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Martin Brundle: Vettel wird nicht mehr lange Formel 1 fahren

"Das ist der Anfang eines Problems", sagt Formel-1-Experte Martin Brundle über das vieldiskutierte TV-Interview von Maurizio Arrivabene in Suzuka

(Motorsport-Total.com) - Der ehemalige Formel-1-Fahrer Martin Brundle, heute als einer der angesehensten Experten der Branche für 'Sky Sports F1' tätig, kann sich vorstellen, dass Sebastian Vettel seine Karriere in nicht allzu ferner Zukunft beenden wird. "Wenn er einmal Anfang 30 ist", sagt er über den derzeit 29-Jährigen, könnte ein Rücktritt zum Thema werden. Sprich theoretisch schon nach Ablauf von Vettels aktuellem Ferrari-Vertrag Ende 2017.

Martin Brundle und Sebastian Vettel

Experte Martin Brundle findet, dass Sebastian Vettel sein Mojo verloren hat Zoom

"Ich fange an zu glauben, dass Sebastian Vettel nicht mehr allzu lange in der Formel 1 bleiben wird", mutmaßt Brundle, im vollen Bewusstsein, dass das "ein starkes Statement" seinerseits sei. Aber: "Er ist sehr jung in die Formel 1 gekommen, hat so viele Rekorde gebrochen. Ich beobachte ihn bei der Arbeit, und er hat sein Mojo verloren."

Nach 17 von 21 Rennen der Formel-1-Saison wartet Vettel immer noch auf seinen ersten Sieg, und er hat bisher 165 Punkte gesammelt. 2016 hatte er zu diesem Zeitpunkt schon drei Siege und 251 Zähler auf seinem Konto. Außerdem ist Teamkollege Kimi Räikkönen, den er im Vorjahr sicher im Griff hatte, derzeit ein ebenbürtiger Gegner. In der Fahrer-WM liegt Räikkönen auf dem vierten, Vettel nur auf dem sechsten Platz.

Arrivabenes Interview von vornherein so geplant?

Brundles Analyse erfolgt im Kontext eines am vergangenen Wochenende vieldiskutierten Interviews, das Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene im italienischen Fernsehen gegeben hat. Darin sagte er unter anderem, Vettel müsse sich auf das Fahren konzentrieren, und er deutete an, dass sich der viermalige Weltmeister aus anderen Angelegenheiten heraushalten solle: "Manchmal muss man ihn daran erinnern, was seine Hauptaufgabe ist."


Fotostrecke: GP Japan, Highlights 2016

Vettel spielte die Kritik an seiner Person zwar herunter, aber Brundle glaubt, dass die harmonische Phase zwischen dem Deutschen und dem Team damit beendet sein könnte: "Das ist der Anfang eines Problems", sagt er. Außerdem ist sich der Experte sicher, dass Arrivabene die Aussagen nicht herausgerutscht sind, sondern ganz bewusst getätigt wurden - um Vettel zurechtzuweisen. "Das kommt von ganz oben, glaube ich", sagt Brundle - und meint damit Sergio Marchionne.

"Das war ein choreografiertes Interview, das mit einer bestimmten Intention gegeben wurde", erklärt er. "Die Wortwahl war extrem stark, muss ich sagen. Ich kann mir vorstellen, dass das bei Vettel nicht gut angekommen ist. Was man ihm damit sagen will: 'Du fährst das Auto, wir kümmern uns um das Team.' Seb hat offensichtlich den Drang, sich wie früher Schumacher in alle Bereiche des Teams einzumischen."

Vettel gibt zu: Bringe mich jetzt mehr ein

Das streitet Vettel im Übrigen gar nicht ab: "Ich glaube, mein Job innerhalb des Teams hat sich verändert. Es ist kein Geheimnis, dass ich hinter den Kulissen mehr mache als früher", sagt er im Interview mit der 'Bild am Sonntag'. "Auf der anderen Seite hoffe ich auch, dass ich mich weiterentwickelt habe und mir eben solche Aufgaben jetzt zutraue." Gleichzeitig stellt er klar: "Ich bin nicht der Teamchef."

Christian Horner, Sebastian Vettel, Helmut Marko

Sebastian Vettel hat in Suzuka mit seinen früheren Red-Bull-Chefs geplaudert Zoom

Dass er gerade bei Personalfragen trotzdem seine Meinung abgibt, sei kein Geheimnis: "Klar gibt es Leute, über die man spricht. Nicht nur aus meiner Historie bei Red Bull", räumt Vettel ein, ergänzt aber: "Wir sind ein riesiges Team mit mehr Angestellten als viele andere Rennställe. Das Geheimnis ist nicht, neue Leute zu holen, sondern die die da sind, besser zusammenzubringen. Das ist in diesem Jahr schon viel besser geworden."

Lobend äußert er sich über die interne Kommunikation, die seit vergangenem Jahr "viel besser" geworden sei: "Sie ist besser als in meiner Zeit bei Red Bull." Sportlich läuft es trotzdem nicht nach Wunsch. In seiner ersten Ferrari-Saison hat Vettel - genau wie Michael Schumacher 1996 - drei Rennen gewonnen. Aber während Schumacher schon 1997 bis zum letzten Rennen um den WM-Titel gekämpft hat, hat Ferrari 2016 eher einen Rückschritt gemacht...

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