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Vertragspoker: Räikkönen hat keine Eile

Weiterhin Lotus, doch Red Bull oder ein Überraschungstransfer? Wie auch immer: Kimi Räikkönen befindet sich in einer exzellenten Verhandlungsposition...

(Motorsport-Total.com) - Kimi Räikkönen wird von seinem derzeitigen Arbeitgeber Lotus ebenso umworben wie angeblich auch von Red Bull, doch der "Iceman" bleibt im Poker um seine Zukunft in der Formel 1 ganz cool: "Es gibt momentan nicht viele absolute Topfahrer, die keinen Vertrag haben. Ich bin da vielleicht der Einzige. Und es gibt einige Verträge, die nächstes Jahr auslaufen", weiß er um seine gute Ausgangsposition.

Kimi Räikkönen

"Iceman" Kimi Räikkönen weiß, dass er für 2014 ein bisschen pokern kann Zoom

Klar ist: Lotus möchte unbedingt an ihm festhalten, denn während Romain Grosjean zwar manchmal seinen Speed aufblitzen lässt, gelingt es nur Räikkönen, das Potenzial des Autos regelmäßig in Punkte umzusetzen - übrigens sehr zur Freude der Mechaniker, die dafür satte Punkteprämien kassieren. Auch der Finne selbst verfügt über einen stark prämienorientierten Vertrag, weshalb seine Gage 2012 trotz des verhältnismäßig niedrigen Fixums unterm Strich 18 Millionen Euro betragen haben soll. Gerard Lopez bestätigt dies indirekt, wenn er sagt, dass es seines Wissens kaum andere Fahrer gibt, die mehr verdienen.

Ein Red-Bull-Team Vettel/Räikkönen wäre sicher nach dem Geschmack von "Oberbulle" Dietrich Mateschitz, der bekanntlich Fahrer schätzt, die ihre eigene Meinung haben - selbst den intern nicht unumstrittenen Australier Mark Webber hat der Österreicher nie fallen gelassen. Außerdem fuhr Räikkönen schon 2010 und 2011 in der Rallye-WM mit Red Bull auf der Kappe, auch wenn jenes Engagement in Fuschl heute nicht unbedingt positiv bewertet wird. Aber Lotus zeigt derzeit vor, wie man die Marke "Iceman" am besten nutzen kann.

Derzeit keine Festlegung auf Lotus

Räikkönen ist glücklich bei Lotus, "sonst wäre ich nicht hier", aber festlegen will er sich nicht: "Es gibt noch viele Dinge, die in die eine oder andere Richtung gehen können. Vielleicht passiert auch woanders etwas, sodass ich dort nicht hingehen will." Und er weiß genau: Wenn Webber und Red Bull sich nicht einig werden, wenn Ferrari Felipe Massa entlässt oder auch bei McLaren ein Platz frei wird, dann ist er als Weltmeister von 2007 und als konstanter Punktesammler immer ein Thema - denn die gleiche Routine kann etwa ein Daniel Ricciardo nicht in die Waagschale werfen.


Fotos: Großer Preis von Monaco, Pre-Events


Die Gerüchte seien "ganz normal", findet der 33-Jährige: "Ich habe keinen Vertrag. Selbst wenn du einen Vertrag hast, wird spekuliert. Wir kennen das, das ist eine normale Situation. Es sind nicht ich oder mein Management, die diese Storys anstoßen, sondern sie kommen von der anderen Seite des Tischs. Ich bin nicht in Eile. Wenn ich verzweifelt einen Vertrag haben wollte, hätte ich schon vergangenes Jahr versucht, hier zu unterschreiben. Aber ich mache lieber meine Arbeit gut und stelle so sicher, dass ich den Vertrag bekomme, den ich mir wünsche."

Unsicherheit hinsichtlich der Gehaltszahlungen?

Lotus-Boss Lopez macht keinen Hehl daraus, dass er mit Räikkönen verlängern möchte, doch der soll wegen ausstehender Gehaltszahlungen diesen Winter damit gedroht haben, nicht zur Sitzanpassung zu erscheinen - bis dann doch noch ein besänftigender Betrag überwiesen wurde. Möglicherweise ist es auch diese finanzielle Unsicherheit, die den "Iceman" dazu veranlasst, sich bei anderen Teams umzuhören. Denn er sagt: "Ich bin mir sicher, dass es einige Möglichkeiten gibt, das ist ja kein Geheimnis."

"Es gibt aber auch die Option, dass ich gar nichts fahren werde, denn im Moment habe ich keinen Vertrag. Ich habe nichts." Kimi Räikkönen

"Es gibt aber auch die Option, dass ich gar nichts fahren werde, denn im Moment habe ich keinen Vertrag. Ich habe nichts. Es ist noch zu früh. Wenn ich unterschrieben habe und wenn ich weiß, was passieren wird, dann werde ich es sagen, ganz einfach. Aber das wird sicher nicht beim nächsten Rennen oder beim Rennen danach der Fall sein, sondern das wird dauern, wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird", gibt er vor dem sechsten von insgesamt 19 Saisonrennen zu Protokoll.

Sollte es doch wieder Lotus werden, erwartet Räikkönen keinen monatelangen Verhandlungspoker, sondern: "Ich bin mir sicher, dass es kurz und schmerzlos ablaufen wird, wenn wir am Ende beide Seiten einen Vertrag machen wollen. Es müssen nur ein paar Details stimmen, das ist alles", erklärt er und ergänzt: "Wir setzen uns ja nicht jeden Tag zusammen und sprechen darüber, wenn sich eh nichts ändert, sondern die Entscheidung muss von mir kommen - und ich habe mich noch nicht entschieden."