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Alan Jones: Heutige Fahrer sind wie Rechtsanwälte

Der Weltmeister von 1980, Alan Jones, ist ein großer Fan von Kimi Räikkönen, kann mit den modernen Fahrertypen ansonsten aber recht wenig anfangen

(Motorsport-Total.com) - "Früher war sowieso alles besser": Dieser Spruch kommt zwar kaum einem in die Jahre gekommenen Formel-1-Weltmeister tatsächlich über die Lippen, aber viele denken wohl innerlich so, wenn man ihren Interviews lauscht. Nicht so Alan Jones: Der Champion von 1980, inzwischen 66 Jahre alt und als FIA-Rennkommissar tätig, findet die moderne Formel 1 überaus spannend und freut sich noch mehr auf die Zukunft, denn Innovation, so sagt er, sei das Lebenselixier der Königsklasse des Motorsports.

Alan Jones

Alan Jones ist froh, dass er früher in der Formel 1 gefahren ist und nicht heute Zoom

Nur in einem Punkt trauert er früheren Jahren nach, und das sind die Persönlichkeiten der Fahrer. Denn weil Automobilkonzerne und große Sponsoren Millionenbeträge in den Grand-Prix-Sport pumpen, haben sich Sebastian Vettel und Co. bei ihren öffentlichen Auftritten an Regeln zu halten, über die die PS-Stars vor 30 Jahren noch milde gelächelt hätten. "Die heutigen Fahrer kommen mir mehr wie Rechtsanwälte vor. Vielleicht fahren sie bald im Anzug", scherzt Jones im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

"Ich liebe die Formel 1 und den Motorsport, aber in vielerlei Hinsicht bin ich froh, dass ich in meine damalige Zeit hineingeboren wurde. Es war zwar viel gefährlicher und es kamen mehr Menschen ums Leben, aber der Druck der Firmen war bei weitem nicht so groß wie heute", findet der Australier. "Heute müssen die Fahrer spätestens am Donnerstag für die Pressekonferenz an der Strecke sein. Ich war nie vor Freitag da. Und danach müssen sie zu diesem Termin in die Stadt und zu jenem Abendessen mit einem Sponsorenboss."

"Ich verstehe warum, denn heute ist viel mehr Geld im Spiel, für das die Sponsoren auch eine Gegenleistung erwarten, aber ich glaube nicht, dass ich das könnte. Mir wäre das völlig egal, glaube ich", gesteht Jones, der 1981 (im Jahr nach seinem WM-Titel auf Williams) vom französischen Journalisten Bernard Cahier den Prix Citron überreicht bekam - eine fragwürdige "Auszeichnung" (vergleichbar mit der Goldenen Himbeere in Hollywood), die an jenen Grand-Prix-Fahrer überreicht wurde, der sich am wenigsten um die Presse gekümmert hat.

Heute sei der einzige Fahrer, "dem wirklich alles egal ist", Kimi Räikkönen: "Der spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und alle anderen müssen sich nach seinem Zeitplan richten." Doch während sich die Fahrerkollegen des "Iceman" um jeden einzelnen Fan bemühen müssen und sich an die PR-Vorgaben ihrer Teams halten, geduldig Autogramme schreiben und dutzende Interviews geben, pfeift Räikkönen auf all das und ist einfach so, wie er eben ist. "Ich glaube, dass er genau deswegen so populär ist", meint Jones.

"Er hat mit die meisten Fans auf der ganzen Welt, aber er arbeitet am wenigsten dafür. Die Leute spüren, dass er ein authentischer Charakter ist", streicht der Weltmeister von 1980 die seiner Meinung nach wichtigste Eigenschaft Räikkönens für dessen Beliebtheit bei den Fans hervor. "Andere Fahrer fragt man nur, wie es ihnen geht, und die plappern eine halbe Stunde. Man sieht, wie sie darüber nachdenken, was sie sagen: 'Darf ich das sagen, sollte ich lieber das sagen?' Langweiler!"

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