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"Silly Season" im Überblick: Wer fährt 2017 für welches Team?

Wir fassen zusammen: Wo es ein rein deutsches Team geben soll, was Jenson Button nach der Formel 1 tun könnte und welche Gerüchte es sonst noch gibt

Sergio Perez

Königsfigur: Alle warten auf die Entscheidung von Sergio Perez Zoom

Liebe Leser,

rund um Monza ist die "Silly Season" in der Formel 1 traditionell in vollem Gange, und so finden wir es an der Zeit, diverse Gerüchte und Spekulationen einmal übersichtlich zusammenzufassen. Vieles ist in Bewegung im Moment, und fast alles wartet auf die Entscheidung von Sergio Perez. Der Mexikaner ist im Transfersommer 2017 die verbliebene Königsfigur, nachdem Nico Rosberg seinen Zug gemacht und Felipe Massa seine Karriere für beendet erklärt hat.

Die "Silly Season" ist für uns Journalisten ein spannendes Spiel. In informellen Gesprächen erfährt man so manche Teilinformation. Etwa von einem Manager, der die vielen attraktiven Optionen seines Schützlings enthusiastisch aufzählt (und dabei in der Regel maßlos übertreibt). Oder von einem Teamchef, der erklärt, man sei mit besagtem Manager zwar tatsächlich im Gespräch, halte ihn aber nur hin, um den anderen Fahrer, den man eigentlich will, im Preis zu drücken. All diese Informationen gilt es zu sammeln, einzuordnen und mit gesundem Menschenverstand und Logik zu bewerten.

Dass wir dabei oft viel mehr erzählt bekommen, als wir schreiben (beziehungsweise zitieren) dürfen, liegt in der Natur der Sache. Oder wie dumm würde ein Fahrer bei seinem Noch-Arbeitgeber dastehen, wenn sein Manager längst herumerzählt, dass er in Wahrheit lieber für den schärfsten Konkurrenten mit einem rivalisierenden Sponsor fahren würde? Diskretion ist in der "Silly Season" ein hohes Gut.

Diese Kolumne ist ein Versuch, den Status quo auf dem Transfermarkt abzubilden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber nach bestem Wissen und Gewissen. Und mit unserem subjektiven Tipp (in Klammern neben dem Teamnamen), welche Fahrerpaarungen 2017 zustande kommen werden.

Mercedes (Hamilton/Rosberg):
Beim aktuellen (und künftigen) Weltmeister-Team ist alles klar: Lewis Hamilton hatte ohnehin einen Vertrag bis Ende 2018, der von Nico Rosberg wurde erst kürzlich verlängert und läuft nun gleichzeitig aus. Das gibt Mercedes Zeit, die Junioren Pascal Wehrlein und Esteban Ocon in kleineren Teams ordentlich ausbilden zu lassen, bis sie wirklich reif sind.

Red Bull (Ricciardo/Verstappen):
Auch hier stehen die Fahrer für 2017 fest: Daniel Ricciardo und Max Verstappen werden in ihre zweite gemeinsame Saison gehen. Letzterer hat sogar Vertrag bis 2019, Ricciardo angeblich bis einschließlich 2018.

Ferrari (Vettel/Räikkönen):
Sebastian Vettel ist mit Ferrari noch lange nicht fertig und hofft weiterhin, genau wie Vorbild Michael Schumacher in Rot Weltmeister zu werden. Sein Vertrag läuft bis 2017. Kimi Räikkönens Vertrag wurde noch einmal für eine Saison verlängert. Danach ist aber wahrscheinlich Schluss.

Force India (Hülkenberg/Wehrlein):
Nico Hülkenberg hat einen Vertrag für 2017 und wird bleiben. Etwas komplizierter ist die Lage bei Sergio Perez. Der hat zwar auch einen Vertrag, kann aber aussteigen, wenn seine Sponsoren das wollen. Und die sehen ihn langfristig eher bei einem Werksteam als bei Force India. Wahrscheinlichstes Szenario, wenn Perez geht: Toto Wolff wird einen seiner Mercedes-Junioren, also Pascal Wehrlein (bevorzugt) oder Esteban Ocon (unwahrscheinlich), ins zweite Cockpit verhandeln.

Williams (Bottas/Nasr):
Valtteri Bottas wartet zwar noch auf die offizielle Bestätigung, ist als Management-Schützling von Toto Wolff aber gesetzt, solange Williams mit Mercedes-Motoren fährt. Für das zweite Cockpit gibt es drei Kandidaten: Felipe Nasr, der mit der Banco do Brasil einen fetten Sponsor im Gepäck hat und das (kommerzielle) Loch, das Landsmann Felipe Massa hinterlassen wird, gut stopfen könnte. Bereits in Spa wurde gemunkelt: Die auffallend gute Laune der Nasr-Familie soll mit dem Williams-Vertrag zu tun haben. Massa sagt über seinen Nachfolger: "Vielleicht ein anderer Brasilianer? Das würde mich freuen."

Variante zwei ist Sergio Perez, der aufgrund seiner mexikanischen Sponsorengelder mehr als willkommen wäre. Aber Perez zieht es angeblich woanders hin. Und Variante drei ist der hauseigene Testfahrer Lance Stroll, der dieses Jahr die Formel-3-EM gewinnen und von seinem millionenschweren Vater gefördert wird. Aber weil die Formel 1 für ihn noch sehr früh kommen würde, strebt das Team ein geteiltes Programm an: GP2 fahren und parallel Freitagseinsätze für Williams bestreiten.

Die Idee, Jenson Button am Ende seiner Karriere noch einmal zurückzuholen, ist wieder vom Tisch. "Wenn Jenson angeklopft hätte, hätte ihn Williams genommen", wird eine Teamquelle von der angesehenen Londoner 'Times' zitiert. "Es hätte perfekt gepasst, und sie hätten ihn liebend gern genommen. Aber er hat sich für die Entscheidung zu viel Zeit gelassen, und jetzt hat sich die Situation verändert. Anscheinend hofft er auf ein weiteres Jahr bei McLaren."

McLaren (Alonso/Vandoorne):
Fernando Alonso ist für das vorerst letzte Jahr seines Dreijahresvertrages gesetzt. Geht es 2017 spürbar aufwärts, wird er noch einmal unterschreiben, weil bei seinem Wunschteam Mercedes alle Türen zu sind. Auch die Entscheidung über den zweiten Fahrer ist längst gefallen: Stoffel Vandoorne wird Jenson Button ablösen. Intern geht es nur noch darum, wie man das am elegantesten kommuniziert, ohne dass jemand sein Gesicht verlieren muss. Button wird seine Formel-1-Karriere beenden. Die BBC würde ihn liebend gern im Team der Autonarren-Sendung Top Gear sehen.

Toro Rosso (Sainz/Gasly):
Carlos Sainz bekommt dank seiner hervorragenden Leistungen ein drittes Jahr im Red-Bull-Juniorteam. Daniil Kwjat hat noch bis Saisonende Zeit, sich zu rehabilitieren. Gelingt ihm das nicht, wird Pierre Gasly aus der GP2 befördert. Das ist momentan am wahrscheinlichsten, auch wenn Christian Horner angeblich ein Kwjat-Fan ist. Aber wer Helmut Marko kennt, der weiß: Zweite (oder dritte) Chancen gibt es bei Red Bull nicht. Davon können viele seiner Ex-Schützlinge ein Liedchen singen. Und die Herzlichkeit, mit der der Österreicher Gasly zu jedem seiner GP2-Siege gratuliert, lässt tief blicken.


Fotostrecke: Red-Bull-Junioren in der Formel 1

Haas (Grosjean/Gutierrez):
Die Verträge von Romain Grosjean und Esteban Gutierrez sind zwar noch nicht formell bestätigt, das gilt aber als Formsache. Beide behaupten, fest im Sattel zu sitzen. Und Technikchef Günther Steiner hat das bisher nicht dementiert.

Renault (Perez/Ocon):
Die Wunschkonstellation des Teammanagements besteht aus Sergio Perez und Esteban Ocon. Das soll laut Medienberichten beschlossene Sache sein. Sollte sich Perez gegen Force India und für Renault entscheiden, dann weil er mit Force India nicht mehr weiterkommen wird, bei einem Werksteam aber die Chance besteht, im Kräfteverhältnis ganz weit nach oben aufzusteigen - auch wenn das ein bisschen dauern kann. Kevin Magnussen und Jolyon Palmer werden für 2017 aller Voraussicht nach kein Formel-1-Cockpit finden. Und Nico Hülkenberg ist nur krasser Außenseiter, falls alle anderen Stricke reißen.

Manor (Rossi/King):
Nach dem Motto "Geld regiert die Welt" ist beim kleinsten Team der Formel 1 alles offen. Pascal Wehrlein und Esteban Ocon werden von Mercedes voraussichtlich woanders platziert. Falls doch nicht, könnte einer der beiden bleiben. Rio Haryanto ist eine Notlösung, wenn er doch noch Geld auftreiben kann. Indy-500-Sieger Alexander Rossi hat immer noch beste Kontakte zu Manor. Und Jordan King hat nicht nur einen reichen Papa, sondern auch ein bisschen Talent. Das würde dem Manor-Profil gut entsprechen.


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Sauber (Ericsson/Leclerc):
Marcus Ericsson gilt als gesetzt - nach der Übernahme durch Longbow Finance ist Sauber praktisch "sein" Team. Im Idealfall wird der Schwede eine bequeme Nummer zwei zur Seite gestellt bekommen. Felipe Nasr bringt Geld mit, hat aber keine Lust, an Ericssons Seite mit schlechterem Material zu versauern. Idealszenario: Sauber setzt einen Ferrari-Junior wie Charles Leclerc ins zweite Auto. Der tut Ericsson nicht weh - und hilft vielleicht dabei, günstige Motoren zu bekommen.

Ihr

Christian Nimmervoll

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