viele Anekdoten über den verwegenen Draufgänger, auch die Gespräche mit Marko gaben viele Aufschlüsse: "Die beiden kamen aus Graz, waren wilde Hunde, die zusammen mit Autorennen anfingen. Rindt soll etwas ganz Besonderes gewesen sein. Einer der schnellsten Fahrer aller Zeiten, mit unglaublichem Naturtalent." Vettel glaubt, dass Rindt ohne den Unfall noch mehrmals Weltmeister geworden wäre.

Clark und Graf Berge von Trips: zu früh gestorben

Mehrere Titel hätte vermutlich auch Rindts Lotus-Vorgänger Jim Clark geholt, wäre er nicht 1968 in Hockenheim bei einem Formel-2-Rennen verunglückt. So blieb es bei zwei Weltmeisterschaften. "Ich habe gehört, er war ursprünglich Schafzüchter", beeindruckt Vettel mit seinem Hintergrundwissen. "Clark hat innerhalb weniger Rennen und in kurzer Zeit unglaublich viele Rekorde aufgestellt. Er hat auch die 500 Meilen von Indianapolis gewonnen", erklärt er, warum der Schotte auf die Liste müsse.

Graf Berge von Trips war der erste deutsche Ferrari-Formel-1-Pilot Zoom

Der einzige Nicht-Weltmeister, der es in Vettels Top 10 geschafft hat, ist ein Landsmann von ihm: Wolfgang Graf Berghe von Trips. "Er hätte Weltmeister werden können, wenn er nicht, wie Jochen Rindt, auch in Monza früh ums Leben gekommen wäre", ist Vettel überzeugt. Dem Kölner gelangen 1961 zwei Grand-Prix-Siege, ehe das Unglück geschah.

Wieso der Red-Bull-Pilot zu ihm einen Bezug hat? "Das hat bei mir einen besonderen Hintergrund", erzählt er 'Auto Bild motorsport'. "Zuerst gab es die Kartstrecke damals in Horrem, welche meines Wissens nach von von Trips gegründet wurde. Dann gab es die neue Kartbahn in Kerpen mit einer Trips-Kurve. So wusste man dann natürlich Bescheid, so hat sein Name für mich schon relativ früh eine Bedeutung gehabt." Möglicherweise wird Vettel irgendwann in die Fußstapfen von von Trips treten, denn "er war, glaube ich, der erste Deutsche überhaupt bei Ferrari."

Fangio: das Naturtalent

Und dann wäre da noch ein weiterer großer Rennfahrer, der die Anfangsjahre der Formel 1 geprägt hat: Juan-Manuel Fangio - bis zu Schumachers Siegeszug im vergangenen Jahrzehnt mit fünf WM-Titeln der erfolgreichste Fahrer der "Königsklasse". "Ein absolutes Naturtalent", zeigt Vettel großen Respekt vor dem Argentinier - und vertraut dem Urteil eines ehemaligen Fangio-Rivalen. "Das erzählen Fahrer wie Stirling Moss, die das natürlich aus erster Hand beurteilen können. Ich denke, es ist immer gut auf Leute zu hören, die die Fahrer auch kannten."

Vor allem die Furchtlosigkeit von Fangio, der Glück hatte und 1995 im Alter von 84 Jahren an einem Nierenleiden starb, beeindruckt Vettel: "Fangio war auf jeden Fall jemand, der ans Limit gegangen ist, obwohl es ganz klar war, dass das Unfallrisiko damals extrem hoch war. Über die Folgen eines Unfalls durfte man gar nicht nachdenken."

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