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  • 02.04.2008 · 20:37

  • von Roman Wittemeier

Timo Glock privat: Das Leben als Formel-1-Star

Timo Glock im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' über Radsportfreunde, Autogrammwünsche und das Leben im Grand-Prix-Zirkus

(Motorsport-Total.com) - Nach seinem kurzen Formel-1-Intermezzo mit Jordan 2004 ist Timo Glock mit Toyota nun endgültig in der Königsklasse angekommen. Zwar war der 26-Jährige bei den ersten beiden Saisonrennen vom Pech verfolgt, aber dennoch hat Glock die Ruhe bewahrt und weiter akribisch an der Entwicklung des TF108 gearbeitet. Beim einem Besuch des tolimit-Teams seines Managers Hans-Bernd Kamps beschrieb der Odenwälder im Interview mit 'Motorsport-Total.com', wie sich sein Leben verändert hat.

Timo Glock

Timo Glock hatte bislang in der neuen Saison viel Pech: zwei Ausfälle

Frage: "Timo, du bist kurz vor dem dritten Saisonrennen in Bahrain bei der Saison-Start-Konferenz des tolimit-Teams deines Managers Hans-Bernd Kamps zu Gast. Du wirkst unglaublich entspannt, spielst hier das Kamerakind bei der Veranstaltung und scheinst dich rundum wohl zu fühlen. Ist tolimit eine Art Zuhause für dich?"
Glock: "Ja klar. Ich habe hier zwei Jahre gewohnt und war tagtäglich hier. Ich bin hier einer von Vielen. Ich bin einer von tolimit, der hier ganz normal ein- und ausgeht. Da fühle ich mich wohl. "#w1#

Das Leben im Fokus der Öffentlichkeit

Frage: "Wie ist dein Verhältnis zu den tolimit-Mitarbeitern? Kannst du die Kontakte auch jetzt als Formel-1-Fahrer noch gut aufrecht halten, wenn du fast nur noch unterwegs bist?"
Glock: "Ich war jetzt zwar einige Wochen nicht hier, aber wenn ich zurückkomme, ist da nichts anders als vorher. Es wird dann kurz darüber gesprochen, was in den vergangenen Wochen passiert ist. Generell ist das alles sehr locker und easy. Ich muss mich überhaupt nicht verstellen oder so. Ich komme einfach hierher und bin wie ich bin."

"Die anderen Leute verstellen sich und du selber bleibst ganz normal." Timo Glock

"Das ist aber hier bei allen Mitarbeitern so. Ich glaube auch, dass das extrem wichtig ist, damit man einen klaren Kopf bewahren kann. Wenn du dich verstellst, ist das sicher nicht der richtige Weg. Die meisten denken immer, wenn man Formel 1 fährt, dann verändert sich das Leben von heute auf morgen komplett und man wird ein anderer Mensch. Aber es ist eigentlich immer ganz witzig zu sehen: die anderen Leute verstellen sich und du selber bleibst ganz normal."

Frage: "Warum ist das so? Haben die anderen irgendwelche seltsamen Erwartungen?"
Glock: "Ja. Ich schätze mal, dass einige glauben, nur weil ich ab und zu mal im Fernsehen zu sehen bin, wäre ich gleich eine andere Person. Aber das ist eben halt einfach nicht so."

Frage: "Gibt es Dinge, die in den vergangenen Wochen für dich schwieriger geworden sind?"
Glock: "Es gibt schon manchmal so Sachen, wenn du irgendwo hingehst. Für mich ist das so ein bisschen unbegreiflich oder auch komisch, wenn ich zum Beispiel den Mitarbeitern von tolimit ein Autogramm geben soll. Das gefällt mir eigentlich nicht. Ich will ja so sein, wie die anderen auch."

Beruf: Autofahren, Hobby: Autofahren

Frage: "Im Eingangsbereich des Unternehmens steht dein Formel-BMW-Auto aus dem Jahr 2000 und außerdem sind dort viele tolimit-Porsche ausgestellt. Bekommst du bei dem Anblick manchmal Lust, einfach mit einem dieser Autos zu starten?"
Glock: "Ja klar. Ich habe das auch schon oft genug gemacht. Wir waren schon oft auf der Teststrecke in Papenburg. Ich bin dort früher oft mit Masood Azadpour oder Eve Scheer, die beide für uns im Porsche-Sports Cup fahren, trainieren gegangen. Das würde ich auch heute immer wieder gerne machen. Das hat immer Spaß gemacht und du lernst dabei auch immer wieder Sachen, viele Kleinigkeiten. Ich bin den Porsche immer gern gefahren, weil es ein supergutes Auto ist, das man gut auf der Rennstrecke bewegen kann. Es macht einfach super viel Spaß."

"Einige glauben, nur weil ich ab und zu mal im Fernsehen zu sehen bin, wäre ich gleich eine andere Person." Timo Glock

Frage: "Was fährst du privat zur Zeit für ein Auto?"
Glock: "Ich fahre im Moment noch einen Lexus LS, so ein ganz großes Auto. Das ist ein schönes Auto, ganz klar. Du fährst 400 Kilometer total entspannt und hast beim Aussteigen das Gefühl, du wärst nur 100 Kilometer gefahren. Aber das Auto passt nicht zu mir. Ich laufe immer rot an, wenn ich bei uns in den Ort rein fahre, bei meinen Eltern daheim. Ich freue mich jetzt schon auf den neuen Lexus IS-F, den ich demnächst bekommen werde. Das ist ein sehr sportliches Auto und das passt besser zu mir."

Frage: "Wie kommt deine Karriere in deinem Heimatort Lindenfels im Odenwald überhaupt an? Ist bei deinen Eltern vor der Haustür immer was los?"
Glock: "Es kommen immer mal wieder ein paar Kids vorbei, die ein Autogramm wollen. Aber ich bin leider nicht allzu oft dort. Bei meinen Eltern läuft auch alles ganz normal weiter. Natürlich verfolgen die alles, was ist mache und schauen es sich im Fernsehen an und freuen sich auch, dass wir den Sprung geschafft haben. Generell bei uns im Ort gehe ich ganz normal morgens zum Bäcker und ich tanke auch noch immer an der gleichen Tankstelle."

"Wenn ich mal Zeit habe, treffe ich mich auch samstagmittags immer noch mit den Leuten, mit denen ich früher Fahrrad gefahren bin. Die treffen sich immer um 2 Uhr bei uns im Ort zum Rennrad fahren, oder im Winter mit dem Mountainbike. Ich habe jetzt gerade vor drei Tagen mein neues Mountainbike abgeholt, das ich von meinem Team gestellt bekomme, ein Centurion. Jetzt habe ich ein schönes, voll gefedertes Mountainbike. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind."

Im Zick-Zack in die Formel 1

Timo Glock

Wichtiger Moment in der Karriere von Timo Glock: Titelgewinn in der GP2 Zoom

Frage: "Bist du nicht trotzdem irgendwie stolz auf dich?"
Glock: "Auf mich allein nicht. Ich bin auf uns stolz, auf uns alle. Das sind nicht nur Hans-Bernd und ich, sondern das sind komplett alle, die hier in der Firma arbeiten. Jeder hat einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass wir den Sprung geschafft haben. Ich bin wirklich stolz auf uns alle, weil wir eine schwierige Zeit zusammen hatten, nachdem wir 2004 bei Jordan keine Möglichkeit mehr hatten. Wir haben es aber trotzdem geschafft und es gab wirklich bisher nur sehr wenige, die eine zweite Chance bekommen haben. Auch bei BCN in der GP2 war es schwierig. Da hat vor allem Hans-Bernd einen richtig guten Job gemacht. Der hat mit seiner Entscheidung (Wechsel zu iSport in der laufenden Saison; Anm. d. Red.) das Auto wieder in die richtige Richtung gestellt sozusagen. Und ich habe das dann auf der Strecke umgesetzt."

"Da war wirklich ein Riesendruck da und wir waren dann ja auch 2006 sehr erfolgreich. Dann kommst du ins 2007er Jahr und weißt, du musst die Meisterschaft gewinnen. Das war dann mein Part und da war ich dann doch stolz auf mich, dass ich dem Druck standgehalten habe. Genauso ist die Situation jetzt auch bei Toyota. Da lastet natürlich auch ein Druck auf uns und auf mir auch, damit wir einen Schritt nach vorne machen. Ich habe auch einen starken Teamkollegen. Aber wenn es einfach wäre, würde es jeder machen. Dann wäre jeder ganz oben. Es ist aber klar, dass in dem Sport nach oben hin die Luft immer dünner wird."

"Ich habe jetzt gerade vor drei Tagen mein neues Mountainbike abgeholt. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind." Timo Glock

Frage: "Haben dich die Dinge, die du auf deinem Weg mit Jordan zum Beispiel oder mit deinem Teamwechsel in der GP2 erlebt hast, rückblickend entspannter gemacht?"
Glock: "Ja, auf jeden Fall. Ich habe in Malaysia meinen früheren GP2-Ingenieur getroffen und der hat mir gesagt, dass ich auffallend entspannt durchs Fahrerlager laufe. Man sieht mir das wohl auch an. Klar, wenn man ins Auto steigt, ist man immer wieder angespannt, aber das war 2007 deutlich heftiger. Wenn ich da in ein GP2-Rennen gegangen bin, da war der Pulsschlag ein ganz anderer, als wenn ich jetzt in mein Formel-1-Auto steige. Der Puls geht auch jetzt noch richtig hoch und du bist angespannt, aber die Situation ist anders, weil du weißt, dass du erstmal den ersten Schritt geschafft hast und die Leute sehen, dass du es kannst."