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  • 22.10.2016 · 09:31

  • von Dominik Sharaf

"Terrorklima": Arrivabene fordert, mit Druck richtig umzugehen

Auf die Kritik eines Ex-Mitarbeiters reagiert Teamchef Arrivabene empört und vergleicht Ferrari mit der Fußball-Nationalmannschaft - Keine Spannungen mit Vettel

(Motorsport-Total.com) - Maurizio Arrivabene hat empört auf die markigen Worte des früheren Ferrari-Renningenieurs Luca Baldisserri reagiert. Ein "Terrorklima" in Maranello, von dem in den italienischen Medien die Rede war, gäbe es nicht, stellte der Teamchef der Scuderia am Freitag am Rande des US-Grand-Prix in Austin klar. "Die Story ist uralt", winkt Arrivabene ab. Er räumt aber ein, dass das Prestige und die Prominenz seines Arbeitgebers zu einer besonderen Situation führen würden, was die Atmosphäre betrifft.

Maurizio Arrivabene

Maurizio Arrivabene: Angeblich kein janusköpfiger Teamchef Zoom

Stets im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, verändert die Stimmung im Unternehmen. "Ferrari ist in Italien wie die Fußball-Nationalmannschaft", vergleicht Arrivabene die Roten mit der Squadra Azzurra. "Druck ist normal und Spannungen sind normal, auch Kritik gehört dazu. Damit muss man leben." Was Baldisserri jedoch gesagt hat, stößt dem Ex-Tabak-Manager sauer auf. "Manchmal geht es zu weit", beschwert sich Arrivabene, der nach außen hin für einen legeren Führungsstil steht.

Dass er intern mit harter Hand regieren soll, ist nicht zum ersten Mal zu vernehmen, dennoch wehrt er sich gegen die Gerüchte, ohne sie ignorieren zu können. "Wenn man in Maranello für eine Firma wie Ferrari arbeitet, muss man es akzeptieren. Ob man will oder nicht." Er versichert aber, dass es mit der sprichwörtlichen Ferrari-Familie nicht so weit her sei wie mancher Ex-Mitarbeiter sagt: "Die Atmosphäre im Unternehmen ist anders als man glaubt - oder als man in der Zeitung liest."

Auch Spannungen mit Sebastian Vettel, die in einem TV-Interview vor zwei Wochen angeklungen waren, verbannt Arrivabene in das Reich der Fabeln: "Ich und Sebastian haben überhaupt keine Probleme miteinander", betont er und möchte auf eine vermeintliche Kritik am Deutschen nicht eingehen: "Über den Teil des Interviews will ich nicht mehr sprechen - sondern lieber über uns. Wir halten zueinander und erledigen unseren Job", demonstriert er Geschlossenheit bei der Krisentruppe.


Fotostrecke: Ferrari-Fabrik im Laufe der Jahre

Luca Baldisserri war kürzlich von dem 'Corriere dello Sport' damit zitiert worden, dass Angst vor Entlassung die Innovationskraft in Maranello lähmen würde. "Ferrari ist kein Team mehr, sondern eine Gruppe ängstlicher Personen. Dort herrscht ein Terrorklima", so der Italiener, der 26 Jahre lang für die Scuderia arbeitete. "Die Teammitglieder erfinden nichts Neues, entscheiden nichts - aus Angst verjagt zu werden", so Baldisserri, der den Abgang des Technikchefs James Allison bedauert.

Arrivabene hatte am Rande des Japan-Grand-Prix in einem Interview mit 'Sky Sport Italia' erstmals öffentlich Kritik an Vettel geäußert. "Sebastian muss sich einfach auf das Auto konzentrieren. Er ist jemand, der so viel gibt, und manchmal führt das dazu, dass er sich für alle möglichen Themen interessiert. Also muss man ihn manchmal daran erinnern, was seine Hauptaufgabe ist", hatte der Teamchef gesagt. Außerdem müsse sich Vettel seine Zukunft bei Ferrari, wo sein Vertrag Ende 2017 ausläuft, verdienen, so Arrivabene weiter.