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Toto Wolff: Wo Red Bull stärker ist als Mercedes

Mercedes vs. Red Bull nach vier Grands Prix: Welche Stärken und Schwächen die beiden Spitzenteams der Formel-1-Saison 2021 haben

(Motorsport-Total.com) - "Samstags geht es klar in Richtung Red Bull, aber sonntags sind wahrscheinlich wir besser." So schätzt Mercedes-Teamchef Toto Wolff das aktuelle Kräfteverhältnis an der Spitze der Formel-1-Saison 2021 ein, mal mit Vorteilen für die Gegner, mal mit Vorteilen für seine eigene Mannschaft. Die Zwischenbilanz nach vier Rennen spricht jedoch eine leicht andere Sprache.

Lewis Hamilton, Max Verstappen

Der aktuelle Zwischenstand: Hamilton im Mercedes vor Verstappen im Red Bull Zoom

Denn nach den Grands Prix in Sachir, Imola, Portimao und Barcelona kommt nicht etwa Red Bull auf die meisten Polepositions, sondern Mercedes: Aus Sicht der WM-Titelverteidiger steht es im Qualifying-Direktvergleich genauso 3:1 wie auch im Rennen.

Doch auch dieser Vergleich hinkt: Hätte Max Verstappen zum Beispiel seine Runde in Portimao auf den Punkt gebracht und nicht die Tracklimits überschritten, er hätte sich dort die Poleposition gesichert und es würde zumindest 2:2 stehen im Qualifying.

Warum die Zahlen Mercedes schmeicheln

Dass die Zahlen der Mercedes-Form schmeicheln, daraus macht Wolff keinen Hehl. Er sagt aber auch, und nicht ohne Grund: "Wir hatten fehlerlose Auftritte oder zumindest fast fehlerlose Auftritte."

Wo Verstappen und Red Bull über Tracklimits stolperten, da hielt sich Mercedes schadlos. Und Lewis Hamiltons Fahrfehler im Imola-Rennen wurde durch eine für ihn glückliche Rotphase kaschiert.

Unterm Strich steht so ein Kuriosum: Nicht nur Hamilton hat seinen bisher besten Auftakt in eine Formel-1-Saison hingelegt, das Gleiche gilt auch für Verstappen. Beide haben in den ersten vier Rennen mehr Punkte geholt als jemals zuvor in ihren Grand-Prix-Karrieren. Und doch liegt der Vorteil bei Mercedes.

Wolff über die große Mercedes-Stärke

"Es gelingt uns eben, selbst dann eine gute Leistung abzurufen, wenn das Auto mal nicht schnell genug ist", sagt Wolff. "Man darf sich aber nie zurücklehnen und glauben, es gäbe für irgendwas eine Garantie. Schon in zwei Wochen könnte es in die andere Richtung gehen. Daraus muss man dann ebenfalls lernen."


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Bisher habe sich nur gezeigt, dass der Mercedes W12 womöglich über den im Vergleich besseren Reifenhaushalt verfüge. Oder, wie es Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin ausdrückt: "Es scheint, als verhalte sich unser Auto etwas neutraler. Der Red Bull dagegen macht den Eindruck, als würde er die Hinterreifen über einen Stint hinweg mehr beanspruchen."

Dieser These kann sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner anschließen. Er wähnt Mercedes "beim Reifenverschleiß besser aufgestellt", so sagt er. "Portimao und Barcelona haben ihnen da in die Karten gespielt. Wir sind aber andererseits deutlich näher dran als auch schon. Wir brauchen nur noch etwas mehr Pace im Renntrimm."

Red Bull stark am Start, aber ...

Es ist genau diese Ausdauerfähigkeit, die dem Red Bull RB16B noch fehlt. In Barcelona zum Beispiel katapultierte sich Verstappen von P2 kommend in Führung. "Nach der ersten Runde lag er schon 1,5 Sekunden vor Lewis", sagt Formel-1-Experte Martin Brundle bei 'Sky'. "Und das, weil der Red Bull seine Reifen besser auf Temperatur gebracht hat als der Mercedes."

Mit fortlaufender Dauer des Grands Prix aber kehrte sich das Kräfteverhältnis im Rennen um. "Denn der Mercedes hielt seine Reifen länger in Schuss", meint Brundle. Und das noch dazu in Barcelona, der Rennstrecke, die als Gradmesser für den weiteren Saisonverlauf gilt.

Doch Shovlin will nicht allzu viel auf diese Formel-1-"Weisheit" geben: "Natürlich fänden wir es klasse, wenn es so für den Rest des Jahres weiterginge. Da muss man aber schon etwas Vorsicht walten lassen."

Barcelona als ultimativer Gradmesser? War mal!

"Denn bisher hat man das gesagt, weil in Barcelona jeder sein großes Update eingesetzt hat, das ihn bis etwa Saisonmitte gebracht hat. Inzwischen aber arbeiten wir unter einem Maximalbudget und haben die nächstjährigen Regeländerungen im Hinterkopf. Es gibt deutliche Einschränkungen beim Windkanal und niemand hat ein wirklich großes Update-Paket bei diesem Rennen dabei."


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Außerdem stamme diese "Weisheit" noch aus früheren Jahren, in denen die Fahrzeuge wesentlich weniger Grip entwickelt hatten. Damals sei es schwierig gewesen, in Barcelona eine ausgewogene Balance für langsame und schnelle Segmente zu finden.

"Heute aber kannst du die schnellen Stellen im Qualifying mit Vollgas durchfahren. Da unterscheiden sich die Teams nicht mehr voneinander", meint Shovlin. Barcelona müsse also nicht mehr zwingend als Vorlage für den weiteren Saisonverlauf gelten.

Mercedes und Red Bull praktisch auf Augenhöhe

Überhaupt seien alte Tendenzen längst überholt: "In der Vergangenheit hat man noch gesagt, wir sind schnell auf diesen Strecken, sie sind schnell auf jenen. Das gab es dieses Jahr bisher nicht."

Laut Shovlin bewegten sich Red Bull und Mercedes in diesem Jahr nahezu auf Augenhöhe. "Das ist ganz entscheidend in diesem Jahr", meint er. "Jeder hätte auf die Poleposition fahren können, abgesehen von Bahrain, wo wir nicht konkurrenzfähig gewesen sind."

Tatsächlich sind die Abstände speziell im Qualifying äußerst gering: In Imola setzte sich Hamilton um 0,035 Sekunden durch, in Barcelona um 0,036 Sekunden. Fazit Shovlin: "Red Bull ist nie weit weg von uns." Und auch Horner meint, es sei "wirklich sehr eng" zwischen dem W12 und dem RB16B.

Strategisch hat Mercedes Vorteile - noch!

Den Ausschlag im Rennen gibt daher mitunter auch die Strategie, wie zuletzt in Barcelona. "Dort lagen wir zurück, befanden uns aber in einer Position, aus der heraus wir die Entscheidung treffen konnten, weil wir nichts zu verlieren hatten", sagt Wolff. "Entweder wirst du Zweiter, was du ja vorher schon warst, oder du gewinnst."

Mercedes hatte es in diesem Grand Prix geschafft, den führenden Red Bull gleich mit zwei Autos unter Druck zu setzen und so zu einer Einstoppstrategie zu zwingen, die letztlich nicht schnell genug war. Für Red Bull wird es also in Zukunft entscheidend darauf ankommen, mit Sergio Perez als "Puffer" ebenfalls vorne mitzufahren - mindestens, um Mercedes' strategische Möglichkeiten einzuschränken.

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