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  • 02.03.2014 · 09:09

  • von Roman Wittemeier & Dieter Rencken

Ferrari: Montezemolo vor dem Absprung?

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo widmet sich womöglich bald neuen Aufgaben: Kommt Andrea Agnelli als Nachfolger an die Spitze des Sportwagenherstellers?

(Motorsport-Total.com) - Während Fernando Alonso den neuen Ferrari F14 T in Bahrain über die letzten Testkilometer vor dem Formel-1-Saisonstart 2014 treibt, wird in Italien intensiv über die Zukunft seines Chefs spekuliert. Laut italienischen Medien steht Luca di Montezemolo kurz vor der Ablösung als Ferrari-Präsident. Der 66-Jährige soll sich angeblich bald zwei anderen Projekten widmen: der staatlichen Fluglinie Alitalia und seinem privaten Eisenbahnunternehmen "Nuovo Trasporto Viaggiatori" (kurz: NTV).

Luca di Montezemolo

Luca di Montezemolos Traum: Seine Züge sollen Italien und England verbinden Zoom

Auch die politischen Aktivitäten soll Montezemolo künftig ruhen lassen. Wie die italienische Zeitung 'Il Giornale' berichtet, hat der Ferrari-Boss den Vorsitz der Partei "Italia Futura" mit sofortiger Wirkung an Carlo Pontecorvo übergeben. Montezemolo will damit einen Kurswechsel innerhalb der Partei einläuten, heißt es. Er persönlich steht offenbar ebenso vor einem gewaltigen Kurswechsel.

Montezemolo soll das Ruder bei Ferrari abgeben und für Andrea Agnelli Platz machen. Die FIAT-Besitzerfamilie wünscht sich den Filius an der Spitze des Sportwagenbauers. Ob Montezemolo seinen Posten freiwillig räumen wird, ist derzeit noch unklar. Sein langjähriger Weggefährte Luca Colajanni hat Ferrari bereits verlassen und bei Marussia angeheuert. Sicher ist: Auch Montezemolo muss keine Langeweile fürchten.

Kommen Montezemolo Züge in die Spur?

Bei der staatlichen Alitalia wird ein neuer Vorsitzender gesucht, der bisherige Ferrari-Präsident gilt als Favorit auf diesen Posten. Gleichzeitig könnte sich Montezemolo die nötigen Freiheiten verschaffen, um sein Eisenbahnunternehmen endlich voranzubringen. 2012 hatte der Italiener angekündigt, dass er in Italien mit neuen Hochgeschwindigkeits-Zügen auf den Markt drängen und große Marktanteile erobern werde.


Fotos: Ferrari, Testfahrten in Sachir


Mit dem "modernsten Zug Europas", dem sogenannten "Italo" wolle er zunächst die Metropolen des Landes verbinden, später auch Passagiere beispielsweise nach Wien oder München bringen. Eine Milliarde Euro wurden bislang von Montezemolo und seinen Geschäftspartnern investiert, allein 750 Millionen Euro für den Kauf von 25 brandneuen High-Tech-Zügen der Firma Alstom aus Frankreich, die auf entsprechenden Strecken bis zu 360 km/h schnell fahren können.

Der NTV-Plan ging bislang nicht sonderlich gut auf. Vom gesteckten Ziel, bis zum Jahr 2015 mindestens 20 Prozent Marktanteil in Italien zu sichern, ist man derzeit meilenweit entfernt. Bereits 2013 sollte die Firma mit ihren rund 300 Mitarbeitern in die Gewinnzone fahren, doch dies schaffte man nicht einmal ansatzweise. NTV gehört zu einem Drittel Montezemolo und zwei seiner Geschäftspartner, 20 Prozent sind im Besitz der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF.