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Hat Hamilton nun gelogen oder nicht?

Die FIA-Rennkommissare sagen: Ja - Martin Whitmarsh präsentiert die Sichtweise der Silberpfeile - Jarno Trulli lobt Courage der FIA

(Motorsport-Total.com) - Wegen "absichtlicher Irreführung" der FIA-Kommissare in Melbourne haben die FIA-Kommissare Graham Stoker und Surinder Thatthi heute entschieden, Lewis Hamilton nachträglich aus dem Grand Prix von Australien auszuschließen. Angeblich soll der Weltmeister bei der Anhörung am vergangenen Sonntag nicht die Wahrheit gesagt haben.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton in Kuala Lumpur: Kann dieses Lächeln wirklich lügen? Zoom

In ihrer ausführlichen Urteilsbegründung betonen die Kommissare, dass sie zum Zeitpunkt ihrer ersten Entscheidung (25-Sekunden-Strafe gegen Jarno Trulli) den Funkverkehr zwischen Hamilton und seinem Team sowie Hamiltons Aussagen gegenüber den Medien noch nicht vorliegen hatten. Nun sei jedoch klar, dass mit der unwahren Aussage gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes verstoßen wurde. Das könnte sogar noch weitere Sanktionen nach sich ziehen.#w1#

Interview wurde Hamilton zum Verhängnis

"Während der Anhörung (...) fragten die Kommissare und der Renndirektor Lewis Hamilton und Teammanager Dave Ryan, ob es eine Anweisung an Hamilton gegeben hat, Trulli überholen zu lassen. Fahrer wie Teammanager antworteten, dass es keine solche Anweisung gegeben habe. Der Renndirektor fragte Hamilton speziell danach, ob er Trulli absichtlich habe überholen lassen. Hamilton erklärte, das sei nicht der Fall gewesen", heißt es in der Urteilsbegründung.

Im Nachhinein habe sich dann herausgestellt, dass Hamilton a) "ein Interview gab, in dem er ganz klar sagte, dass ihn das Team angewiesen habe, Trulli überholen zu lassen", und b) könne man das auch über die Aufzeichnung des Funkverkehrs nachweisen. McLaren-Mercedes wird nach der Spionageaffäre im Jahr 2007 schon wieder des mutwilligen Betrugs beschuldigt - doch das will Teamchef Martin Whitmarsh nicht auf sich sitzen lassen.

Er klärt die Situation folgendermaßen auf: "Lewis informierte das Team, dass er an Trulli vorbeigegangen war. Natürlich war das Team besorgt darüber, dass er Trulli während einer Safety-Car-Phase überholt hatte. Zu jenem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass Trulli neben der Strecke war, also baten wir Lewis, Trulli die Position zurückzugeben. Das war die Meinung des Teams, als wir das Video noch nicht gesehen hatten. Wir hielten das für die sicherste Variante."

"Lewis stimmte aber nicht zu. Er sagte: 'Er war neben der Strecke, ich muss ihn nicht vorbeilassen.' Wir starteten eine Diskussion, aber ehe wir ausdiskutiert hatten, war Trulli schon vorbei. Wenn man sich die Geschwindigkeiten dieser Phase ansieht und sie mit anderen Phasen hinter dem Safety-Car vergleicht, dann hat Lewis nichts Außergewöhnliches gemacht. Ich denke, es ist glasklar, dass Trulli nicht überholen hätte sollen", so Whitmarsh.

Keine Antwort von der Rennleitung

¿pbvin|512|1421||1pb¿Und weiter: "Sobald er vorbei war, nahmen wir Kontakt zur Rennleitung auf, um den Vorfall zu erklären und um zu fragen, ob wir die Position wieder einnehmen dürfen. Verständlicherweise war die Rennleitung zu diesem Zeitpunkt sehr beschäftigt, sodass sie uns keine Antwort geben konnte. Wir haben mehrmals gefragt, aber sie waren sehr, sehr beschäftigt. Also mussten wir das selbst in die Hand nehmen. Wir gingen davon aus, dass die Kommissare eine Entscheidung treffen würden."

"Vor den Kommissaren dachten wir fälschlicherweise, dass unser Funkverkehr ohnehin bekannt ist - Charlie (Whiting, FIA-Rennleiter; Anm. d. Red.) war da, andere FIA-Leute auch", erklärt Whitmarsh. "Die Kommissare finden nun, dass wir den Funkverkehr nicht explizit genug vorgelegt haben und dass das ihre Entscheidung beeinflusst habe. Wir bedauern das. Das war ein Fehler des Teams, aber wir müssen diese Entscheidung nun akzeptieren."

Trulli ist indes glücklich darüber, den dritten Platz zurückbekommen zu haben. Die Hintergründe der FIA-Entscheidung wollte er aber nicht kommentieren: "Ich habe im Internet gelesen, dass Lewis gesagt hat, das Team habe ihm befohlen, mich vorbeizulassen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es wirklich so war - das wissen nur sie", gab der Toyota-Pilot zu Protokoll und fügte lobend hinzu: "Die FIA hat heute Glaubwürdigkeit gewonnen."

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