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Unbekannte Regenreifen bereiten Sorgen

Nur ein Regentag bei den Wintertests: Hinter den neuen Pirelli-Regenreifen steht weiterhin ein Fragezeichen - Kniffliger Spagat zwischen Intermediates und Full-Wets

(Motorsport-Total.com) - Die diesjährigen Wintertestfahrten fanden in Jerez (Spanien) und Bahrain statt. Beide Länder sind für ihr trockenes und warmes Klima bekannt. Deshalb setzte man die Tests auch dort an, um viel Streckenzeit zur Verfügung zu haben. Das kalte europäische Wetter zu dieser Jahreszeit ist außerdem Gift für die Reifen, wie die vergangenen Wintertests gezeigt haben. Allerdings bleibt ein Fragezeichen: Was passiert, wenn es in Australien oder in Malaysia plötzlich regnet?

Jenson Button

In Jerez kamen kurzfristig die neuen Regenreifen zum Einsatz Zoom

"Wir hatten zwar zwei Regentage in Jerez, aber die waren nicht nass genug", sagt Williams-Test-Chefingenieur Rod Nelson. "Zudem tendiert der Kurs in Jerez dazu, rasch von einem nassen in einen feuchten Zustand überzugehen. Das heißt: Die Strecke trocknet schnell ab. Wir haben versucht, Regenreifen zu fahren, als Pirelli die Strecke bewässert hat." Allerdings herrschte wenig Fahrbetrieb.

Die neuen Regenreifen von Pirelli stellen für die Teams und Fahrer, aber auch für Pirelli weiterhin eine Unbekannte dar. "Da sitzen also alle im selben Boot. Ja, da machen wir uns durchaus Sorgen", sagt Nelson über diese Situation. "Doch dagegen können wir so einfach nichts ausrichten. Die Fahrer müssen sicherlich im Nassen noch vorsichtiger mit dem Gaspedal umgehen. Der Unterschied zwischen Rundenzeiten im Trockenen und Rundenzeiten im Nassen könnte 2014 also etwas größer sein. Das wissen wir aber noch nicht."

Pirelli-Sportchef Paul Hembery hat sich klar dafür ausgesprochen, dass es auch Regentests geben muss, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Es wurde auch festgelegt, dass von den zwölf Wintertesttagen einer auf nasser Strecke stattfinden musste. Das war in Jerez der Fall. "Vor einiger Zeit haben wir gesagt, dass es für den Sport günstig wäre, wenn man einen Test im Nassen durchführen würde, nachdem wir die Daten und das Drehmoment gesehen hatten", spricht Hembery die neuen Antriebsstränge an.


Testfahrten in Jerez

"Das einzige, was wir bisher getan haben, war der halbe Testtag in Jerez, wo wir ungefähr eine halbe bis eine Stunde auf Full-Wets und Intermediates gefahren sind. Das war nicht so aussagekräftig. Es hat uns aber ein Anzeichen gegeben, dass wir bei den Regenreifen in die richtige Richtung gearbeitet haben." Trotzdem war es nur ein Indikator, aber Gewissheit besteht noch nicht. "Es wäre sicherlich eine Herausforderung, in eine richtig nasse Session zu gehen, um die Performance der aktuellen Autos mit den Reifen zu verstehen."

Hembery wünscht sich mehr Informationen

Sollte es schon vor dem Rennstart regnen, könnte der Grand Prix hinter dem Safety-Car gestartet werden. "Ich sehe aber nicht, dass die FIA zum Beispiel die Starts mehr verzögert als in der Vergangenheit", glaubt Nelson. "Die Leistung der Regenreifen sollte sogar besser sein als im vergangenen Jahr." Auch Hembery glaubt nicht, dass es ganz anders werden wird. "Es ist zu früh zu sagen, dass es eine Sorge ist. Wir müssen einfach rausgehen und es machen. Das brauchen wir."

"Wir werden es besser verstehen, wenn wir unter nassen Bedingungen fahren. Ich kann sagen, dass wir an den Regenreifen ein paar Design- und Profiländerungen vorgenommen haben, um das Aquaplaning zu verbessern und die Lücke zwischen Intermediate und Full-Wets zu schließen. Da gab es in der Vergangenheit eine zu große Lücke. An einem bestimmten Punkt war man mit beiden Reifen nicht gut dran - und einer hat überhaupt nicht funktioniert. Wir glauben, dass wir dort einen guten Schritt gemacht haben. Wie das an einem Auto mit mehr Drehmoment und weniger Abtrieb ist, wird sich zeigen."

Für Pirelli sind die Reifen für nasse Straßenverhältnisse eine knifflige Aufgabe: "Es gab immer einen Punkt, an dem die Intermediates Aquaplaning bekommen haben, während die Full-Wets keine Temperatur hineinbekommen haben. Es wird daher Zeit, mit den aktuellen Autos auf eine nasse Strecke zu kommen, um zu sehen, wo der Crossover-Punkt liegt", sagt Hembery. Dafür können die neuen Full-Wets deutlich mehr Wasser verdrängen "Ja. Full-Wet-Reifen sind eines der härteren Produkte im Motorsport, denn wenn man das Aquaplaining verbessern will, macht man mehr Rillen rein oder macht das Profil tiefer, aber dann riskiert man auf abtrocknender Strecke Überhitzen und Blasenbildung."

"Es ist eine schwierige Balance. Und natürlich gibt es auch nur wenige Anlagen, auf denen man Regentests durchführen kann. Für uns ist es Paul Ricard. Man möchte konstantes Wasser haben. In unserer Welt sind Regen- und Schneetests die härtesten Aufgaben, denn auch wenn es weiß aussieht, ist Schnee nicht immer der gleiche Schnee. Und mit Wasser ist es das gleiche. Man kommt vielleicht in die Situation, wo man eine gute Lösung gefunden hat, aber in einem anderen Szenario unter anderen Wetterbedingungen ist es nicht das, was man erwartet hat."

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