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  • 02.04.2009 · 15:31

  • von Dieter Rencken

Sutil: "Die Atmosphäre ist sehr positiv"

Force-India-Pilot Adrian Sutil im Interview über den Saisonstart in Melbourne, die Aussichten für Malaysia und den möglichen Einsatz von KERS

(Motorsport-Total.com) - Für Adrian Sutil begann die Saison 2009 äußerst schwierig: Der deutsche Force-India-Fahrer wurde schon in der Anfangsphase des Rennens in Australien in einen Zwischenfall verwickelt und musste einen Notstopp einlegen. Wieder zurück auf der Strecke wusste der 26-Jährige allerdings mit soliden Zeiten und einer guten Rennleistung zu überzeugen, was ihm schlussendlich den neunten Rang bescherte. Im Interview sprach Sutil über seine Eindrücke aus Melbourne und das bevorstehende Rennen.

Adrian Sutil, Melbourne, Albert Park Melbourne

Adrian Sutil möchte sich mit Force India im Jahresverlauf sukzessive steigern

Frage: "Adrian, wie waren deine freien Tage?"
Adrian Sutil: "Das war eine schöne Sache, aber natürlich nur ein paar wenige Tage. Trotzdem war das genau richtig, um wieder etwas runterzukommen, etwas zu entspannen und eine gute Zeit zu haben. Das war sehr schön."#w1#

Sutilk rechnet mit Regen

Frage: "Hat dabei vielleicht auch die Platzierung von Melbourne eine Rolle gespielt?"
Sutil: "Ja, denn das war ja ein sehr guter Auftakt. Es war besser, als wir uns das erwartet hatten. Bei P9, einem Top-10-Ergebnis kann man ja nichts sagen - das haben wir bislang noch nicht so oft gehabt. Beim neunten Platz fragt man sich allerdings auch immer: 'Wäre da vielleicht noch der achte Platz drin gewesen?' In diesem Fall hätten wir ja noch einen Punkt gekriegt. Das wäre schön gewesen. Aber mit dem neunten Platz sind wir zufrieden, das Team war happy und ich auch. Das Rennen ist nach dem Zwischenfall am Anfang ja dann doch noch gut gelaufen."

Frage: "Geht das jetzt in Malaysia so weiter?"
Sutil: "Das hoffe ich doch. Das Rennen war ja doch relativ chaotisch mit zwei Safety-Car-Phasen und einigen Unfällen - aber letztendlich muss man bei manchen Rennen einfach nur durchkommen. Das ist manchmal auch eine Kunst und in Melbourne war das eben so ein spezielles Rennen. Hier ist fraglich, wie das Wetter sein wird. In den vergangenen Tagen hat es hier sehr viel geregnet. Das Rennen startet um 17 Uhr und gerade zu diesem Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es einen richtigen Monsunregen gibt. Hier werden die Karten auf alle Fälle neu gemischt, aber ich denke, wir haben wieder ganz gute Chancen."

Frage: "Für gewöhnlich ist es hier immer sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Bereitest du dich auf diese Bedingungen speziell vor?"
Sutil: "Man muss schauen, dass man nicht immer nur im Hotel bei der Klimaanlage sitzt, sondern auch draußen aktiv ist. Da kann man etwas Sport machen und ein bisschen trainieren. Allerdings nicht zu viel, damit man die Energie ins Wochenende mitnehmen kann. Das haben wir in Langkawi gemacht, aber das läuft im Prinzip immer ähnlich ab. Die Luftfeuchtigkeit ist immer hoch - egal ob die Sonne scheint oder nicht. Ich bereite mich in jedem Fall auf ein hartes Rennen vor."

Force India braucht noch mehr Abtrieb

Frage: "Kannst du etwas näher beschreiben, wie sich diese hohe Luftfeuchtigkeit genau anfühlt?"
Sutil: "Wenn man nach dem Duschen im Badezimmer steht, dann hat man ungefähr die Luftfeuchtigkeit, die hier vorherrscht. Egal was man macht, man ist eigentlich immer klatschnass. Man muss bloß etwas schneller laufen und schon fängt man an zu schwitzen. Wenn dann noch die Sonne scheint, legt man sich wohl am besten an den Strand, denn dort kann man das alles am besten genießen."

Frage: "Wie würdest du deinen Saisonstart einordnen?"
Sutil: "Wir hatten in Australien ein gutes Rennen, womit ich recht zufrieden war. Am Anfang ging es ja richtig turbulent zu und da sah es gleich nicht besonders toll aus. Nach der Safety-Car-Phase lief aber alles prima und ich war wieder im Rennen. Danach konnte ich gute Rundenzeiten hinlegen und auch unsere Strategie hat gepasst. Letztendlich wurden wir Neunter. Das ist ein gutes Ergebnis für das Team zum Saisonauftakt, denn wir hatten uns nicht so viel ausgerechnet."

Frage: "Wie zufrieden warst du mit dem Qualifying?"
Sutil: "Da ging es richtig eng zu und ich glaube nicht, dass wir es unter diesen Bedingungen in den zweiten Abschnitt hätten schaffen können. Vielleicht wäre noch eine Position drin gewesen. Giancarlo und ich haben jedenfalls richtig gute Runden gefahren, mehr gab der Wagen einfach nicht her. Normalerweise sind da immer noch ein, zwei Zehntel drin. Ich denke aber, dass ist die Region, wo wir aktuell im Qualifying stehen. Wir brauchen noch etwas mehr Abtrieb, die Balance ist hingegen schon sehr gut und auch der Topspeed passt. Das Manko liegt also auf der Hand."

Partnerschaft mit McLaren-Mercedes lässt sich gut an

Frage: "Von den Platzierungen her scheint es, dass sich das Team trotz der neuen Partnerschaften nicht allzu sehr gesteigert hat. Siehst du Verbesserungspotential bei dieser Zusammenarbeit?"
Sutil: "Das Potential ist da, gar keine Frage. Letztendlich müssen wir aber auch selbst am Rennwagen arbeiten. Seit dem vergangenen Jahr hat sich einiges getan. Warten wir einfach einmal ab, was wir leisten können. Die Situation ist jedenfalls nicht gerade einfach, denn wir hatten nicht viele Testfahrten vor Saisonbeginn. Die Zeit war knapp - wir haben ja den kompletten Rennwagen innerhalb von nur 120 Tagen gebaut."

"Aktuell haben wir einige sehr vielversprechende Entwicklungen im Windkanal. Wir hoffen einfach, dass wir Schritt für Schritt vorankommen können. Die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Im Moment bin ich recht zufrieden, denn der Wagen läuft gut. Jetzt geht es darum, das Fahrzeug noch besser zu verstehen und dann sehen wir einfach mal, wohin uns das bringt."

Frage: "Wie unterscheidet sich der Mercedes-Motor vom Ferrari-Aggregat?"
Sutil: "Das sind beides sehr gute Motoren - McLaren und Ferrari zählen nicht umsonst zu den Topteams der Formel 1. Mit dem Mercedes-Triebwerk bin ich sehr zufrieden, denn da gab es bislang überhaupt keine Probleme. Der Motor und das Getriebe haben schon bei den Testfahrten einwandfrei funktioniert. Das ist genau, was wir im Augenblick brauchen: Wir brauchen Konstanz. Die Jungs von Mercedes-Benz sind wirklich sehr umgänglich, daher bin ich sehr zufrieden damit. Unsere Beziehung passt."

Frage: "Wie ist die Stimmung im Team nach dem ersten Rennen?"
Sutil: "Die Atmosphäre ist sehr positiv. Vijay Mallya war mit dem Rennen sehr zufrieden - die Stimmung ist also richtig gut. Das stimmt auch mich sehr glücklich und ich fühle mich bereit für neue Herausforderungen. An Problemen können wir nur wachsen und das ist gut so."

Sutil: "Die Grundlagen sind geschaffen"

Frage: "Colin Kolles hat das Team im Winter verlassen. Vermisst du ihn?"
Sutil: "Er hat unser Team aus verschiedenen Gründen verlassen, aber so ist das nun einmal. Wir müssen diese Entscheidung des Teams respektieren und akzeptieren. Es läuft derzeit richtig gut. Wir haben in Simon Roberts einen neuen Mann, der einen wirklich tollen Job macht."

Frage: "Die Formel 1 hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert - und auch dein Rennstall. Siehst du jetzt eine Basis für eine langfristige Zukunft?"
Sutil: "Ja. Die Lage ist doch immer gut, wenn du dich wohlfühlst. Wenn es in einem Team nicht läuft, dann unterhält man sich schon einmal, wie man weitermachen will und wie die Entwicklung voranschreiten soll. Das ist quasi die Basis. Aktuell fühle ich mich richtig gut. Solange dieses Gefühl anhält, kannst du dich auch entfalten und erfolgreich sein. Die Grundlagen sind also schon geschaffen und jetzt gilt es, sich auf die wichtigen Baustellen zu konzentrieren."

Frage: "Die anderen Teams setzten aktuell schon einen verstellbaren Frontflügel ein. Werdet ihr in China auch einen solchen Frontspoiler haben?"
Sutil: "Ich hoffe natürlich darauf, dass wir schon bald unser Exemplar bekommen. Das wäre in Malaysia an manchen Ecken sicherlich eine große Hilfe. Warten wir einmal ab. Wir entwickeln diesen Flügel im Augenblick. Ich kann also nicht sagen, wie lange das noch dauern wird. Wir haben keinen Terminplan, wonach wir den Flügel an einem bestimmten Datum bekommen sollen. Im Windkanal ist zur Zeit echt viel los, da müssen wir uns schon auf die wichtigeren Teile konzentrieren. Die wichtigste Baustelle ist der Abtrieb, alles andere kommt danach."

KERS ab den Europarennen ein Thema für Force India

Frage: "Wie steht es mit KERS?"
Sutil: "Das steht bei uns momentan noch nicht auf der Agenda. Wir werden in den Überseerennen nicht damit antreten. Bei den Europarennen könnte es dann im Auto sein."

Frage: "Hast du große Unterschiede zwischen den Wagen mit und den Fahrzeugen ohne KERS festgestellt?"
Sutil: "Um ehrlich zu sein: Nicht wirklich. In Melbourne lag Nick Heidfeld eine zeitlang vor mir und ich konnte ihn auf der Geraden fast überholen. Ich weiß natürlich nicht, ob er den Boostknopf gedrückt hat oder nicht. Im Moment sehe ich in KERS jedenfalls keinen Vorteil. Einige Fahrer beschweren sich etwas über die Balance, die sich durch KERS verschlechtern soll. Letztendlich kommt wohl so ziemlich die gleichen Rundenzeiten dabei heraus."

Frage: "Große Fahrer wie du oder Robert Kubica könnten bei KERS einen Gewichtsnachteil haben..."
Sutil: "Diese Überlegung kann ich nachvollziehen. Wir müssen einfach zusehen, dass wir am Wagen in den kommenden Wochen einfach noch etwas an Gewicht einsparen. Dann werde ich es wohl einfach ausprobieren müssen. Wenn ich mich damit wohlfühle, dann werde ich es auch einsetzen. Zunächst werden wir schlichtweg die Rundenzeiten vergleichen."

Frage: "Sollte es in Malaysia regnen - wäre das dann deine Chance auf Punkte?"
Sutil: "In der Vergangenheit hat uns das immer sehr in die Karten gespielt. Mit diesem Auto habe ich allerdings noch keinen Kilometer im Regen zurückgelegt. Daher kann ich nicht einschätzen, wie flott wir unter diesen Bedingungen unterwegs sein können. Das sollte schon passen. Wenn du den Regen magst, dann holst du immer noch ein bisschen mehr heraus. Ich fahre gerne im Regen und bin dabei immer recht erfolgreich gewesen. Für uns wäre das vielleicht von Vorteil."

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