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Spa-Manöver: Webber und Coulthard contra Hamilton

Die beiden Red-Bull-Piloten Mark Webber und David Coulthard teilen die Ansicht ihrer Kollegen, wonach Lewis Hamilton in Spa falsch gehandelt habe

(Motorsport-Total.com) - Ein Thema beherrschte die Nachberichterstattung zum Großen Preis von Belgien wie kein Zweites: Hat sich Lewis Hamilton im Zweikampf mit Kimi Räikkönen einen unerlaubten Vorteil geholt? Die meisten Formel-1-Piloten stimmen mit dem Urteil der Rennkommissare überein, wohingegen die Meinungen über das Strafmaß freilich auseinander gehen. Mark Webber und David Coulthard pochen indes auf das Regelwerk und stellen Hamiltons Fahrt als nicht regelkonform heraus.

David Coulthard

Coulthard und Webber sind mit dem Urteil der Rennkommissare einverstanden

Wie aber muss man als Rennfahrer in einer solchen Lage reagieren? Webber kennt die Antwort darauf: "Das ist doch eigentlich ziemlich klar: Du musst nur sicherstellen, dass du vor der nächsten Kurve die Positionen wiederhergestellt hast", meinte der Australier und untermalte seine Aussage durch ein Beispiel anhand des 'Autodromo di Monza'.#w1#

Webber sieht einen Vorteil für Hamilton

"Das ist doch in Monza ganz ähnlich: Wenn ich die erste Schikane verpasse und den Kollegen durchlasse, mich an seine Fersen hefte und ihn in der zweiten Schikane überhole - dann hätte ich das niemals geschafft, wenn ich nicht die erste Schikane abgekürzt hätte. Dann müsste man mich gewiss dafür bestrafen. Genauso hat Lewis es gemacht", erläuterte Webber.

"Man wird ja nicht für das Überholen bestraft. Lewis wurde auch nicht für das Manöver an sich bestraft sondern weil er sich in der vorangegangenen Kurve einen Vorteil verschafft hatte. Ich war etwas überrascht, dass er dadurch seinen Sieg verlor - aber das wäre überhaupt kein Thema gewesen, wenn er ihn nach der Eau Rouge überholt hätte. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer."

"Er war einfach in einer guten Position für das Überholmanöver, nachdem er die Schikane ausgelassen hatte", so der Red-Bull-Fahrer abschließend. "Die Geschwindigkeiten auf der Zielgeraden sind total unerheblich, wenn man eine Kurve ausgelassen hat. Während Kimi einfach Vollgas geben musste, konnte Lewis sein Tempo für seine Attacke entsprechend dosieren. Das machte seinen Überholversuch deutlich einfacher."

Coulthard pocht auf das Formel-1-Regelwerk

Coulthard näherte sich dem Thema zunächst etwas philosophischer: "Man kann im Leben nur zweierlei machen: Entweder du hälst dich ewig mit der Vergangenheit auf oder du schaffst die Dinge aus der Welt und machst weiter. So lebe zumindest ich mein Leben", erklärte der Schotte. "Wir werden uns im Fahrerbriefing darüber unterhalten und dann einfach weitermachen. Sollten einige Fans gehen, dann werden andere kommen. So läuft das nun einmal."

"Wir als Fahrer verstehen die Regeln so: Holst du dir einen Vorteil, dann musst du die Position zurückgeben. Wenn du also unter Gelb an einem Konkurrenten vorbeigehst, dann musst du dich wieder zurückfallen lassen. Gleiches gilt für das Abschneiden einer Kurve. Wenn man sich die Situation betrachtet, dann erfüllt das doch dieses Kriterium. Was die Stewards dabei aber interessiert hat, war, ob er sich durch das Abschneiden der Schikane einen Vorteil geholt hat."

"Konnte Hamilton daher in den Windschatten von Räikkönen eintauchen, wo er nach der Kurve normalerweise nicht hätte sein können? Für uns ist das schwierig zu wissen, denn letztendlich unterliegt man immer irgendwelchen Regeln", meinte Coulthard. "Nur wenn diese kontinuierlich angewendet werden, kann unsere Welt funktionieren. Unterm Strich ist das doch ein Sport. Es gibt Regeln und die Strecke wird von weißen Linien markiert."

"In Monaco kannst du nicht abkürzen, da landest du in der Mauer. Natürlich war es nicht Monaco, aber der Fahrer hätte die Kurve sicherlich beherzigt, wenn dort eine Leitplanke gewesen wäre. Lewis wusste, dass dort keine Mauer stand und ist geradeaus gefahren. Das hat er möglicherweise nicht mit Absicht gemacht, sondern weil er Räikkönen überholen wollte und dieser ihn in diese Position gebracht hat. Aus Fahrersicht sind aber die weißen Linien entscheidend", schloss Coulthard.