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Symonds: "1.000-PS-Motoren kein Allheilmittel"

Pat Symonds hält 1.000-PS-Motoren für umsetzbar, jedoch für kleine Teams zu teuer - Droht Williams bei neuer Motorenformel der Verlust des Mercedes-Vorteils?

(Motorsport-Total.com) - Als 2014 in Melbourne die Boxenampel zum ersten Freien Training auf Grün sprang, stieß vor allem der Motorensound auf Verwunderung. "Zu leise" war das überwiegende Urteil der Fans und Experten. Kein lautes Motorenkreischen war mehr zu vernehmen, stattdessen nur noch dumpfes Röhren der neuen Hybrid-Antriebe.

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2015 sollen die Fahrzeuge bereits etwas lauter sein, aber viel dürfte sich nicht tun. In der Strategiegruppe wird bereits diskutiert, ob ab 2017 1.000-PS-Aggregate eingesetzt werden sollen. Während dies Fahrern mehr Feingefühl am Gaspedal abverlangen würde, hieße es aber vor allem, dass die neue und in der Umstellung teure Motorenformel nach nur wenigen Saisons wieder Makulatur wäre.

Pat Symonds, technischer Direktor bei Williams, ist sich nicht sicher, ob dieser Schritt in die richtige Richtung ginge. "Es ist möglich, diese Autos zu bauen - das ist nicht einmal sonderlich schwierig", erklärt er gegenüber 'Formula1.com'. "Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich von einem solchen Auto träume, denn ich bin Realist, kein Träumer", sagt Symonds und kritisiert die Herangehensweise an die Problematik: "Im Moment brauchen wir vernünftige, wirtschaftliche Lösungen. Wir dürfen keine Teams verlieren, weil es zu teuer ist. Das ist ein viel wichtigeres Problem."

Für Symonds ist das "Gesamtpaket Formel 1" wichtiger als der Einzelaspekt "Motor": "1.000-PS-Boliden sind großartig, ziemlich spaßig! Aber ist das im Moment das Richtige für die Formel 1? Da bin ich mir nicht sicher. Ich denke, was wir mit den Antriebssträngen 2014 gemacht haben, war der absolut richtige Schritt - vielleicht haben wir daraus nicht genug gemacht. Aber 1.000 PS sind kein Allheilmittel."


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Symonds verweist darauf, dass der LMP1-Toyota, der in Le Mans an den Start geht, mit seinen 1.000 PS nicht spektakulärer als ein Formel-1-Bolide sei. Nach Symonds' Auffassung habe die Formel 1 im zurückliegenden Jahr trotz der "geringen" PS-Zahlen gute Rennen geboten: "Also konzentrieren wir uns doch auf das Rennfahren und nicht auf Wunschdenken."

Dass abgesehen von nachvollziehbaren, neuen Entwicklungskosten, eine tiefgreifende Veränderung bei der Motorenformel nicht im Sinne von Williams sein dürfte, liegt auf der Hand. Schließlich profitiert das Traditionsteam aus Grove seit 2014 vom starken Mercedes-Antrieb und den Entwicklungsrestriktionen im Reglement. Dass man 2015 um Siege oder gar die WM mitfahren könnte, halten viele Formel-1-Beobachter nicht für ausgeschlossen.


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Unmutsbekundungen, wonach Williams als Kundenteam in einem möglichen WM-Kampf gegen Mercedes den kürzeren ziehen könnte, indem man anderes Material von den Stuttgartern bekommt, weist Symonds jedoch zurück. "Wir wissen, dass wir dieselbe Antriebseinheit bekommen. Die Regeln diktieren ohnehin, dass alle Antriebseinheiten (eines Herstellers, Anm. d. Red.) gleich sein müssen."

"Die Bauweise der Hardware ist genau gleich. Was wir dann mit diesem Motor anstellen, ist ganz und gar unsere Sache: Es hängt letztlich an unseren Ingenieursqualitäten und an unserer Fähigkeit, Risiken abzuwägen", hält Symonds kritischen Stimmen entgegen und versichert abschließend: "Ich bin sehr glücklich mit dem Antriebsstrang und über unsere Partnerschaft mit Mercedes."